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Der »Wahnsinn« aus Tittenkofen

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Ausgebuffter und kaltschnäuziger kommt keine zweite bayerische Entertainerin daher: Monika Gruber. (Foto: Tessnow)

Berchtesgaden – »Wer hinter meinem Rücken schlecht über mich redet, befindet sich in einer guten Position, um mich am Arsch zu lecken«, steht auf dem T-Shirt, welches Monika Gruber am Merchandisingstand im Foyer des AlpenCongress zum Verkauf anbot.


Und genau diese Botschaft bediente die oberbayerische »Plappernudel« scharfzüngig und wortgewandt zur Freude des Berchtesgadener Publikums. Ihr lang erwarteter Auftritt am Donnerstagabend war – wie ihre anderen auch – ausverkauft.

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750 Fans jubelten gleich frenetisch los, als Monika Gruber nun endlich auf der Bühne im Großen Saal stand. Gertenschlank und auf kirschroten Stöckelschuhen kam sie wie ein Derwisch daher. Eine Eintrittskarte zu ergattern, hatte sich als unfassbar schwierig erwiesen und ähnelte selbst einer kuriosen Comedy-Nummer.

Monika Grubers »Wahnsinn« dauerte zweieinhalb Stunden. Die Bühnenrequisiten spartanisch, poppig, pink: Zwei Schweinefiguren standen dort oben. Im Hintergrund eine riesige Leinwand mit weißem Kabelgewirr als symbolische Nervenstrangkonfusion, mehr verriet sie darüber nicht. Und so plapperte die Blondine wie ein Maschinengewehr im Hochgeschwindigkeitsmonolog mit gewohnt grantelnder Manier und wie kristallklares heimisches Brauwasser in die Menge. Ausgebuffter und kaltschnäuziger kommt keine zweite bayerische Entertainerin daher. Sie ist schlau. Sie ist attraktiv. Ihr Programm in Mundart – Volltreffer.

Seit 2004 steht Monika Gruber ununterbrochen erfolgreich mit eigenen Programmen auf der Bühne. Ihr »Wahnsinn« ist das siebte Bühnenprogramm. Ein Wahnsinn auch, wie viel Power diese Frau abrufen kann und woher sie diese eigentlich nimmt.

Monika Grubers Repertoire an zynischen und mokanten Verbalattacken ist grenzenlos. Wie viele Gags mag Monika Gruber wohl an diesem Abend auf der Pfanne gehabt haben? Niemand hätte sie zählen können. Aber auch sie bedient sich gern als Anheizer mit »Preißnwitzen«, die immer ein Garant sind, das Publikum amüsiert einzustimmen. Und natürlich ist die »MeToo«-Kampagne für die kesse Kabarettistin ein gefundenes Fressen und sie liefert ihren »Senft« aus dem eigenen Erfahrungstopf dazu: »Man sollte den sogenannten Feminismus nicht übertreiben«, analysiert Gruber und fährt gleich fort: »Ja, freilich überspachtel' auch ich meine Risse und lackiere überall drüber, wo es rostet. So ist das ja nicht«, gibt sie offen zu.

Männer, Preißn und »MeToo«

Die »Gruberin« und die Männer waren schon immer ein Dauerbrenner. »Ich hatte mal ein Date mit einem Manfred. Manfred ist kein Name, mehr eine Diagnose. Der wagte es tatsächlich, mit einem mahagoniefarbenen Toupet anzutanzen. Du suchst nix Festes?, fragte ich ihn. Passt. Dann datn dir bestimmt meine Oberschenkel gfoin«, nimmt sie sich selbst auf den Arm und resümiert pikiert: »Ich bin seit Langem nicht mehr sexuell belästigt worden, und ja liebe Freunde: Ich fühle mich diskriminiert.« Und schoss einen weiteren Giftpfeil in Richtung Feminismus: »Meine Bitte: Macht nicht aus jedem Flirtversuch eine Vergewaltigung.«

Da sie vorher auch die Vegetarier aufs Korn genommen hatte, kombinierte Gruber frivol: »Ihr glaubt ja gar nicht, wie viel Spaß ein paar Zentimeter Fleisch den Frauen bereiten kann.« Das kam natürlich beim männlichen Publikum besonders gut an.

»Ich bin Bayerin«

Monika Gruber wuchs im Landkreis Erding auf, genauer gesagt in einem Dorf namens Tittenkofen. Dazu schreit sie stolz hinaus: »Heimatgefühl kommt bei mir nicht bei Europa auf. Ich bin Bayerin.« Solche Aussagen sind ein kalkulierter Publikumserfolg, weiß Gruber und fährt fort: »Ich brauche zu Weihnachten keinen ›Santa Claus‹. Wenn ich das ›Hou! Hou! Hou!‹ hören will, brauche ich nur in die Oberpfalz zu fahren.« Auch kritisiert sie diejenigen, die nur noch mit Kopfhörern und Smartphone auf dem Radl herumfahren und nichts mehr mitkriegen: »Die Teilzeitautisten, die man dann so trifft mit ihren depperten Kopfhörern, brauchen dringend a Fotzn«, meint Gruber.

Wenn Gruber die Politiker auseinandernimmt, wirkt das zwar etwas plakativ, aber ehrlich. Beispiele: »Den Ding Dong Dang« da, und meint den nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un, bezeichnet sie als Semmelknödelatomsprengkopf. Die Grünen haben sich mittlerweile selbst kompostiert, so Gruber, und wenn der Maaßen so weitermachen darf, wird der noch zum Bundeskanzler befördert. »Das ist Wahnsinn.« Das »Unheil« aber beginne bereits mit der Sprache: »Zigeunerschnitzel« dürfe man es schon nicht mehr nennen. »Was kommt als Nächstes? Darf man dann Führerschein und Heilfasten aa nimmer sagen?«, scherzt Gruber. »Ja, Hallooo, geht's noch?« So lästert sie ebenfalls über das Behördenversagen im Fall Anis Amri und die Verschleierungstaktiken samt chaotisch-verlogener Migrantenverwaltung. »Ehrlich, a bisserl Angst hob i scho«, meint sie und blickt ernst. Gruber resümiert hier subtil den Fundus ihrer Alltagsmissverständnisse, die für sie auch gleichzeitig eine Klage über sozialen und konservativen Werteverlust bedeuten. Gruber baut diese ernsten Elemente geschickt in ihr Programm ein. Nach Witzen wie am Fließband wird es bei ernsten Themen dann doch schon nachdenklich ruhig im Saal.

Ihr Lebensmotto heißt: »Scheiß da nix, dann feit da nix.« Grubers passende Performance wirkt überzeugend. Das meint sie alles so, wie sie es sagt. Als Rausschmeißer zum Finale des Auftritts singt sie sogar noch Frank Sinatras »My Way«. Freilich nach ihrer Interpretation und passend zur Dauerplapperei: »Mia tuat des Mei weh.«

Dem Berchtesgadener Publikum tat ebenfalls vom vielen Lachen das »Mei« weh und es dankte mit Standing Ovations und tosendem Applaus. Anschließend standen viele Zuschauer noch Schlange und so musste die »Gruberin« noch fleißig Autogramme schreiben. Jörg Tessnow