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DFB-Junioren droht EM-Aus - Sieg gegen Spanien Pflicht

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Lewis Holtby kann es nicht fassen, das Spiel endete mit der Niederlage. Foto: Roland Weihrauch Foto: dpa

Tel Aviv (dpa) - Die erste Enttäuschung über das drohende EM-Aus war schnell verflogen, der Ernst der Lage aber erkannt. Kapitän Lewis Holtby konnte sich in der schwülen Sommerhitze von Petach Tikva nach Mitternacht ein Spiel zwischen Himmel und Hölle kaum erklären.


«Fußball-Deutschland kann stolz darauf sein, mit welcher Leidenschaft wir das in der zweiten Halbzeit angegangen sind und welcher Qualität. Da bekomme ich Gänsehaut. Jetzt müssen wir die Köpfe freikriegen. Wir geben nicht auf», sagte der Kapitän der deutschen U 21-Fußballer nach dem unglücklichen 2:3 (0:2) gegen Mitfavorit Niederlande. Bei einer weiteren Pleite gegen Spanien am Sonntag wären die Titelträume allerdings dahin.

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Trainer Rainer Adrion wollte zunächst gar nicht glauben, was er da zwischen der 1. und 90. Minute von seiner ambitionierten Elf gesehen hat. Erst von den erstklassig besetzten «Jong Oranjes» an die Wand gespielt, dann das Spiel mit einer tollen Leistung gedreht, ehe in der Schlussminute nach einer Unkonzentriertheit das Schicksal durch den Siegtreffer von Leroy Fer besiegelt war.

«Das ist natürlich bitter, wenn man dieses Erfolgserlebnis nicht hat. Die Mannschaft hat nach der Pause ihr wahres Gesicht gezeigt», sagte der Coach. Daraus müsse man die Lehren ziehen: «Die 'Jetzt-erst-recht-Stimmung' war schnell zu spüren.»

Allerdings stimmte den Trainer die erste Halbzeit auch sehr nachdenklich. Gegen die mit vielen A-Nationalspielern angetreten Niederländer hätte es auch gut und gerne drei oder vier Gegentreffer bis zur Pause geben können. Die Zielvorgabe EM Titel habe bei vielen der jungen Profis zu einem Leistungsdruck geführt. «Wir haben ja auch unerfahrene Spieler dabei, die nicht international spielen. Von daher beeindruckt den einen oder anderen Spieler dieses Ereignis schon. Das alles hat zu einer Lähmung geführt. Keiner war frei», meinte Adrion.

Nach den beiden Gegentreffern durch Adam Maher (24.) und Gerginio Wijnaldum (38.) korrigierte der Coach seine Personalentscheidung und brachte für den schwachen Peniel Mlapa den agileren Kevin Volland und später noch Christian Clemens und Sebastian Polter für die Offensive. «Da hat man dann gesehen, was wir spielerisch drauf haben», sagte Gladbachs Flügelflitzer Patrick Herrmann. «Die zweite Halbzeit gibt Zuversicht, die Mannschaft hat gezeigt, dass sie lebt», sagte Adrion.

Sebastian Rudy (47./Foulelfmeter) und Holtby (81.) schafften zwar den umjubelten Ausgleich, doch am Ende stand das Team mit leeren Händen da. «Was dann in der Nachspielzeit passiert ist, ist wohl das Schlimmste am Fußball», meinte Verteidiger Tony Jantschke.

«Es geht jetzt am Sonntag um alles. Da muss jeder Spieler alles geben», meinte Rudy. «Das Spiel gegen Spanien ist ein Highlight. Wir sind doch für diese Erfahrung dankbar, dass wir auf so einer Bühne spielen dürfen», sagte Kapitän Holtby. «Jetzt müssen wir gegen Spanien etwas holen», forderte Torhüter Bernd Leno, der zwar einen höheren Rückstand verhinderte, aber auch schwächere Szenen hatte. Für Adrion kein Grund, den Schlussmann zu wechseln. «Gegen Spanien wird es im Tor keine Änderung geben», erklärte der Coach.