Bildtext einblenden
Musikanten mit und um Heine Albrecht (2. von rechts) sorgten für eine musikalische Umrahmung der Versammlung. (Foto: Giesen)

»Der Wolf ist ein Mörder«: Almbauern und Waldbesitzer sehen sich schweren Belastungen ausgesetzt

Ruhpolding – Hoch emotional entwickelte sich die nicht auf der Tagesordnung vorgesehene Debatte über den Wolf, der Almbauern, Waldbesitzer und deren Familien schwer belastet. »Der Wolf ist ein Mörder. Mörder kann man nicht frei herumlaufen lassen«, sagte ein Almbauer aus Schönau. Das Leid, das die Familien mitmachen, denen Tiere gerissen werden, könne sich keiner vorstellen. »Der Wolf muss von Profis gejagt werden«, forderte er.


Trotz des ungewöhnlichen Abendtermins war die Jahresversammlung des Verbands der Forstberechtigten im Chiemgau mit rund 200 Verbandsmitgliedern von Miesbach bis Berchtesgaden sehr gut besucht. Nach über zwei Jahren coronabedingter Pause hieß der Vorsitzende, Traunsteins Landrat Siegfried Walch, im Hotel Zur Post in Ruhpolding wieder Repräsentanten aus Politik, Forst, Behörden und Vereinen willkommen. Der Verband der Forstberechtigten vertritt insgesamt rund 800 Mitglieder, davon 550 aus dem Landkreis Traunstein, 250 aus dem Berchtesgadener Land und einige aus anderen Landkreisen.

Aus Freude, dass endlich wieder »live und direkt«, wie Walch sagte, alle zusammen sein konnten, spielte die renommierte Volksmusikgruppe um Heine Albrecht, Ziach, mit Elisabeth Mader, Harfe, Hermann Huber, Ziach, und Dr. Elmar Walter, Tuba.

An Stelle der angekündigten Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber, die zwei Stunden vor Beginn absagen musste, las der CSU-Landtagsabgeordnete Klaus Steiner ihr Grußwort an den Verband. Die Ministerin sprach sich dafür aus, dass der »Wolfsbestand an die Almwirtschaft angepasst« werden müsse. Rudelbildung sei unbedingt zu vermeiden, denn zu viele Wölfe in der Region könnten das Ende der Almwirtschaft bedeuten, so die Ministerin.

Diese Meinung unterstützte auch Klaus Steiner. Er selbst komme gerade aus »schwerem Gefecht« zum Thema Wolf im Landtag. Niemand wolle den Wolf ausrotten, aber es gebe nun mal Regionen, wo der Wolf keinen adäquaten Lebensraum habe, nämlich in den Bereichen der Almwirtschaft, zum Beispiel in den Landkreisen Traunstein und Berchtesgaden.

Auch Landrat Siegfried Walch gab seiner Überzeugung Ausdruck, dass der Wolf nicht in die Alpenregion gehöre. In neun Regionen in Deutschland sei es nachgewiesen, dass sich Wölfe fest angesiedelt haben. Das sei in der hiesigen Region viel zu gefährlich. Deshalb habe er vor einigen Monaten im Namen des Verbands den Antrag auf Entnahme des Wolfs gestellt, der damals in der Ortsmitte in Bergen gesichtet worden war und mehrere Tiere gerissen hatte. »Das hat dann ein Auto erledigt«, so Walch, in dem Fall glücklicher Weise, denn es sei immer schwierig, ein bestimmtes Tier nahe der Wohnbebauung zu erlegen. Das Thema bleibe aber akut. Die hiesige unverwechselbare Kulturlandschaft werde von den Bauern gepflegt. »Wir sind kein Freilichtmuseum«, so Walch, »wir haben viele von Familien geführte Betriebe, die die Almen bewirtschaften. »Das Gesicht unserer Kultur«, sei in Gefahr.

Sebastian Siglreithmeier aus Ruhpolding sagte, die Leute müssten dringend besser über den Wolf informiert werden. Die Bauern sollten sich zusammen tun und breiter aufstellen. Es gebe ohnehin nur noch sehr wenige Landwirte im Haupterwerb und die Nebenerwerbslandwirte würden einer nach dem anderen hinschmeißen, wenn zu den übrigen Belastungen auch noch die ständige Bedrohung durch den Wolf komme. Er selbst habe kürzlich zu Anschauungszwecken an einem gut frequentierten Platz in der Urschlau einen Musterzaun errichtet und Tafeln zur Erklärung für die Touristen und Wanderer aufgestellt. Kurz darauf habe er auf Weisung des Landratsamts die Tafeln wieder entfernen müssen. Der Landrat entgegnete, dass hier grundsätzlich ein Neutralitätsgebot gelte. Er schlug aber vor, »sich nochmal zusammenzusetzen«, um eventuell eine Lösung zu finden.

»Wir brauchen eine Sofortmaßnahme gegen den Wolf«, meinte auch Ludwig Böddecker vom Sulzner Hof in Ruhpolding. Geld von den Versicherungen sei keine Lösung, denn hier gehe es um viel mehr, als nur um Geld.

Mehrere der Bauern, die sich zu Wort meldeten, hatten zwei Tage vor der Versammlung einen Vortrag von Marcel Züger, Diplombiologe aus der Schweiz, zum Thema »Wölfe in der Schweiz – Erfahrungen und Konsequenzen für Bayern« in Aufham, Berchtesgaden, gehört, organisiert vom Bauernverband. Alois Speicher, Pötsch aus Reit im Winkl, sagte, dass dieser Redner, der als Naturschützer noch vor zehn Jahren für die Ansiedlung des Wolfs in der Region gewesen sei, heute ganz anders denke. Züger müsse man unbedingt im Landtag reden lassen.

Andreas Aigner, Naderbauer aus Marquartstein, Piesenhausen, der eine Recht- und Eigentumsalm auf der Weidenau auf 1070 Metern Höhe bewirtschaftet und 85 eigene Rinder hat, berichtete eindringlich von der Angst seiner Familie, vor allem seiner vier Kinder. »Jeder Private ist betroffen«, so Aigner. »Was ist mit den Waldkindergärten?« Bei anderen Bedrohungen würde im Rechtssystem immer alles gemacht, aber beim Wolf? »Wo samma denn?« Er wünschte deshalb, dass »mal ein Dackel oder eine Katz'« am besten von einem Rechtsanwalt, von einem Wolf gefressen würde, dann wär' was los.

(Über weitere wichtige Punkte der Versammlung der Forstberechtigten berichten wir noch).

gi