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Der Wahnsinn ist zurück

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Josef Brustmann (von links), Petra Amasreiter und Otto Göttler standen als »Bairisch Diatonischer Jodelwahnsinn« auf der Bühne im k1, um ihre Rückkehr zu feiern. (Foto: Heel)

Von Otto Göttler, einem ehemaligen Radrennfahrer und Weinhändler, 1986 gegründet, entwickelte sich der »Bairisch Diatonische Jodelwahnsinn« mit seiner »Anarcho-Volksmusik« rasch zu einem Renner in der bayerischen Kleinkunstszene. War es doch so neu wie unterhaltsam, wie Otto Göttler entsprechend arrangierte Melodien der traditionellen bayerischen Volksmusik mit aufmüpfig-subversiven, leicht anarchistischen, aber auch schön poetischen Texten verband.


Anfang der 90er Jahre formierte sich die Gruppe neu, nun standen neben Otto Göttler die Geigerin Monika Drasch und der ehemalige Musiklehrer Josef Brustmann auf der Bühne. In dieser Kombination spielten und sangen die drei bis zur Auflösung der Band im Jahr 2002. Monika Drasch wirkte anschließend bei Hubert von Goisern mit, Josef Brustmann engagierte sich bei der »Monaco Bagage« und debütierte als Kabarettist, und Otto Göttler stellte mit dem Rockbarden Sepp Raith ein neues Musikkabarett zusammen.

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Für ihren Neustart des Bairisch Diatonischen Jodelwahnsinns haben Otto Göttler und Josef Brustmann die Geigerin Petra Amasreiter engagiert – »im Internet gecastet«. Das Konzept aber blieb unverändert, wie das Publikum bei ihrem Auftritt im nur mäßig besetzten Saal des Traunreuter k1 feststellte, wo sie ihre Comeback-Show »Die Zeit ist reif« präsentierten. Da war vom Landler bis zum Rap musikalisch alles drin, vielseitig instrumentiert und glänzend gespielt, und auch die (Gstanzl-)Texte hatten nichts von ihrem Biss und Witz eingebüßt.

Als Moderator fungierte Josef Brustmann, der zwischendurch launige Grabstein-Sprüche zum Besten gab: »Beim Kaminkehrer steht: Er kehrt nie wieder«, oder von einem Bekannten erzählte, der seinem Vater das Altersheim mit den Worten »Es ist ja nicht für immer« schmackhaft machen wollte. Hin und wieder mischte sich auch Otto Göttler ein, mit einer Spitze gegen die Volksmusik-Ikone Tobi Reiser, dessen »Maxglahner Faschingsmarsch« er in der Originalversion, sprich: »Schwarze Rosen«, spielte. Und auch Neuzugang Petra Amasreiter machte eine prima Figur und überzeugte nicht nur an der Geige, sondern auch an der E-Gitarre und am Kontrabass. Entsprechend vergnüglich verlief der Abend, zumal auch die Liedtexte von skurrilem Witz und leichtem Spott nur so sprühten. So nahm das Trio gekonnt die »Dahoam is dahoam-Seligkeit« aufs Korn, parodierte über Sigmund Freud und entführte das Publikum in ein virtuelles Bierzelt.

Schade nur, dass nicht mehr Besucher den Weg zu dieser schlitzohrigen Mischung aus urigem Kabarett und schräger Volksmusik gefunden haben. Wolfgang Schweiger