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Andreas Ottensamer spielt erstmals ein Konzert mit der Camerata Salzburg

Der Zauber der Klarinette

Andreas Ottensamer punktete mit Charisma und instrumentaler Brillanz. (Foto: Aumiller)

Im vierten Abokonzert der Camerata Salzburg (in Zukunft heißen die Abokonzerte Saisonkonzerte) hat der Klarinettist Andreas Ottensamer erstmals im Großen Saal des Mozarteums mit dem Salzburger Orchester gespielt. Dass nicht nur Wiener Blut in seine Adern fließt, sondern auch ungarisches, brachte er in den Arrangements zweier Walzer und ungarischer Tänze von Brahms temperamentvoll feurig, charismatisch und überzeugend zum Ausdruck – und die Camerata-Musiker sekundierten prachtvoll.


Andreas Ottensamer erklärte auch, dass Brahms seine »Ungarischen Tänze« eigentlich als Arrangements ungarischer Volksweisen niedergeschrieben habe. Die Einrichtung für die Klarinettenstimme sei somit als Re-Arrangement der Brahmstänze anzusehen, die Rückkehr zum Ursprung der Volksmusik, wie sie Brahms vermutlich einstmals hörte. Für das Zusammenspiel mit der Camerata wurde jetzt diese »Rückkoppelung« wiederum neu von Stephan Koncz für Klarinette mit Kammerorchester arrangiert – sozusagen das Arrangement vom Re-Arrangement des von Brahms geschaffenen Arrangements.

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Das Klangergebnis war allerdings weit weniger kompliziert. Es war ein flottes Musizieren in zündender Rhythmik und schönster Ungarnstimmung. Ottensamer ließ die Klarinettenstimme wirbeln und tanzen, rasant wie eine Zigeunerfidel, dabei aber von niveauvollem Bläserton getragen. Sein Spiel war bravourös und tonschön und er gab seine ganze Persönlichkeit als Ausdruckspalette dazu.

Mit dem »Székler Tanz« des ungarischen Komponisten Leó Weiner sammelte er noch eine Portion Extrapunkte. Die langen ruhigen Phrasen im 2. Satz auf schier endlosem Atem und die fantasievoll verarbeiteten typischen Farben strahlten großen Reiz aus und Ottensamer schien musikalisch mit seinem Instrument in seinem Element.

Mit Virtuosität hatte er zuvor bereits im Konzert für Klarinette und Orchester Nr. 7 Es-Dur, dem »Darmstädter Konzert Nr. 1« von Carl Stamitz gepunktet. Stamitz, der jüngeren Generation der Mannheimer Schule zugehörig, ist mit diesem Konzert eine Art Vater der Klarinette. Ottensamer veranschaulichte die instrumentalen Ansprüche mit Impetus und geläufiger Spielweise und zeigte auch seine musikalische Affinität zu dem Stück, das dem Klarinettisten einiges an spieltechnischem Raffinement abverlangt.

Zur Umrahmung der Klarinettenpräsenz war die vorausgehende g-Moll-Symphonie von Johann Anton Fils, 1760 in Paris im Erstdruck veröffentlicht, die hinführende Einstimmung zum Stamitz-Konzert. Pils, ebenfalls eine Größe der Mannheimer Schule, bringt in seiner Symphonie Anklänge an barocke Elemente in Verbindung mit auf die Klassik hinführenden Tendenzen. Die Camerata spielte die Symphonie schwungvoll in forscher Beweglichkeit und führte im 2. Satz die lieblich schlichte Melodik im Divertimento-Charakter mit ihren Themenwiederholungen mit Eleganz aus. Das Finale eilte dann schnell in lustiger Beweglichkeit dahin.

Eine interessante Variante zeigte die Streicherfassung des Quintetts für zwei Violinen, zwei Bratschen und Violoncello G-Dur op. 111 von Johannes Brahms. Das Streichquintett in Orchesterfassung erwies sich so ungewöhnlich wie reizvoll. Die anders verteilten Klanggewichte gaben dem Werk ein neues Gesicht. Die große Bratschengruppe brachte warme Farben ins Stück als Zentrum zwischen den hohen und tiefen Streichern.

Die Camerata-Musiker unter der Führung von Konzertmeister Gregory Ahss gestalteten das Quintett in dynamisch breit gefächertem und farbenreichem Spiel. Es war nicht zu übersehen und zu überhören, dass sie sich mit ebenso freudiger wie energischer Spiellust und -motivation einbrachten und dafür vom Publikum applausfreudig honoriert wurden. Elisabeth Aumiller