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Der Vorderbrand bekommt sein Almdorf

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So ruhig wird es am Vorderbrand bald nicht mehr sein. Das Almdorf-Projekt von Wolfgang Aschauer erhielt am Dienstag grünes Licht vom Gemeinderat. Die winterliche Aufnahme stammt von gestern Donnerstag. (Foto: Kastner)

Schönau am Königssee – Alle sprachen von einer »schwierigen Entscheidung«, am Ende stimmten dann aber doch 17 von 20 Gemeinderäten für das Projekt von Wolfgang Aschauer. Der »Lugerer«, Eigentümer des Gasthofs »Vorderbrand«, darf auf dem bislang landwirtschaftlich genutzten Feld hinter der Wirtschaft ein Almdorf für anspruchsvolle Touristen bauen. Etwa sechs eingeschossige Chalets mit jeweils 50 Quadratmetern Grundfläche plus kleiner Terrasse werden dort nach den Schätzungen von Bürgermeister Hannes Rasp entstehen können.


Ursprünglich hatten die Pläne Aschauers die Realisierung eines größeren Almdorfs mit Bauten auch im oberhalb liegenden Waldgebiet vorgesehen. Bei der Ortsbesichtigung war schnell klar: Grünes Licht würde es maximal für das Feld hinter dem Gasthof bis hinauf zum Fußweg geben. Und das beinhaltete jetzt auch der Antrag auf Einleitung eines Bauleitplanverfahrens, der dem Gremium vorlag.

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Hannes Rasp stellte das Projekt vor. Demnach ist der Bau von eingeschossigen Chalets im Stil von Almkasern mit Schrotwänden und Satteldächern geplant. »Alle Gebäude sollen eine hochwertige Ausstattung erhalten«, wusste der Bürgermeister. Vermutungen, dass das Projekt wegen eines Verstoßes gegen das Anbindegebot nicht genehmigungsfähig sein könnte, waren laut Bürgermeister bei einem Gespräch mit der Regierung von Oberbayern zerstreut worden. Denn der Landesentwicklungsplan sei demnach geändert worden, dass es für alteingesessene Betriebe einer gewissen Größe eine Befreiung vom Anbindegebot geben könne.

Es hatte aber auch noch einen anderen Grund, warum sich Hannes Rasp eher für die Einleitung eines Bauleitplanverfahrens aussprach: »Es besteht eventuell sogar ein Rechtsanspruch auf eine Erweiterung«, so der Rathauschef. Denn laut Gesetz könne sich ein Gewerbebetrieb auch im Außenbereich um 30 bis 40 Prozent erweitern. Und nachdem es in einer Nachbargemeinde (Lampllehen in Marktschellenberg; Anm. d. Red.) einen Präzedenzfall mit Chalets gegeben habe, werde man wahrscheinlich auch in Schönau am Königssee ein ähnliches Projekt nicht verhindern können. »Da wäre es mir lieber, wenn wir das Ganze über eine Bauleitplanung und einen städtebaulichen Vertrag regeln könnten. Dann haben wir auch Einfluss auf die Gestaltung«, sagte Rasp.

Von einer »schwierigen Entscheidung« sprachen dann auch fast alle Gemeinderäte, die sich zu Wort meldeten. Die deutliche Mehrzahl sprach sich am Ende aber doch für eine Erweiterung des touristischen Angebots durch den Bau von hochwertigen Chalets aus. Michael Lochner (Freie Wähler) hatte dagegen Angst vor Präzedenzfällen, wenn man hier eine Bauleitplanung einleite. »Wenn wir es da oben genehmigen, dann müssen wir es bei Bedarf womöglich auch irgendwo im Tal zulassen«. Obwohl das Projekt aus touristischer Sicht eine Bereicherung darstelle, werde er hier seine Zustimmung nicht geben, sagte Lochner. »Schließlich haben wir alle in unserem Wahlprogramm stehen, dass wir sorgsam mit den Flächen umgehen. Und das Ensemble am Vorderbrand mit dem denkmalgeschützten Hinterbrandlehen am Eingang zum Nationalpark ist einmalig.«

Ähnlich sah es Christa Brandner (CSU), die ebenfalls ihre Zustimmung verweigerte: »Ich bin gegen die Verbauung landwirtschaftlicher Nutzfläche. Und dort oben handelt es sich zudem um einen sehr sensiblen Bereich.«

»Für mich ist es keine schwierige Entscheidung«, leitete Luca Guscelli von den Grünen seinen Redebeitrag ein und weckte damit bei den Gemeinderatskollegen und Zuhörern die Erwartung, dass er das Projekt mit Pauken und Trompeten ablehnen würde. Stattdessen kam vom Grünen-Gemeinderat überraschend ein flammendes Plädoyer zugunsten des Almdorfs. »Ich weiß, dass es passt, wenn Wolfgang Aschauer das macht. Er wird auch die entsprechenden Ausgleichsflächen schaffen.«

Das wird der Antragsteller nun beweisen können, denn sein Projekt fand eine deutliche Mehrheit im Gemeinderat. Ein »Nein« kam lediglich von Michael Lochner, Christa Brandner und Norbert Eder. Ulli Kastner

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