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»Die Auszeit produktiv genützt«

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Konzertmeister Frank Stadler hofft, dass der Musikbetrieb bald wieder aufgenommen werden kann. (Archivfoto: Aumiller)

Der gebürtige Traunsteiner Frank Stadler ist Konzertmeister des Mozarteumorchesters in Salzburg und Leiter des Stadler Quartetts. Unsere freie Mitarbeiterin Elisabeth Aumiller hat mit Frank Stadler gesprochen.


Herr Stadler, alle namhaften großen Klassik-Festivals in diesem Sommer sind abgesagt, aber es steht nun fest, dass die Salzburger Festspiele im August in reduzierter Form stattfinden werden. Wie stehen Sie dazu? Kann überhaupt ein Orchester spielen? Wird das Mozarteumorchester eingebunden sein?

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Stadler: Es ist klar, dass die Festspiele zur 100-Jahr-Feier stattfinden möchten, mit immerhin 90 Aufführungen anstelle der geplanten 200. Es wird eine Mischform sein aus Kammermusik und reduzierter Orchesterbesetzung. Das bedeutet nicht, dass kleinere Ensembles qualitativ schlechter sein werden. Ich bin noch nicht informiert, ob das Mozarteumorchester überhaupt spielt, gehe aber davon aus, weil es doch für die Mozartmatineen immer eine prominente Rolle innehat, aber in welcher Größe ist fraglich. Das steht noch nicht fest. Es wurden Untersuchungen gemacht bezüglich des Aerosolausstoßes bei den Bläsern, die Abstände müssen entsprechend eingehalten werden, das Publikum wird geschützt sein und die Musiker spielen in eigener Verantwortung.

Kann bereits wieder geprobt werden?

Wir proben derzeit Quartett- und Quintett-Formate für draußen, die wir im Freien mit großem Abstand etwa für Altersheime bringen können. Wir wollen spielen, aber es finden noch keine Orchesterproben statt.

Wie sind die Aussichten für Sie persönlich?

Ich könnte einen Monat lang nur Kammermusik spielen. Ich habe sehr viel geübt in dieser Zeit und bastle gerade an meinem zweiten Weinberg-Festival, das wieder im Dezember stattfinden soll. Da geht es überwiegend um Kammermusik, die voraussichtlich durchführbar sein wird. Bis dahin wird sich noch viel tun, sodass wir auf jeden Fall jetzt bereits planen und uns vorbereiten müssen. Auch ein Beethoven-Programm ist zusammen mit der Stiftung Mozarteum in Planung. Momentan nehme ich gerade ein Triple-Konzert auf in der Fassung für drei Musiker für eine Videoproduktion der Oper in Kapstadt. Ich bin zu 50 Prozent Freelancer und konnte die Zeit produktiv nützen. Die großen Probleme haben aber natürlich die Orchester, die Oper und die Chöre.

Das Landestheater hofft auf volle Öffnung des Spielbetriebs nach der Sommerpause. Wird das Orchester dann in dem beengten Graben spielen können, wie sehen Sie das?

Dort wird man fieberhaft nach Lösungen suchen und verschiedene Versionen in Erwägung ziehen, vielleicht das Orchester auf der Bühne platzieren. Aber was im Herbst genau möglich sein wird, wissen wir alle noch nicht.

Das Gastspiel des City of Birmingham Symphony Orchestra Ihrer Partnerin Mirga Gražinyte-Tyla muss bei den Festspielen ausfallen?

Ja keine Frage, das wäre für Juli geplant gewesen, hat also keine Chance und die anderen Länder sind ja auch dicht. Das Gastspiel wird hoffentlich auf den nächsten Sommer verschoben. Wir haben seit zwei Jahren unseren gemeinsamen festen Wohnsitz in Salzburg und im Normalfall verbringen wir einige Wochen im Jahr in England. Momentan ist Salzburg unser Zentrum.

Sie sprachen von Ihrer Videoproduktion für Kapstadt. Welche musikalische Wertigkeit geben sie den derzeit sich häufenden Musiker-Auftritten im Internet?

Man will etwas machen, will zeigen, dass man noch präsent ist, aber es macht auch Spaß und viele Leute schauen es auf YouTube an, aber es ist kein Ersatz für ein Live-Konzert.

Was nehmen Sie persönlich aus der Krise mit, wie stellen Sie sich die Zeit »danach« vor?

Das ist eine schwere Frage und schwer zu sagen. Sicher wird es auf verschiedenen Seiten einen Niederschlag und so manche Veränderungen geben, aber ich glaube, dass viele Leute diese Entschleunigung auch genießen. Es ist nur eben die Schere, wenn der Kühlschrank leer ist und nichts mehr nachkommen kann, dass man Überlegungen anstellt, was zu tun ist. Viele fragen sich, ob die Maßnahmen in Relation stehen, aber vom Gesundheitsstandpunkt ist es eine große zivilisatorische Leistung, die notwendig ist. Die Freiberufler sind am schlechtesten dran und viele von ihnen würden jetzt gerne im Orchester verankert sein, aber schließlich weiß man gar nicht, wie lange die Orchester noch bezahlt werden. Deshalb sind wir alle dafür, dass es bald weitergeht. Wir sind aber nicht kopflos und sehen ein, dass alles seine Berechtigung hat.