»Der vierte Platz fühlt sich für mich wie ein Sieg an«

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Anna Berreiter vom RC Berchtesgaden gewann den Nationencup und landete im Weltcup auf Rang vier. (Foto: Hans-Joachim Bittner)

Die deutschen Rennrodler haben am Wochenende im Weltcup am Königssee alle Einzelrennen für sich entschieden, in der Team-Staffel hingegen mussten sie sich mit Platz zwei zufriedengeben.


Grund zur Freude hatte Lokalmatadorin Anna Berreiter: Sie gewann den Nationencup am Freitag und wurde im Weltcup-Rennen auf ihrer Heimbahn starke Vierte. Die Veranstalter zeigten sich mit dem Weltcup zufrieden, auch wenn manche Abläufe für die Weltmeisterschaft Ende Januar optimiert werden müssen.

Anna Berreiter vom RC Berchtesgaden zog ein positives Fazit: »Ich denke, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Der vierte Platz fühlt sich für mich wie ein Sieg an, weil mir zwei konstante Läufe gelangen.« Dajana Eitberger landete auf Rang fünf und komplettierte das starke BSD-Resultat. Bundestrainer Norbert Loch freute sich über die gute Leistung seiner Athleten: »Auch bei denjenigen, die im hinteren Feld gelegen haben, wie zum Beispiel Geueke/Gamm mit Platz sechs oder Anna Berreiter mit Platz vier – darauf können wir aufbauen. Diese Ergebnisse geben der Mannschaft Sicherheit für die kommenden Aufgaben.«

Doch nicht alles war erfreulich, denn es gab fünf Stürze an drei Tagen. Alle verliefen relativ glimpflich, da das Team um Bahnarzt Dr. Andreas Leidinger sofort zur Stelle war. Junioren-Rodler Matvei Perestoronin aus Russland zog sich nach einem heftigen Sturz in der letzten Schlangengruben-Kurve eine Gehirnerschütterung zu und wurde ins Berchtesgadener Krankenhaus gebracht. Außerdem sind 2018-Olympiasieger David Gleirscher und das Doppel Gatt/Schöpf aus Österreich sowie die Tschechen Vejdelek/Pekny und das slowakische Doppel Vavercak/Zmij gestürzt.

Auch abseits des Sports war viel los: Sechs Fotografen schickten ihre bunten Aufnahmen in die ganze Welt. Neben Medien-Vertretern und FIL-Mitarbeitern halfen 71 Menschen rund um das Team von Bahnchef Markus Aschauer mit, den Königssee-Weltcup zu einer runden Angelegenheit werden zu lassen. Zudem ließ sich ein neues Maskottchen, ein weißer Yeti, an der Kunsteisbahn blicken.

Rennmoderator Willi Willmann und Zielraum-Sprecher Wasti Rasp kommentierten die Rennen. So erfuhren wenigstens all jene, die dabei sein durften, viel Wissenswertes über die Sportler. Zwei Ehrengäste durften nicht fehlen: der ehemalige FIL-Ehrenpräsident Sepp Fendt und natürlich sein Rodel-Kollege Sepp Lenz. Einige vermeintliche Zuschauer wollten über die große Wiese direkt an die Königsseer Bahn gelangen, sie scheiterten aber an den Security-Leuten.

Die Fans waren zumindest visuell dabei: Die menschenleere Tribüne strahlte mit all den Porträts in den bunten Dekorationen inklusive aufmunternder Sprüche. Da die Foto-Fan-Aktion gut ankam, wird sie im Bob- und Skeleton-Weltcup sowie in der Rennrodel-WM fortgesetzt. Freilich fehlte die Stimmung, vor allem bei den Siegerehrungen. Nicht mal die Hymnen durften gespielt werden.

OK-Chef Alexander Resch bilanzierte nach drei Tagen Welt- und Nationencup im Rennrodeln am Königssee: »Rein sportlich ist das Wochenende top gelaufen, es waren tolle Wettkämpfe. Die Athleten waren sehr diszipliniert, wie ich von allen Sicherheitsbeauftragten hörte. Das war und ist die Basis, hier ohne Infektion durchzukommen.«

Herausfordernd waren die Testungen mit rund 500 Leuten – das Team um Resch war die ganze Woche damit beschäftigt. Und gleich nach den Rennen am Sonntag standen die nächsten Tests für die Weiterreise nach Sigulda auf dem Programm. »Diese Abläufe müssen wir für die kommenden Bewerbe optimieren, um sie ökonomisch und schnell über die Bühne zu bekommen. Ansonsten sind wir für die WM Ende Januar bestens gerüstet. Die Bahn steht genial da, großes Kompliment an Markus Aschauer und sein Team sowie den Helfern der SG Schönau. Sie alle ermöglichten, dass wir all die Hygienekonzepte umsetzen und einhalten konnten. Hier wurde Großartiges geleistet.« Hans-Joachim Bittner