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Deutscher Handball vor der Zerreißprobe

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Der deutsche Handball ist am Tiefpunkt angekommen. Foto: Jens Wolf Foto: dpa

Leipzig (dpa) - Deutschlands Ballsportart Nummer zwei steht vor einer Zerreißprobe. Während die Handballer nach dem bitteren WM-Aus ohne Bundestrainer führungslos sind, sucht die Handball Bundesliga (HBL) auf der Mitgliederversammlung am nächsten Donnerstag in Düsseldorf einen neuen Präsidenten.


Doch intern brodelt es. «Diese Positionen müssen mit Bedacht besetzt werden. Der deutsche Handball kann sich nicht mehr viele Fehlentscheidungen leisten», sagte HBL-Präsidiumsmitglied Christian Fitzek vom VfL Bad Schwartau.

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Für Zündstoff sorgt vor allem eine Personalie außerhalb von Verband und Liga: Thorsten Storm soll als Geschäftsführer zum deutschen Rekordmeister THW-Kiel zurückkehren, wie der Verein kürzlich verkündete. Der HBL-Präsidentschaftskandidat und einstige THW-Manager Uwe Schwenker sprach von einer «höchst unsensiblen Entscheidung des THW» und einem «Stich in den Rücken von Hunderttausenden von THW-Fans». Immerhin habe Storm beim Manipulationsprozess gegen ihn und den ehemaligen THW-Trainer Noka Serdarusic als Zeuge der Anklage «den THW mit Dreck beworfen». Storm selbst war für eine Stellungnahme zunächst nicht erreichbar.

Schwenker erfährt als möglicher Nachfolger seines Freundes Reiner Witte an der HBL-Spitze eine breite Unterstützung. «Kaum ein Handballfunktionär in Deutschland und Europa verfügt über derartige Erfahrungen. Ich weiß, dass er immer auch die 2. Liga im Blick hatte. Das erscheint mir in den nächsten Jahren genauso wichtig wie eine Neuausrichtung der Handball-Bundesliga», sagte Geschäftsführer Gerald Oberbeck vom Zweitligisten Eintracht Hildesheim.

Der Club gehört zu einer Gruppe von neun Vereinen. «Wir hatten den Eindruck, dass in der HBL einiges sortiert werden muss», meinte Geschäftsführer Axel Geerken von der MT Melsungen. Bei der Gesamtkonstellation «Storm contra Schwenker» ist eine gedeihliche Zusammenarbeit des norddeutschen Vorzeigevereins THW Kiel mit der HBL schwer denkbar. Selbst der Deutsche Handballbund (DHB) muss an seinem Tiefpunkt um die Unterstützung der Liga bangen. Bob Hanning gab am Mittwoch in einer Kolumne auf seiner Homepage zu, dass «es für einige ein Dorn im Auge ist, dass ich die Position des Vize-Präsidenten Leistungssport innehabe.»

Die nach außen getragene Hilflosigkeit des DHB in der Bundestrainerfrage passt ins Bild dieser krisengeschüttelten Sportart, die derzeit nur über den Erfolg der Bundesliga-Vereine definiert wird. Doch selbst dort ist die Spaltung enorm. «Ich bin angetreten mit dem Glauben an eine Vereinigung von 38 Bundesligisten. Mittlerweile hat sich dies als Illusion erwiesen», sagte der 109-fache Nationalspieler Fitzek. Die Bundesliga sei gespalten in Champions-League-Teilnehmer und den Rest sowie die 2. Liga, die sich aufteilt in Aufstiegsaspiranten und Vereine, die um ihre Existenz kämpfen. «Innerhalb dieser Gruppen kämpft jeder für sich», meinte Fitzek im vereinseigenen Pressedienst und betonte: «Solange es diese Ignoranz den Problemen der anderen gegenüber gibt, ist es egal wie der Präsident heißt.»

Der ehemalige Nationalspieler und heutige TV-Experte Stefan Kretzschmar bezeichnet die Situation des Handballs als «grauenvoll. Unsere Sportart verliert gerade jegliche Daseinsberechtigung in den großen Medien», meinte Kretzschmar in der «Sportbild» (Mittwoch). Obwohl der ehemalige Linksaußen Hannings Wahl ins DHB-Präsidium unterstützte, hagelt es auch Kritik an dessen Arbeit: «Er hat ein ganz, ganz großes Problem mit der goldenen Generation. Die muss man doch einbinden. Es ist auch unfassbar, wie man mit Heiner Brand umgeht. Das sind reine Animositäten von Hanning, weil er nicht über seinen Schatten springen kann.»

Kolumne Hanning