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Freilaufende Hunde am Jagen hindern

"Der Vorderfuß des Kitzes war abgebissen"

Traunreut – Viele Hundehalter kennen das Problem: Man geht nichtsahnend spazieren und plötzlich stürmt der Hund los und hetzt einem Reh oder einem Hasen hinterher.

Immer wieder werden in der Region Rehe von streunenden und nicht angeleinten Hunden gerissen. Das ist für beide Seiten gefährlich: Wildtiere rennen um ihr Leben und Hunde dürfen bei Gefahr vom Jäger erschossen werden. Dieses Bild wurde im Dezember in Kirchanschöring aufgenommen. Foto: Archivbild (Polizei Laufen)

Erwin Buchner ist ein alter Hase, was die Jagd betrifft. Seit rund 20 Jahren ist er Mitpächter in einem Traunwalchner Jagdrevier und zuständig für den Jagdschutz. In dieser Zeit hat er manches gesehen und erlebt.

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Aber was ihm zuletzt untergekommen ist, hat ihn doch so betroffen gemacht, dass er sich in seiner Not an die Polizei Traunreut und die Öffentlichkeit wandte: »Ich musste ein Rehkitz von seinem Leid erlösen. Dem Tier war eindeutig der Vorderfuß abgebissen worden.«

»Wir haben da ja laufend Probleme«, berichtet der erfahrene Jäger. »Das Problem ist, es gibt da draußen jede Menge wirklich gute Hundebesitzer und nur wenige schlechte, aber die machen einfach alles kaputt« – den Ruf der Hundebesitzer, das Wild, aber auch das gute Miteinander. »Das geht schon damit los, dass man den vollen Hundekotbeutel in die Wiese schmeißt«, ärgert sich Buchner, »auch wenn das nichts mit der Jagd zu tun hat.«

»Jagen ist ein Urtrieb des Hundes«

Er kann nicht verstehen, warum es immer noch rücksichtslose Hundehalter gibt, die ihre Tiere auch in der Dämmerung frei laufen lassen, wenn das Wild eigentlich zum Fressen aus dem Wald kommt. »Für den Hund sind ja 50 Meter gar nichts. Und der Stammvater ist halt mal der Wolf, das Jagen ist ein Urtrieb des Hundes.« Im Wald seien außerdem Fütterungen, an denen das Wild nicht mit Angriffen rechne.

»Und die Jagd ist ja kein Hobby, sondern ein gesetzlicher Auftrag«, gibt Buchner zu bedenken. Doch es werde immer schwieriger, den Auftrag zu erfüllen. Denn das Wild habe sein Verhalten seit fünf, sechs Jahren weitgehend verändert und sei mittlerweile ausgesprochen scheu. »Es soll ja generell schon noch ein bisserl Wild da sein in der Natur«, sagt Buchner, »und das soll seinen natürlichen Fressgewohnheiten nachgehen können.«

Stadt könnte theoretisch eine Leinenpflicht erlassen

Wenig Verständnis hat er daher, wenn Hunde mit Stirnlampen im Wald unterwegs sind. »Das braucht der Hund dann nun wirklich nicht, der verlässt sich auf seine Nase.« Und bittet man als Jäger Hundehalter, ihre Tiere im Wald an die Leine zu nehmen, verweisen diese uneinsichtig nur darauf, dass es im Wald keine Anleinpflicht gebe. Die, so meint Buchner, könnte die Stadt zwar theoretisch erlassen, tue sie aber bisher nicht.

Und so gibt es immer wieder Fälle, wo Hunde das Wild erwischen und verletzen oder gar töten. Aber das Wild könnte auch so beunruhigt werden, dass es auf eine Straße läuft und über den Haufen gefahren wird – »auch das haben wir immer wieder, dass Autofahrer berichten, einen Hund gesehen zu haben, der ihnen das Reh vors Auto gehetzt hat.«

Dabei reicht in der kalten Jahreszeit laut Polizei Traunreut eine Hatz im Extremfall auch dazu, dass der Energiehaushalt des Wildes gestört wird und das Tier verendet. Freilaufende Hunde bewirken zudem das Fernbleiben des Wildes von den Fütterungsstellen. Besonders, wenn sich Hunde an den Hochsitzen herumtreiben, kann für Jäger die Jagdausübung erschwert werden.

Gegenseitige Rücksichtnahme als Ziel

Aus rechtlicher Sicht dürften Hundehalter mit ihrem Tier den Wald grundsätzlich betreten, so die Polizei weiter. Einen gesetzlichen Leinenzwang gibt es demnach zwar in Bayern nicht, aber man sollte immer darauf achten, dass sich der Hund nur so weit entfernt, dass man auf ihn noch einwirken kann.

Jäger dürften auf einen freilaufenden Hund anderenfalls auch schießen. »Das macht man aber natürlich nicht leichtfertig, auch wir Jäger wissen, dass Hunde in die Familie eingebunden sind. Aber genauso, wie wir Jäger auf diese Tatsache Rücksicht nehmen, sollten halt die Hundehalter auf das Wild Rücksicht nehmen.« coho