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Kurt Smetana mischt sich ein, wenn ihm eine Entwicklung missfällt – 69-jähriger Linker sagt: »Ich bin nicht nachtragend«

Der »Wutbauch« ist ruhiger geworden

Berchtesgaden – Er war Mitglied bei der SPD und bei den Grünen. Das ist zwar längst vorbei, aber politisch steht Kurt Smetana immer noch sehr weit links. Und der 69-Jährige macht den Mund auf, wenn er eine Entwicklung in seiner Heimatgemeinde Berchtesgaden für falsch hält. So ist der Architekt im Ruhestand als Kritiker gefürchtet, als Mensch dagegen durchaus beliebt. Warum ihn das ständige Anecken so reizt und er dennoch mit vielen Andersdenkenden ziemlich gut auskommt, verriet Kurt Smetana Redaktionsleiter Ulli Kastner bei einem Kaffee im Hotel »Edelweiß«.

Was Kurt Smetana von der entscheidenden Mittelschulverbandssitzung hält, verdeutlichte er mit dieser Karikatur. Die ging beispielsweise an alle Gemeinderatsfraktionen. (Repro: Kastner)

Kurt Smetana ist bekannt im Ort und darüber hinaus. Vor allem bei Behörden, Politikern und Journalisten meldet sich der 69-Jährige gerne, um vor Fehlentwicklungen zu warnen. Und seine Aussagen untermauert der Architekt gerne mit Briefen und Karikaturen. Vor allem, wenn es um das Ortsbild oder soziale Aspekte geht, redet der Berchtesgadener gerne mit. »Vielleicht habe ich meine politische Einstellung von meinem Vater, obwohl ich noch viel linker bin als er«, sagt der 69-Jährige.

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Familie kommt aus dem Sudetenland

Kurt Smetanas Eltern kamen als Heimatvertriebene 1946/47 aus dem Sudetenland nach Berchtesgaden, wo sie zunächst im Lager auf dem Anzenbachfeld eine Unterkunft fanden. Genau dort wuchs der 1948 geborene Kurt auf. »Ich fand das damals gar nicht so schlimm. Im Gegenteil: Es war wie ein Abenteuerspielplatz«, erinnert er sich heute. Der Vater engagierte sich damals im Bund der Heimatvertriebenen und Entrechteten (BHE), während Sohn Kurt die Volksschule besuchte. »Schon damals habe ich gerne aufbegehrt, wenn mir etwas nicht gepasst hat«, weiß Smetana. »Wutbauch« haben ihn seine Schulkameraden deshalb genannt. Doch schnell fügt er an: »Heute bin ich viel ruhiger.«

Später absolvierte Smetana eine auf zwei Jahre verkürzte Maurerlehre, die Voraussetzung für ein Bauingenieursstudium an der Fachhochschule München war. Inklusive Aufbaustudium Architektur und Städtebau an der Kunstakademie sowie späteren Anstellungen in Ingenieurbüros und bei der Stadt München verbrachte Kurt Smetana mehrere Jahre in der bayerischen Landeshauptstadt.

Spannende 68er-Zeit in München

»Und es war eine spannende Zeit«, betont der 69-Jährige mit ausdrucksvoller Miene. Es war nämlich die 68er-Zeit mit Studentenprotesten und Streifzügen durch die verschiedenen Szene-Kneipen, bei denen er andere Querdenker wie Willy Michl und Ottfried Fischer kennenlernte. Smetana war auch Mitglied in einem Münchner Literaturkreis. »Daraus haben sich später die Jungsozialisten Berchtesgadener Land-Süd entwickelt, bei denen ich zusammen mit meinem verstorbenen Freund Martin Rasp, den ich sehr vermisse, aktiv war«, schildert Smetana. Bei ihrer ersten politischen Aktion, die am Ende auch noch erfolgreich war, ging es um den Erhalt des Berchtesgadener Friedhofs. Zur selben Zeit entwarf Smetana zusammen mit Rasp verschiedene Kunstobjekte.

Nur etwa fünf Jahre hielt es Kurt Smetana in der SPD aus. Nach dem Radikalenerlass von 1972, der das Ziel hatte, die Beschäftigung sogenannter Verfassungsfeinde im öffentlichen Dienst zu verhindern, gab der Berchtesgadener sein Parteibuch zurück. Viele Jahre später, in den 80er-Jahren, versuchte es Smetana noch einmal mit einer anderen Partei. »Ich ging zu den Grünen, schließlich war ich immer schon links«, sagt er. Auf einem hinteren Listenplatz kandidierte er auch für den Berchtesgadener Gemeinderat. Nach etwa fünf Jahren hatte sich Smetana aber auch mit den Grünen schon auseinandergelebt. »Wenn ich feststelle, dass ich mit anderen nicht zurechtkomme, dann mache ich es lieber alleine«, lautet seine Erklärung. Schließlich weiß Smetana auch, dass er für einen Politiker »zu undiplomatisch« ist. »Ich konnte mich noch nie anpassen«, räumt er ein. Für die Leute, die mit ihm umgehen müssten, sei das oft sehr schwierig.

Politik von zu Hause aus

Und so betrieb er schließlich – neben der Betreuung verschiedener Bauprojekte – Politik von zu Hause aus, indem er sich einmischte, wo er es für notwendig fand. Wohl jede Berchtesgadener Gemeinderatsfraktion kennt die Schreiben und Karikaturen, mit denen Smetana auf Fehlentwicklungen aufmerksam machen will. »Ich mache das aber nicht anonym, sondern immer mit meiner Unterschrift«, versichert der Streitbare.

Obwohl Kurt Smetana nie ein politisches Mandat hatte, konnte er in den letzten Jahren doch einiges bewegen. Auch aufgrund seiner Beharrlichkeit bei den Planungen für das Hotel »Edelweiß« ist das Gebäude letztendlich um einiges niedriger geworden als ursprünglich geplant. Smetana hat auch Anteil daran, dass der Obersalzberg mit der Dokumentation zu einer Erinnerungsstätte wurde. In anderen Angelegenheiten war er weniger erfolgreich, teilweise ärgert sich Kurt Smetana noch heute darüber.

Unzufrieden ist er mit dem Verkauf des Schulhauses Maria Gern oder mit der Bebauung des ehemaligen Milchkurgarten-Grundstücks. »Es ist eine Katastrophe, was man dort hingebaut hat«, sagt der 69-Jährige. Auch die Bauruine beim denkmalgeschützten Gebäude Rank im Nonntal ärgert ihn. Dagegen freut er sich darüber, welche Schmuckstücke andere Hausbesitzer in der Nachbarschaft aus ihren historischen Gebäuden gemacht haben.

Kommunikativ und nicht nachtragend

Dass der Forstbetrieb einen Teil der alten Kehlsteinstraßen für forstliche Zwecke verbreitern will, regt den Berchtesgadener dagegen genauso auf wie die vorgesehene Errichtung einer Baustraße auf den Jenner. Nicht anfreunden kann sich Kurt Smetana auch mit der Verlegung der Mittelschule nach Bischofswiesen. Hier kritisiert er auch die Lokalpolitiker von SPD und Grünen, mit denen er teilweise sogar befreundet ist. »Das macht nichts. Wenn es sein muss, nehme ich auch meine Freunde in die Pflicht«, sagt Smetana. Der ist aber auch ein wenig stolz darauf, dass er nicht nachtragend ist.

Ohnehin ist eine Stärke des 69-Jährigen seine Kommunikationsfähigkeit. Die machte es beispielsweise auch möglich, sich in damals schwieriger Zeit mit Hotelier Peter Hettegger zusammenzusetzen und über die »Edelweiß«-Pläne zu reden. »Aus einem Weißbier sind dann zwei und schließlich drei geworden«, schmunzelt Kurt Smetana.

Dennoch ist Smetana aufgrund seiner ständigen Einmischung in den letzten Jahren auch viel angefeindet worden. »Das tut erst einmal schon weh«, räumt der Berchtesgadener ein, ergänzt aber: »Ich teile oft aus, da muss ich halt auch einstecken können.«

»A bissl was geht immer«

Ganz so weit aus dem Fenster lehnen will sich Kurt Smetana aber heute nicht mehr. Oft ist ihm die Arbeit in seinem Gemüsegarten oder die Beschäftigung mit seinen Bienen, Obstbäumen und Orchideen einfach lieber. Aber ganz zurückziehen aus der politischen Hintergrundarbeit will sich Smetana nun doch nicht. Er nimmt einen genüsslichen Schluck aus seiner Tasse und grinst: »A bissl was geht immer!« Ulli Kastner