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Der Winter geht in die nächste Verlängerung

Berlin (dpa) - Der hartnäckige Winter verhindert den Frühlingsdurchbruch, die Kälte bleibt bis nach Ostern. In einigen Bundesländer könnte es der kälteste März seit 130 Jahren werden. In Großbritannien erfrieren Osterlämmer. Und in Moskau und Kiew sind die Schneeräumer im Dauereinsatz.

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Streusalzberg in Kassel: Der Winter geht in die Verlängerung. Foto: Uwe Zucchi/Archiv Foto: dpa

Viele Deutsche ergreifen die Flucht und fliegen in die Sonne. Von null Grad im Nordosten bis zehn Grad im Süden reicht die Palette in Deutschland während der Feiertage. Der diesjährige März könnte in einigen Bundesländern der kälteste seit 130 Jahren werden. In Großbritannien begruben die Schneemassen Schafe und Osterlämmer unter sich. In Moskau und Kiew müssen tonnenweise Schnee geräumt werden, danach drohen Überschwemmungen.

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«Hoch "Jill" über Südskandinavien lässt einfach nicht locker und schickt uns weiterhin permanent kalte Luft aus russischen oder polaren Gefilden», sagte Meteorologe Simon Trippler vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Offenbach am Mittwoch. Ein Frühlingsdurchbruch ist nicht in Sicht. Auch Tief «Dieter», das bis Samstag Deutschland von West nach Ost überquert, werde es auch nicht wärmer machen, sondern Regen und Schnee bringen. Und danach dominiere wieder die Ostströmung: «Das garantiert die Fortdauer der zu kalten Witterung bis über Ostern hinaus», sagte Trippler.

Der hartnäckige Winter beschert den Reisekonzernen eine Buchungswelle bei Fernreisen. «Ostern ist alles rappelvoll», sagte die Sprecherin des Reisekonzerns Tui, Anja Braun, der Nachrichtenagentur dpa. «Wir haben in den letzten Wochen ordentliche Zuwächse gesehen und schieben es auch wirklich ein bisschen aufs Wetter», betonte sie am Mittwoch in Hannover. Angesichts der guten Buchungslage gebe es kaum noch Last-Minute-Angebote. Auch andere Anbieter sind ausgebucht.

Im Nordosten Deutschlands geht der kälteste März seit mindestens 130 Jahren zu Ende. Für Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Berlin ermittelte der DWD Durchschnittstemperaturen bis zu knapp minus zwei Grad, die ganz dicht am bisherigen März-Kälterekord aus dem Jahr 1883 liegen.

In den letzten vier Tagen des Monats wird sich entscheiden, ob es dort sogar einen Rekord gibt. Es wäre dann der kälteste März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen 1881. Nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe sind in diesem Winter in Deutschland mindestens fünf wohnungslose Menschen erfroren.

Nach Rekordschneefällen in Moskau schaufelten in der Nacht zu Mittwoch Bagger tonnenweise Schnee von den Straßen. Der Wetterdienst kündigte Tauwetter und Plusgrade an, weshalb sich die Moskauer auf Matsch und Überschwemmungen einstellen mussten. In Russland gibt es nach jüngsten Angaben bisher 314 Kältetote. In der ukrainischen Hauptstadt Kiew entließ Verwaltungschef Alexander Popow seinen Stellvertreter sowie mehrere Funktionäre kommunaler Betriebe, die beim Winterdienst versagt hätten. Kiew hatte mit so starken Schneefällen zu kämpfen wie seit mehr als 100 Jahren nicht mehr. Auch dort warnten Behörden vor Hochwasser.

In Schottland und Nordirland kämpfen Menschen wie auch Tiere gegen das anhaltende Winterwetter. Auf der Insel Isle of Man suchten Bauern erneut nach Schafen und Osterlämmchen, die unter hohem Schnee begraben waren. Tausende Tiere könnten verendet sein. Der Vogelschutzbund berichtete von zahlreichen Todesfällen bei seltenen Vögeln. In Schottland blieben tausende Menschen den sechsten Tag in Folge ohne Strom. In Nordirland wurden Bewohner von abgelegenen Bauernhöfen von der Armee versorgt. Meteorologen sagten voraus, das die Wintertemperaturen noch bis Mitte April anhalten könnten. Für einige Orte wurde «weiße Ostern» mit Schneefällen vorausgesagt.

Mitteilung zu Entlassungen in Kiew

Wetterdienst