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Musik international beim Konzert »Vivaldi still has the Blues« in der »Kia Speed Skating Academy«

»Der Weltfrieden beginnt in Inzell«

Adriaan Stoet, Geige, und Harold Kooij, Klavier, beherrschen alle Arten von Crossover-Techniken – kein klassisches Werk »ist vor ihnen sicher«. Marnix Wieberdinck, der Leiter der Kia Speed Skating Academy, gesellt sich als unerschrockener Schlagzeuger zu den Profis. (Foto: Janoschka)

Zum zweiten Mal organisierte in Inzell Marnix Wieberdinck, Leiter der »Speed Skating Academy«, für Gäste und Einheimische einen kulturellen Abend der besonderen Art auf seinem, mit einem Zelt überdachten, Gelände.


Trotz eines heftigen Unwetters, das noch eine Stunde vor Beginn des Konzerts »Vivaldi still has the Blues« so heftig tobte, dass die Wassermassen das Zelt zu Boden drückten, ermöglichte er mit seinem Team den Besuchern einen unvergesslichen musikalischen Sommerabend. Auf der Bühne stand dieses Mal nicht nur ein elektronisches Piano, sondern auch ein Klavier.

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So konnte Harold Kooij das entsprechende Tasteninstrument je nach Musikgenre auswählen und manchmal sogar auf beiden gleichzeitig spielen. Mit seinem Musikerfreund, dem Weltklassegeiger Adriaan Stoet, gab er überwiegend bekannte Werke der Musikliteratur zum Besten, aber nicht immer so, wie sie im Konzertsaal erklingen: Die beiden Künstler improvisierten, modulierten, präludierten, variierten und verzierten musikalisch, was das Zeug hielt.

Und sie kombinierten Werke verschiedenster Art zu etwas ganz Neuem. Klangschöne Virtuosität oder stimmungsvolle Melodien auf der Geige, Rock und Blues am Piano, abwechslungsreiche Kadenzen der beiden Ausnahmemusiker ließen aufhorchen! Sie veränderten den Stil der Aufführungspraxis wie zum Beispiel bei Antonio Vivaldis »Der Winter« aus den »Vier Jahreszeiten«, oder ebenso bei »Der Frühling« des selben Komponisten. Der Geiger stellte das Thema mit wunderschönem Klang vor, doch dann überließ er für einige Takte seinem Partner die Bühne. Dieser ergänzte den bekannten Satz aus Vivaldis Violinkonzert mit einer zeitgenössischen Improvisation – er veränderte den Vertreter von Barockmusik zu Bar- oder Filmmusik und variierte den Klang durch das abwechselnde Spiel auf den beiden Klavieren. Während die Geige noch leichtfüßig Mozarts »Kleine Nachtmusik« trällerte, rockte und jazzte das Klavier schon und veränderte den Rhythmus synkopisch in Richtung Blues. An einer harmonisch passenden Stelle ging Mozarts Serenade dann in das Violinkonzert e-Moll von Felix Mendelssohn Bartholdy über und endete wieder klassisch à la Mozart.

Die »Meditation« aus Thais von Jules Massenet war fast das einzige Stück, das im Original gespielt wurde – und Aadrian Stoet interpretierte es ausdrucksstark mit samt-warmem Klang. Auch »It ain’t necessarily so« aus Porgy and Bess von George Gershwin in der Fassung von Jasha Haiffez begeisterte die Gäste, die mit Zwischenapplaus nicht sparten. In den Pausen zwischen den Sets unterhielt Boris Vasilkovskiy, ein erfolgreicher Trainer und Coach der russischen Eisschnellläufer, die Gäste mit russischen Melodien und Blues-Improvisationen auf dem Klavier.

Eine variationsreiche Fassung von »The show must go on« und »Who wants to live for ever« von »Queen« leitete über zu der Filmmusik zu »Schindlers Liste« des Komponisten John Williams. Die Filmmusik zu »Once upon a time in the West« erklang in Kombination zu »Yesterday« und »Michelle« von den Beatles. Und weil ja immer noch eine Steigerung möglich ist, durfte Marnix Wieberdinck den »Ungarischen Tanz Nr. 5« von Johannes Brahms und den »Czardas« von Vittorio Monti auf der kleinen und der großen Trommel begleitend untermalen. Mittendrin spielten die beiden Musiker »Die Grachten van Amsterdam«, ein holländisches Volkslied, das beinahe den Charakter einer Nationalhymne hat. Es folgten »Ave Maria« von Astor Piazzola, Nana Mouskouris »Only Love« und »Summertime« von George Gershwin voller Variationen und Kadenzen, die teilweise an Max Bruchs Violinkonzert anklingen.

Viele Nationalitäten waren an diesem Abend dabei, besonders herausragend jedoch war das Miteinander der russischen und der holländischen Musik. Eine Besucherin aus Holland war überzeugt, dass an diesem Ort soeben der Grundstein für den dringend erwarteten Weltfrieden gelegt wurde. Brigitte Janoschka