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DFB-Team auf Kurs - Löw: Müssen uns steigern

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Die DFB-Elf hat Österreich mit 2:1 besiegt. Foto: Roland Schlager Foto: dpa

Wien (dpa) - Nach der heißen Nacht im Prater verkündete Joachim Löw mit klaren Worten seinen Plan. Trotz der makellosen Bilanz von sechs Qualifikations-Punkten stehen alle Kandidaten für die WM 2014 in Brasilien in den kommenden Wochen unter besonderer Beobachtung.


Nur wer sich bis zu den nächsten Partien gegen die schärfsten WM-Rivalen Irland und Schweden in Bundesliga wie Champions League auf allerhöchstem Niveau beweist, kann weiter mit dem Wohlwollen des Bundestrainers rechnen - so lautete die Botschaft nach dem mühevollen wie glücklichen 2:1 in Österreich.

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«Das hängt von der Leistung ab, die die Spieler in den nächsten Wochen zeigen. Natürlich wird man weitere Spieler beobachten. Wir haben uns jetzt nicht auf diesen Kader festgelegt. Wir haben mehrere Spieler im Fokus», sagte Löw nach dem Sieg der deutschen Fußball- Nationalmannschaft im ewig brisanten Prestigeduell gegen den leidenschaftlich kämpfenden kleinen Nachbarn.

Gleichzeitig legte Löw die Messlatte hoch - konkrete Personal- Alternativen gerade für die Schwachstellen in Abwehr und Angriff nannte er aber nicht. «Durchschnittlich zu spielen in der Bundesliga reicht nicht. Es müssen schon Klassespieler sein, weil wir eben auch den Anspruch haben, richtig top zu sein, auch international gesehen. Da reichen durchschnittliche Leistungen in solchen Spielen nicht unbedingt aus», befand Löw, der seit dem schmerzhaften EM-Aus noch keine Länderspiel-Novizen in seine Auswahl integriert hat.

Der achte Sieg in Serie gegen die mit Herz, aber ohne Fortune agierenden Österreicher und der zwölfte Qualifikationssieg nacheinander lassen Löw im Zwiespalt der Gefühle zurück. Erleichtert ob des Sieges und angespannt angesichts der harten Arbeit erklärte er ungewöhnlich lapidar: «Letztendlich zählen für mich die drei Punkte.» Die Gruppe C führt die DFB-Auswahl vor den Duellen in Irland und gegen Schweden mit weißer Weste an. «Es ist mir lieber, wir gewinnen so 2:1, als wir machen zehn Übersteiger und verlieren 1:2», beschrieb Thomas Müller die Gefühlslage.

Die Augen verschließen konnte der Bundestrainer vor manch Defiziten in Defensive und Umsetzung der hehren Spielphilosophie aber nicht. «In einigen Bereichen werden wir uns steigern müssen, klar», gestand der 52-Jährige. Wie ein Mantra hatte Löw vor dem Spiel Pressing gepredigt. In Wien drückten die Österreicher aggressiver nach vorn. Die Umsetzung der neuesten Löwschen Spielidee kann noch dauern. «Da müssen wir einige Monate dran arbeiten, bis wir in der Lage sind, ein ganzes Spiel druckvoll nach vorne zu spielen. Unsere Spieler müssen das in den nächsten Monaten besser lernen und besser beherrschen», forderte Löw.

Problemzone Nummer eins bleiben die Außenverteidiger. Der Wechsel von Philipp Lahm auf die rechte Seite ist bei ungewöhnlichen Zweikampf- und Konzentrationsmängeln des Kapitäns verpufft. Noch gravierender ist die Situation auf links. Marcel Schmelzer konnte nach auskurierter Fußprellung den Ansprüchen bei weitem nicht genügen. Löws Dilemma: Er hat keine Alternative zum Dortmunder. «Deswegen wird man weiter mit Marcel Schmelzer arbeiten und hoffen, dass er sich weiterentwickelt auf diesem internationalen Niveau.»

Das Gegentor durch den Bremer Zlatko Junuzovic (57. Minute) kreidete Löw Schmelzer direkt an: «Da darf er diesen Fehler nicht begehen.» Der Dortmunder wollte nicht konkret auf seine persönlichen Defizite eingehen. «Das war bestimmt nicht unser bestes Spiel», sagte er. Die DFB-Elf geriet vor 47 000 Zuschauern im Ernst-Happel-Stadion nochmal ins Taumeln, nachdem der zur Halbzeit wegen einer Fußverletzung ausgewechselte Marco Reus (44.) und Mesut Özil (52./Foulelfmeter) schon für eine beruhigende Führung gesorgt hatten. «Wir haben eine Einladung an die Österreicher geschickt. Normalerweise geht das in die Hose», sagte Torwart Manuel Neuer.

Grund für Panikreaktionen besteht für Löw nicht. Vielleicht war das Duell in Wien angesichts der enormen rot-weiß-roten Motivation gegen Deutschland sogar schon das schwerste Spiel auf dem Weg nach Südamerika in knapp zwei Jahren. Der Bundestrainer beschwört einen langen Weg bis zur WM-Endrunde und wird beruhigend zur Kenntnis nehmen, dass sich andere Titel-Jäger zum frühen Zeitpunkt der Ausscheidungsrunde schwerer tun. Die Übermacht Spanien mühte sich zu einem 1:0 in Georgien. Italien (2:2 in Bulgarien) und England (1:1 gegen die Ukraine) haben gar schon Punkte liegen lassen. Das ist dem DFB-Team immerhin nicht passiert.