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Derby-Sieger Labbadia duldet keine Träume

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Hertha BSC gegen 1. FC Union Berlin
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In zwei Spielen nach der Coronavirus-Pause hat Labbadia ein intelligent agierendes Bundesliga-Team geformt. Foto: Stuart Franklin/Getty Images Europe/Pool/dpa Foto: dpa

Diese Wandlung hätte der Hertha niemand zugetraut. Bruno Labbadia macht aus dem großen Fettnapf-Kandidaten ein Gewinner-Team. Nach dem Derby-Sieg gegen Union muss der Trainer die Verbal-Bremse einbauen. Der Blick auf die Bundesliga-Tabelle bietet ungeahnte Möglichkeiten.


Berlin (dpa) - Nach dem rauschenden Derby-Sieg saß Bruno Labbadia noch mit den Hertha-Bossen bis in die Nacht auf dem Olympiagelände zusammen und genoss - im gebotenen Corona-Abstand versteht sich - den süßen Moment des Augenblicks.

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Schon am nächsten Morgen war jeder Müßiggang bei den Berlinern wieder tabu. Stattdessen präzisierte der neue Hertha-Trainer seine Warnung im nach dem 4:0 gegen den 1. FC Union scheinbar schon bestandenen Bundesliga-Abstiegskampf.

»Die 40 Punkte sollte man haben. Das wäre klasse, wenn wir die schaffen«, sagte Labbadia bei einer virtuellen Pressekonferenz des Berliner Fußball-Bundesligisten. Hertha BSC hat nach dem 4:0 gegen den Lokalrivalen nach 27 Spielen 34 Zähler. »So demütig sind wir. Wir wissen, dass die sechs Punkte wichtig waren«, sagte Labbadia nach dem zweiten Sieg nacheinander. »Wir sind auf der Hut. Wir müssen einiges machen, dass wir klar da raus sind.«

Bereits am kommenden Mittwoch (18.30 Uhr/Sky) tritt die Hertha beim Spitzenclub RB Leipzig zur nächsten Liga-Prüfung an. »Das Entscheidende ist, wir haben vorgelegt«, sagte Labbadia.

Der La-Ola-Jubel der Hertha-Spieler vor der leeren Osttribüne hatte am Abend zuvor einen Hauch von Stolz und Trotz gehabt. Auch bei Labbadia blieb die Sehnsucht nach den eigenen Fans als einziger Makel hängen. Für die wundersame Wandlung vom Fettnapf-Kandidaten zum zielstrebigen Gewinner-Team hatte er eine einfache Erklärung: Harte Arbeit in der Zeit, als an Fußball nicht zu denken war. In der Corona-Pause sei mit Analysen der Grundstein gelegt worden.

Überrascht zeigte sich Labbadia nach dem für ihn perfekt verlaufenen Derby-Abend allerdings über die steile Lernkurve. »Es war nicht zu erwarten, dass wir schon so weit sind, dass wir die Geduld aufzeigen und so überzeugend den Ballbesitz-Fußball zeigen. Das war super.«

Zum sportlichen Aufschwung passt, dass Finanzchef Ingo Schiller bei der virtuellen Mitgliederversammlung am Sonntag wirtschaftlich solide Zahlen präsentieren kann. Einen operativen Gewinn wird es wegen der Corona-Pandemie nicht geben. Aber das Eigenkapital ist zum Jahresende 2019 von 12,6 Millionen Euro auf 182,5 Millionen Euro gestiegen. Der Hertha-Konzern verfügte auch dank der Zahlungen von Investor Lars Windhorst über liquide Mittel in Höhe von 109 Millionen Euro. Hertha BSC stehe in der Krise auf der »Chancenseite«, meinte Schiller.

Sportlich deuten sich für Labbadia auch ganz neue Möglichkeiten an. Nach dem Auftakt des 27. Spieltages war der Vorsprung auf den Relegationsrang 16 mehr als dreimal so groß wie der Rückstand auf einen möglichen Europacup-Startplatz. Mit dieser Thematik wird sich Labbadia angesichts der Berliner Reflexe in den kommenden Tagen beschäftigen müssen. Der 54-Jährige baute vor und redete sein Team noch in den Abstiegskampf hinein. Labbadia weiß natürlich, dass die nächsten Auswärtshürden in Leipzig und bei Borussia Dortmund in zwei Wochen andere Anforderungen bringen werden.

Die trübe November-Stimmung nach dem 0:1 im Hinspiel-Derby erscheint wie aus einer vergangenen Zeit. Wie weggeblasen sind die Turbulenzen der Klinsmann-Ära und der Video-Affäre um den Corona-Clip von Salomon Kalou. »Mit dem Fußball, den wir heute gespielt haben, haben wir die Leute für uns gewonnen«, meinte Labbadia. »Die Art und Weise wie wir die Tore gemacht haben, das hat echt Spaß gemacht.« Wie schön wäre die blau-weiße Party erst in einem vollen Olympiastadion gewesen?

Zum Spaßgaranten wurde wieder Vedad Ibisevic. Sein Führungstor gab Union einen moralischen Punch, an den Treffern von Dodi Lukebakio und Matheus Cunha war er beteiligt. Als Dedryck Boyata den Endstand markierte, genoss Ibisevic schon den Feierabend auf der Bank.

Labbadias Union-Kollege Urs Fischer musste sich spürbar sammeln, um das kollektive Versagen seiner Mannschaft begreifen zu können. Ein intensives Videostudium kündigte er an, um den Eisernen die Fehler aufzuzeigen. »Wir werden uns zusammensetzen, um gerade zu besprechen, was in der zweiten Halbzeit passiert ist«, sagte der Schweizer. Null Punkte und null Tore in zwei Spielen nach der Corona-Zwangspause lassen die Sorgen des Aufsteigers wachsen. Fast trotzig wies Fischer auf erreichte 30 Punkte hin: »Ich meine, unser Ziel können wir immer noch erreichen. Es gilt, alles dran zu setzen, dafür zu arbeiten.«

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