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»Der Wolf ist ein Seelenwächter«

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Angeline Bauer mit ihrem neuesten historischen Roman »Wolfstraum«. (Foto: Eder)

»Wenn du einen Wolf siehst, der weint, ist der Tod nah. Der Wolf ist ein Seelenwächter«, las die Grassauerin Angeline Bauer aus ihrem neuen historischen Roman »Wolfstraum« in der Grassauer Bücherei. Und dieser imaginäre Wolf erscheint der Protagonistin Annelie in ihren schwersten Stunden. In einer eindrucksvollen, empfindsamen Sprache erzählt Angeline Bauer von der Tochter des Holzmüllers, die aus ihrem Zuhause ausbricht, neue Wege beschreitet, einiges erleiden muss, aber letztlich als starke Frau zur Romanheldin wird.


Als Ort des Geschehens wählte die Autorin, die mit ihrem letzten Roman »Die Niemalsbraut« einen großen Erfolg feiern konnte, dieses Mal die Gegend um das Tegernseer Tal und hier besonders den Setzberg. Annelie muss schon früh hart arbeiten und ihre zu früh verstorbene Mutter in der Holzmühle ersetzen. Ihr jähzorniger Vater kommt mit dem Verlust der Mutter und des hoffnungsvollen Sohnes nicht zurecht und lässt seine Wut an Annelie und auch ihren »depperten Bruder« Lenz aus. Der geistig zurückgebliebene Lenz hingegen liebt seine Schwester über alles und ihm zuliebe erträgt sie das Leben in der Mühle. Einen Hoffnungsschimmer stellt der Schreinerbub Martin dar, in den sie verliebt ist und mit dem sie ihre Zukunft gestalten möchte, allerdings nicht ohne ihren Bruder. Durch eine Intrige kommt es aber nicht zu der Verbindung. Eines Tages lernt sie im Wald den berüchtigten Wilddieb Georg Jennerwein kennen und flieht schließlich mit ihm in eine unbekannte Zukunft. Als sie Jennerwein im Winter einst zurücklässt, sie sich im Wald verirrt und sie zwischen Leben und Tod schwebt, erscheint ihr der Wolf im Traum.

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Der Roman spielt Mitte des 19. Jahrhunderts, einer Zeit der familiären Zwänge. Wie Angeline Bauer informierte, gebe es sehr viele historische Romane, die sich um Adelsgeschlechter und Königshäuser drehen und somit nur ein Prozent der damaligen Bevölkerung vertreten. Sie aber beschäftige sich mit den einfachen Leuten, mit dem Bauernstand und dem harten Leben auf dem Dorf. Natürlich habe sie viel recherchiert und als historische Figur den Wilddieb Jennerwein gewählt, da dieser nicht nur als unerschrocken, sondern auch als Weiberheld galt. Die anderen Akteure im Roman sind frei erfunden, hätten aber durchaus in der damaligen Zeit leben können.

Fein zeichnet sie die Charaktere ihrer Protagonisten, an erster Stelle natürlich, den der Annelie, einem verträumten Mädchen, dass zur starken selbstbewussten Frau heranwächst. Nicht von ungefähr ist auch die Darstellung des zurückgebliebenen Lenz, denn zu dieser Zeit gab es mangels Förderung vielerorts geistig Behinderte, die ein völlig ausgegrenztes Leben fristeten, verhöhnt und versteckt lebten und oft als Sündenbock dienen mussten.

Still war es bei der Lesung und die Zuhörer konnten sich ein genaues Bild der Annelie machen und sympathisierten sofort mit der Hauptperson. Tb