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Die beiden Jesuskinder von Altenhohenau

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Christkindlmuseumsgründerin und Kunsthandwerkerin Rosi Bauer vor ihrer Sonderschau über die Altenhohenauer Jesuskinder (Foto: Hans Gärtner)

Dem, von Rosi Bauer ins Leben gerufenen, ersten Christkindlmuseum Deutschlands soll immer wieder die ihm gebührende Aufmerksamkeit geschenkt werden; ist es doch keineswegs nur eine Sache für die Weihnachtszeit. Die Gestalt des Christkindes ist eine »Ganzjahres-Institution« des katholischen Volksglaubens.


Rosi Bauer, Sammlerin und Kunsthandwerkerin, suchte und fand einen aktuellen Anlass für ihre kleine Sonderausstellung über die beiden Jesuskinder des Klosters Altenhohenau (bei Wasserburg am Inn): Die vier dort noch lebenden und wirkenden Dominikanerinnen der Kongregation der Königin des Heiligen Rosenkranzes verabschieden sich am 29. Juni mit einem nachmittäglichen Festgottesdienst und einer Abendandacht. Sie gehen nach Kalifornien.

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Ihre beiden Schätze, die das Kloster zu einer einst blühenden Wallfahrtsstätte machten, bleiben vorerst in Altenhohenau: das Gnadenkindl, das dem Salzburger Loreto-Kind ähnelt und vermutlich aus Palästina stammt sowie das so genannte Columba-Kindl. Dabei handelt es sich um eine etwa 50 Zentimeter hohe hölzerne Jesuskindfigur, die eine blaue Weintraube in der linken Hand hält, von der eine Beere dem Betrachter gereicht wird.

Dieses Kindl, für das es Gewänder und niedliches Schuhwerk gibt, um immer wieder neu bekleidet zu werden, wurde durch die bis vor kurzem gezeigte Freisinger Diözesanmuseums-Schau »Seelenkinder« weit bekannt. Es ist nach der über ein halbes Jahrhundert in Altenhohenau lebenden Mystikerin Columba Weigl (1713 - 1783) benannt, die es als ihren »Haushalter« hoch verehrte und durch das sie zu ekstatischen Meditationen angeregt wurde.

In einem zimmerhohen Eck-Schaukasten hat Museumsgründerin Rosi Bauer Bilder und Figuren der Altenhohenauer Jesuskinder sowie Ausstattungsgegenstände des Columba-Kindls kombiniert. Einige Leihgaben stammen von den nur mehr wenige Tage in Altenhohenau weilenden Schwestern, darunter eine Columba-Kindl-Replik mit zugehörigem Mantel und einem Paar Schuhe aus rosa Seide, eine Votivtafel mit der Nonne Columba Weigl vor dem Altenhohenauer Gnadenbild (bekrönter Jesusknabe mit Kreuzstab in der Hand) und Andachtsbildchen. Den engen, themenbezogenen Rahmen erweiterte Rosi Bauer um einige Schabmadonnen, Votivgaben und Devotionalien. Besucher können sich über die Altenhohenauer Jesuskind-Gnadenbilder informieren, um womöglich einen Rundgang durch das Museum anzuschließen, das auf viele weitere Jesuskindwallfahrten hinweist und in einer »Himmelswerkstatt« die Herstellung sogenannter Klosterarbeiten nachvollziehen lässt.

Die Sonderausstellung »Altenhohenau« im Siegsdorfer Christkindlmuseum (Altes Feilhaus, Hauptstr. 1, Telefon 08662/13316) ist voraussichtlich bis 31. Juli täglich außer Montag von 10 bis 18 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Werden Gruppenführungen gewünscht, ist eine telefonische Anmeldung nötig. Hans Gärtner