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Der vielseitige Hochzeitstauberer von Petting - Friedl Schuster

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Der Wonnemonat Mai ist traditionell der Monat, in denen es die Paare vor den Traualtar zieht. Das bedeutet dann auch für Friedl Schuster aus Petting Hochbetrieb. Der 65-jährige ist „Hochzeitstauberer“, der wohl Einzige im Chiemgau, Rupertiwinkl und Berchtesgadener Land.

Meistens kommt er als Überraschungsgast zu den Trauungen. Wenn das Brautpaar aus der Kirche oder dem Standesamt kommt, dann kommt der Schuster Friedl ins Spiel. Er wartet mit seiner mit Blumen geschmückten „Taubenkraxen“ auf dem Rücken auf Braut und Bräutigam. Wenn er die Kraxen abgelegt hat, entnimmt er daraus zwei weiße Tauben und überreicht sie dem Paar. Dazu gibt es eine kurze Ansprache und ein Gedicht. „Alles muss der Würde des Tages entsprechen“, sagt er. Auf Kommando fliegen die Tauben aus den Händen des Paares los und machen sich auf den Weg ins heimatliche Petting. Dort finden sie zielsicher ihren Taubenschlag ganz oben im alten Bauernhaus. Liebe, Treue, Zusammengehörigkeit und Reinheit, dafür steht die Taube und sie gilt als Liebes- und Friedenssymbol. Bereits in der Bibel hat eine Taube einen Olivenzweig zur Arche Noah gebracht. Friedl Schuster ist auf Hochzeiten im Umkreis von etwa 80 Kilometern unterwegs. Weiter will er nicht fort, die Tauben hätten dann wohl Schwierigkeiten nach Hause zu finden. Wie die Tiere zurück in ihren Schlag finden, das ist nicht klar bewiesen. Möglicherweise hat das mit dem Magnetfeld zu tun.

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Zum Einsatz kommen die „Hochzeitstauben“ nur bei schönem Wetter. Als Belohnung nach dem erfolgreichen Flug warten zuhause Erdnüsse und Hanfkörner. „Da können sie nicht widerstehen“, schmunzelt Schuster und fügt hinzu: „Tauben sind zeitlebens treu, freilich gibt es wie bei den Menschen auch, ein paar Schlawiner darunter.“ Junge Tauben richtet der Friedl ab, indem er sie mit älteren Tieren fliegen lässt. Zuerst nur zwischen zwei und drei Kilometer. Verluste sind selten, manchmal schnappen sich Greifvögel eine der Tauben.

Seine zweite Leidenschaft ist das Kochen

Vor über 25 Jahren ist Friedl Schuster nach einem bewegten Leben Petting gelandet. Er hat sich das alte und marode Bauernhaus mit Taubenkobel an der Hauptstraße gekauft. „Alle haben mir davon abgeraten und vorgeschlagen, das Haus völlig über den Haufen zu schieben.“ Zum Glück ist der Friedl stur geblieben und hat das Haus liebevoll hergerichtet und zu einem richtigen Schmuckstück gemacht. Gleich danach hat er sich Brieftauben zugelegt, Freunde haben ihm eine Tauben-Kraxen geschenkt. Später hat er plötzlich eine Anfrage bekommen, ob er denn auch Hochzeitstauben hat, erinnert er sich. „Ich hatte keine Ahnung wie das gehen sollte, trotzdem habe ich es einfach ausprobiert. Meine erste Hochzeit ist damals in Grabenstätt gewesen und so hat sich alles entwickelt.“ Friedl Schuster hat aber nicht nur ein gutes Gespür für seine Tauben sondern auch für Menschen. Vor allem nach seiner schweren Krankheit weiß er das Leben zu schätzen. Als Küchenmeister hat er in jungen Jahren die ganze Welt gesehen. Vom Bayrischen Hof in München auf die Bermudas, nach Norwegen und Kitzbühel, überall hat er die Reichen und Schönen bekocht. Kochen gehört nachwievor zu seinem Leben. Als Küchenmeister ist er für die IHK zuständig, die Meisterprüfungen abzunehmen. Für den Helferkreis der Gemeinde Petting leitete er im Rahmen des monatlichen Aktionstages einen Kochkurs.

Das meistfotografierte Haus in Petting

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Seit einiger Zeit lebt er nicht mehr ganz alleine mit seinen Tauben in Petting. Auch der Friedl hat sein „Turteltäubchen“ gefunden. „Sie hängt an mir und meinen Tieren und kümmert sich ganz liebevoll um alles“, schwärmt er. „Ziemlich viel los ist bei ihm im Sommer: „Da kommen viele Menschen vorbei und fotografieren mein Anwesen“, sagt er mit einem Lächeln. Schließlich sind sein Blumengarten und sein geschmücktes Heim ein wahrer Augenschmaus. „Mehr brauche ich nicht, wichtig ist die Gesundheit und ich kann die Seele baumeln lassen“, fügt er zufrieden hinzu. Und wie bestellt, kommen zwei seiner Turteltauben angeflogen und die Welt des Schuster-Friedls ist vollkommen.

Text: Siegi Huber
Bilder: Ernst Wukits