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DFB-Team im WM-Halbfinale hoch gehandelt

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Joachim Löw macht seine Spieler heiß auf das Halbfinale gegen Brasilien. Foto: Shawn Thew Foto: dpa

Belo Horizonte (dpa) - Der Glaube an das WM-Endspiel wächst. Fußball-Deutschland geht mit großer Zuversicht in das Halbfinale um 22.00 Uhr MESZ gegen Gastgeber Brasilien. Diverse Experten wähnen das Team von Bundestrainer Joachim Löw auf gutem Weg zum ersten WM-Titel seit 24 Jahren.


«Für Brasilien ist der Druck einfach zu groß. Ich sehe Parallelen zu unserem WM-Gewinn 1990», sagte Franz Beckenbauer der «Bild». Ähnlich wie der damalige Teamchef des Weltmeisters urteilte Berti Vogts, der die DFB-Elf 1996 zum EM-Titel geführt hatte: «Noch nie seit 1990 war die Chance auf den Titel größer.»

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Bei aller Freude über die hohe Wertschätzung in der Heimat sprach der Bundestrainer jedoch der Seleção die Favoritenrolle zu. «Brasilien spielt mit 200 Millionen Menschen im Rücken. Für uns ist es eine ganz besonders große Herausforderung, gegen den Gastgeber zu spielen», erklärte Löw im Anschluss an das Abschlusstraining seiner Mannschaft am Montagabend im Spielort Belo Horizonte. Auf dem Weg ins achte WM-Finale müsse sein Team die schwere Aufgabe mit viel Herz und Selbstvertrauen bestehen. «Wichtig ist, dass die Spieler konzentriert und mutig ihre Dinge erfüllen», betonte der Bundestrainer.

Erst zum zweiten Mal in der WM-Historie treffen Brasilien und die DFB-Auswahl aufeinander, im Endspiel 2002 siegte der Rekordweltmeister 2:0. Der andere Finalist wird am Mittwoch (22.00 Uhr MESZ) im Duell zwischen Argentinien und den Niederländern ermittelt.

«Holland, Argentinien, Deutschland und Brasilien, das sind schon die großen Nationen mit den ganz bekannten Spielern. Ich glaube, für das Weltinteresse ist das die beste Konstellation», befand Löw. «Eines steht fest: Wir wollen unbedingt noch mal in Rio im Maracanã-Stadion spielen. Am 13. Juli. Wir sind noch nicht fertig», sagte Löw mit Blick auf das Finale am Sonntag.

Der Bundestrainer setzt im Kampf um den Endspiel-Einzug auch auf einen konsequenten Schiedsrichter. Der DFB-Chefcoach erwartet, dass der mexikanische Referee Marco Rodríguez eine ähnliche Härte wie im Viertelfinale zwischen Brasilien und Kolumbien nicht dulden wird. «Ich habe bei diesem Spiel gesehen, dass der Einsatz über die Grenzen hinaus betrieben wurde. In Europa wäre dieses Spiel nicht mit 22 Spielern beendet worden», sagte Löw. Brasilien hatte in der Partie 31 Mal gefoult, Kolumbien 23 Mal. Nach einem brutalen Einsteigen des Kolumbianers Juan Zúñiga war die WM für Brasiliens Superstar Neymar beendet.

So sehr die Fußball-Nation Brasilien und auch die deutschen Protagonisten den Ausfall von Neymar bedauern - Löw erwartet keineswegs einen schlechteren Gegner. «Man sollte jetzt auch nicht denken, dass der Ausfall von Neymar und Thiago Silva ein Nachteil für Brasilien sein wird», erklärte der 54-Jährige. Brasiliens Kapitän Thiago Silva muss wegen einer Gelb-Sperre zuschauen.

Löw konnte beim Abschlusstraining im über 60 000 Zuschauer fassenden Estadio Mineirao bis auf den verletzten Shkodran Mustafi seinen kompletten Kader versammeln. «Es sind alle Spieler einsatzfähig», erklärte der Bundestrainer. Wenn man die eigenen Möglichkeiten abrufen könne, «sind unsere Chancen nicht gerade klein».

Wie schon in den vorangegangenen fünf WM-Begegnungen setzt Löw große Hoffnungen auf seine «Spezialkräfte» von der Bank. «Wie in den anderen Spielen auch, werden wir nicht nur elf, sondern 14 Spieler brauchen», sagte Löw, der den eigenen Matchplan forcieren will. «Wir wollen uns nicht nach dem Gegner richten. Wir wollen nicht irgendwelche Dinge machen, die wir sonst nicht machen.»

Der Respekt vor seiner Mannschaft ist im Turnierverlauf stetig gestiegen. Nach Einschätzung von Michael Ballack hat der WM-Dritte von 2010 aufgrund seiner Geschlossenheit gute Chancen auf den Titel. «Alle anderen Halbfinalisten haben sich bisher auf brillante Individualisten wie Neymar, Lionel Messi und Arjen Robben verlassen, aber die Deutschen sind ein echtes Team», schrieb der ehemalige Kapitän der DFB-Auswahl in der englischen Tageszeitung «Times».

Ähnlich sieht es der ehemalige argentinische Weltmeister Diego Maradona: «Auch wenn Brasilien großen Fußball spielt, sind die Deutschen besser aufgestellt. Deutschland ist nicht unbedingt Favorit, aber es hat den besseren Ansatz und natürlich eine Kondition, die wir so während der gesamten Weltmeisterschaft noch nicht gesehen haben.»

Stadion Belo Horizonte

Spielbilanz gegen Brasilien

Fakten zum Spiel

Interview bei DFB-TV