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Detailgetreue Porträts und leuchtstarke Gemälde

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Koloman Wagner ist in erster Linie Zeichner und beeindruckt mit überaus detailgetreuen Porträts und Stadtansichten, oder auch, wie hier, mit einem präzise eingegangenen Café-Interieur – entstanden im »Café Orphée« in Regensburg, wo er studiert.

Der junge Mann ist gerade mal 24 Jahre alt und hat bereits eine ganze Palette an Zeichnungen und fein ziselierten Ölgemälden vorzuweisen: Koloman Wagner heißt der in Saaldorf beheimatete, ambitionierte Künstler, der schon seit drei Jahren eine erfolgreiche Malschule in der Region betreibt und »nebenbei« in Regensburg Physik studiert. Eine Übersicht über seine künstlerische Entwicklung ab dem Jahr 2012 zeigt er derzeit in der »Kleinen Galerie« an der Salzburger Straße in Waging.


Koloman Wagner ist nicht nur ein begnadeter Zeichner und Maler, der wunderbare Motive zu Papier beziehungsweise auf die Leinwand bringt, sondern auch einer mit Leib und Seele. Wenn er anfängt zu erzählen, sprudelt es nur so aus ihm heraus. Schon als kleines Kind habe er viel gemalt – etwa »stylishe« Flugzeuge aus einem Quartettspiel. Mit zehn Jahren hat er Familienmitglieder mit einem Kalender beglückt, dessen Blätter mit schnieken Autos »verziert« waren.

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Wagners Bilder werden im Unterricht verwendet

In der Realschule Freilassing kam es so weit, dass sich Lehrer von ihm Bilder malen ließen, die teilweise dann auch im Unterricht verwendet wurden. Wenig erstaunlich war später, als er am Chiemgau-Gymnasium sein Abitur machte, dass die Abizeitung außergewöhnlich künstlerisch gestaltet war.

Bei alledem wäre es nun nicht völlig abwegig gewesen, Kunst zu studieren. Entsprechende Pläne aber hat der junge Künstler bald wieder aufgegeben. Die Aussicht auf einen Durchbruch schien Koloman Wagner dann doch zu gering – auch wenn dies aufgrund seiner außerordentlichen Begabung nicht völlig unmöglich erschienen wäre.

Technisch interessiert, wie er war, wählte Wagner stattdessen das Fach Physik – und »begann« das Studium damit, dass er den Studienbeginn sausen ließ. Vielmehr ging er für drei Monate nach Ecuador, machte dort ein Biologie-Praktikum und reiste viel. Wieder zu Hause wollte er die Zeit bis zum letztlich dann doch tatsächlich ins Auge gefassten Studienbeginn sinnvoll nutzen und kam auf Anregung seines Vaters dazu, eine Zeichenschule zu gründen.

Interessenten fanden sich genügend, sodass er mittlerweile in Saaldorf, in Traunstein und in Grabenstätt Zeichenunterricht gibt. Dazu kam noch ein regelmäßiger Nachmittagsunterricht in Kunst an der Grundschule Vachendorf – weil das Studium nicht so ganz ohne ist, unterrichtet er nur an Wochenenden und in den Semesterferien. 2014 kam dann der Anstoß für seine erste Ausstellung – und sie wurde gleich ein gewaltiger Erfolg.

Wagner ist Autodidakt, gefördert wurde er durch seine kunstsinnigen Eltern. Und bei einem Stipendium der Kunstakademie Bad Reichenhall machte er eine für ihn sehr wichtige Erfahrung: Durch den Aquarellmaler Erwin Kastner kam er zur Farbe. Was er in der einen Woche in Bad Reichenhall lernte, so Wagners Einschätzung, hätte er sich selbst so nicht beibringen können.

Ab dem Zeitpunkt kam mehr und mehr Farbe – zunächst eine, dann mehrere – ins Spiel, wobei allerdings die Detailtreue, die filigrane Wiedergabe der Natur, erhalten blieb. Aber die Bilder gewannen dadurch eine bisher ungekannte Strahlkraft, vor allem auch deshalb, weil es Wagner verstand, durch die Gegensätze von Hell und Dunkel faszinierende Wirkungen und eine fast greifbare Tiefe zu schaffen.

Irgendwann kam ihm das Thema Wald in den Kopf. Er wollte, so erzählt er, einmal einen abgeschlossenen Zyklus zu einem Thema machen. Dabei entstanden dann viele wunderschöne, großformatige Bilder, die er in seiner zweiten Ausstellung zeigte, wieder in Grabenstätt, weil er sich dort gut aufgenommen fühlte und viel Unterstützung erhielt.

Und jetzt folgt Ausstellung Nummer 3 in Waging – und wie immer ist der Künstler um neue Konzepte nicht verlegen: Er stellt diese vergleichsweise kleine Ausstellung in der »Kleinen Galerie« unter die Überschrift »Bilder, die für mich eine Bedeutung haben« und zeigt Werke aus jedem Jahr, seit er 2012 in größerem Umfang zu malen begonnen hat.

Stadtansichten in Perfektion

Da sind also seine wunderbaren Porträts berühmter Personen zu sehen, die er nicht nur mit großer Genauigkeit gemalt, sondern dabei auch noch versucht hat, ihren Charakter einzufangen. Und er zeigt seine Stadtansichten, in einer Detailversessenheit und Perfektion, dass man sie für Fotos halten könnte. Dabei betont Wagner, dass er durchaus auf Fotovorlagen zurückgreife, um skizzierte Bilder fertig zu malen. Und natürlich zeigt er auch Beispiele seiner »Wald«-Serie und rundet die Ausstellung mit einigen von seinen Zeichenschülern gemalten Bilder ab.

Die Ausstellung in der »Kleinen Galerie« in Waging ist bis Samstag täglich von 9 bis 12 Uhr und von bis Freitag täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Am Samstag ist der Künstler selbst anwesend. Hans Eder