Die Ache trat übers Ufer, überschwemmte Marktschellenberg: Aufräumarbeiten laufen

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Margit Hillebrand vom Café Margit denkt an die Wiedereröffnung.

Marktschellenberg – »Schlag auf Schlag ist die Ache über das Ufer getreten.« Tobias Huber steht mit seinem 82 Jahre alten Vater Theo vor dem Haus − links der Hundsbrücke. Theo Huber deutet auf zwei Waschmaschinen. »Wir wollten sie noch in Sicherheit bringen«, sagt er. »Keine Chance!« Die Ache sei ganz plötzlich übers Ufer getreten. »Es hatte schon aufgehört zu regnen«, sagt Tobias Huber, »als eine Flutwelle Keller und Garage unter Wasser gesetzt hat.« »Die Lage hat sich prompt zugespitzt«, bestätigt Bürgermeister Michael Ernst. Nun wird aufgeräumt.


Michael Ernst war am Samstagabend vor Ort in der Einsatzzentrale im Feuerwehrhaus. »Von der Scheff­au aus ist ein Alarm eingegangen.« Die Feuerwehr rückte aus auf die Halleiner Seite. Wenig später versperrten geflutete Straßen die Zufahrt zurück zum Feuerwehrhaus.

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Ortskern unter Wasser

Indes aber hatte sich die Lage im Ortskern zugespitzt. »Die Salzburger Straße stand unter Wasser«, beschreibt Michael Ernst. »Hüfthoch!« Die Anwohner wurden evakuiert. Sie kamen im Pfarrsaal unter. Es rückte die benachbarte Wehr aus Grödig an. Viele Einsätze gingen ein.

Nach etwa zwei Stunden habe sich die Lage allmählich entspannt. »Der Pegel der Ache ist gesunken.« Die Zufahrt zum Ortskern war wieder frei. Die Nacht auf Sonntag unterstützten die Kollegen aus Grödig und Anif, Piding und Ainring die heimische Feuerwehr.

Es gab genug zu tun. Mit voller Wucht drang die Flut in die Garage, den Keller des Huber-Hauses. »In letzter Sekunde habe ich das Auto aus der Garage gefahren«, sagt Tobias Huber. »Dann haben wir uns selbst in Sicherheit gebracht.« Der Wohnbereich des Hauses liegt im ersten Stock. »Da ist nichts passiert.« Doch im Keller lief der Heizungstank aus.

Da hatte Nachbar Bruno Pfnür mehr Glück. Ihm gehört die alte Schreinerei am Kurgarten. Den Hof, die Werkstatt, das Erdgeschoß überflutete das Wasser. Der 83-Jährige, den die Mieter aus den Schlaf gerissen haben, als die Ache über das Ufer trat, ist heilfroh, dass der einst unterirdische Heiztank jetzt in der Werkstatt steht. »Der Tank ist nicht ausgelaufen.« In die vermieteten Wohnungen im Erdgeschoß drang Wasser, wie in die Wohnung vom Haus nebenan von Christina Dornbusch. »Gott sei Dank habe ich meine Katzen in Sicherheit gebracht«, sagt sie. »Ich muss nach ihnen sehen.« Die Frau ist immer noch aufgeregt.

Christina Dornbusch ist in einem Ferienappartement untergekommen. Den Schlamm hat sie zwar mit den Vermietern Janette Honert und Mike Schirmer aus der Wohnung geschaufelt. Trotzdem: Alles ist noch feucht und dreckig. Janette Honert und sie schrubben wieder den Boden. Christina Dornbusch gibt den Schrubber aus der Hand. Sie macht sich auf den Weg zu den Katzen. Der Katzenbaum trocknet in der Sonne.

Tapferes Lächeln

Janette Honert legt den Schrubber beiseite. »Wie wir den Dreck hinaus bekommen, wissen wir im Leben nicht.« Sie hilft Mike Schirmer im Garten. Er schaufelt den Schlamm weg. Janette Honert und Mike Schirmer wohnen im Sauerland, haben vor nicht allzu langer Zeit das Haus gekauft, vermieten nun drei Wohnungen. Gerade sind sie in der Ramsau und machen Urlaub. »Den Sommerurlaub haben wir uns anders vorgestellt«, sagt Mike Schirmer. Janette Honert holt Luft. Das Haus hat es getroffen. Der Schaden ist groß. »Andere Objekte sind schlimmer dran.« Sie lächelt tapfer – schaufelt.

Margit Hillebrand vom Café Margit im Ortskern neben dem Rathaus schaufelt auch, schrubbt, räumt, macht und tut. Sie lächelt. »Seit Corona haut mich nichts mehr um«, sagt sie. Seit zweieinhalb Jahren ist die junge Konditormeisterin Pächterin des Cafés. Abgeben ist keine Option für Margit Hillebrand.

Das Café, die Verkaufstheke sind zu Schaden gekommen. »Die Rührmaschine in der Backstube funktioniert.« Und sogar die Kuchen für das Tagesgeschäft am Sonntag sind heil geblieben. »Ich verteile sie an die Feuerwehr. Aus den Früchten in der Kühlung koche ich Marmelade ein.« Sie ist voller Tatendrang. »Das Café wird länger geschlossen bleiben«, ist sie realistisch. Doch so bald wie möglich möchte sie wieder öffnen. Sie lächelt. »Ich habe so lange gekämpft, jetzt halte ich die Ohren steif.«

Margit Hillebrand kann sich glücklich schätzen. Das Café ist elementarversichert. Ein Besuch eines Gutachtes ist angekündigt. »Ich rechne mit Schadensersatz.« Die junge Konditorin ist optimistisch. Sie nimmt den Schrubber, setzt die Arbeit fort.

Mit Blick voraus kündigt Michael Ernst an, dass die Almbachklamm in wenigen Tagen wieder öffne. »Die Flut hat das Geländer verbogen. Das richten die Mitarbeiter vom Bauhof und Nikolaus Rußegger und die Mitarbeiter her.« Gerade arbeiten sie im Kurgarten, stellen die Wege wieder her. Die Mitarbeiter vom Bauhof reinigen Asphalt und Pflaster.

Alle helfen zusammen. »Ich bin beeindruckt«, sagt Michael Ernst. So zieht er etwas Positives aus dem Unglück.

Lisa Schuhegger