weather-image
22°
Eisspeedway: Positive Bilanz des WM-Finales in Inzell trotz russischer Dominanz – Junge Generation lässt hoffen

»Die brauchen auch das ganze Jahr nicht zu arbeiten«

Spannende Rennen, gute Zuschauerkulisse und kaum Unfälle: Sowohl die Fans als auch die Organisatoren konnten mit dem Finale der Eisspeedway-Weltmeisterschaft in Inzell sehr zufrieden sein. Denn in der Max-Aicher-Arena stand wirklich erst nach dem letzten Lauf der WM-Serie (Grand Prix) fest, dass Dimitri Khomisewitsch (Russland) der neue Weltmeister ist (wir berichteten).

Der neue – und vielleicht auch der künftige – Weltmeister zusammen auf einem Bild mit ihrem Tuner Klaus Lausch (Mitte): Dimitri Khomisewitsch (links) sicherte sich in Inzell nach hartem Kampf den WM-Titel 2016. Der Schwede Ove Ledström (rechts) absolvierte eine enorm starke erste WM-Saison und könnte in einigen Jahren eventuell die russischen Stars attackieren.

Eine positive Bilanz verbuchte die ausrichtende DMV-Landesgruppe Südbayern mit Sitz in Inzell: Rund 500 Zuschauer waren zum WM-Training gekommen, 5000 zum Grand Prix IX und 4900 tags darauf zum Grand Prix X – macht insgesamt 10 400. »Das ist sehr erfreulich«, so der Pressereferent der Landesgruppe, Manfred Peter.

Anzeige

Greenkeeper als passender Beruf

Dass die russischen Fahrer – bis auf einige »Ausreißer« – nicht zu schlagen sein würden, war klar. »Der Abstand wird immer größer, aber die brauchen ja auch das ganze Jahr nicht zu arbeiten«, so der stärkste deutsche Pilot, Günther Bauer (Schleching), im Hinblick auf die Konkurrenz durch die Vollprofis. Bauer selbst – der mit seinem Ergebnis sehr zufrieden war – ist seit gestern wieder als Greenkeeper auf dem Golfplatz in Reit im Winkl aktiv. Dieser Beruf passt gut zu seinem Sport, denn so hat er im Winter genügend Zeit für Trainingslager und Rennen.

Dagegen kamen Stefan Pletschacher (MSC Ruhpolding) und Franz Mayerbüchler (Inzell) erst kurz vor dem WM-Training in die Arena. »Ich habe vorhin noch den Schulbus gefahren«, so der Ruhpoldinger. Und Mayerbüchler war bei einer CAD-Programm-Schulung. Der gelernte Zerspanungsmechaniker ist schon seit gut zwei Jahren in der Konstruktions- und Programmierabteilung seines Arbeitgebers in Übersee aktiv, und da gehören Fortbildungen dazu.

Eine »Fortbildung« sportlicher Art war für die Nachwuchsfahrer wie Luca Bauer (Reit im Winkl) und Ove Ledström (Schweden) auch die WM-Teilnahme. Der 17-jährige Bauer bestritt in Inzell sein erstes komplettes WM-Rennen – und litt dabei noch an den Nachwirkungen seines Sturzes gut eine Woche zuvor in Assen (Niederlande).

»Vor allem am zweiten GP-Tag in Inzell hat er seine angeknacksten Rippen brutal gespürt«, berichtet sei Vater Günther Bauer. Ein solcher Sturz sei nicht so leicht wegzustecken. Zudem war Luca Bauers Motorrad komplett zerstört. »Da haben wir drei Tage lang immer bis in die Nacht daran gearbeitet, und der Aufwand hat sich gelohnt«, freut sich der 44-Jährige. Schließlich sei es ein großartiges Erlebnis für Luca gewesen, vor so einer Kulisse zu fahren.

Luca Bauer gehört zu den Hoffnungen für die Zukunft, von denen Ove Ledström (Schweden) bereits einen großen Schritt nach vorn geschafft hat. Er war bei der kompletten WM dabei – und wurde auf Anhieb Achter der Gesamtwertung.

Gefördert wird er von seinem Landsmann Per-Olof Serenius, der 2002 – als bislang letzter Nicht-Russe – den WM-Titel geholt hatte. Der 68-Jährige war mit seinem Schützling ebenso zufrieden wie Tuner Klaus Lausch (Edling): »Das ist super, was der mit seinen 18 Jahren schon bietet.«

Wieder ein Titelgewinn für Klaus Lausch

Hervorragend war es freilich auch, was der Star unter Lauschs Schützlingen bot: Dimitri Khomisewitsch holte sich den Titel. »Es war zwar dramatisch, aber er hat das stark gemacht«, lobt Lausch, der damit seinen »vierten oder fünften« Einzeltitel als Tuner bei der Eisspeedway-WM holte – insgesamt (mit Sandbahnrennen und Speedway) war es sogar schon der 16. Titelgewinn.

So hat er den derzeitigen Weltmeister unter seinen Fittichen, aber in Ledström möglicherweise auch den künftigen. »Das ist schon erfreulich, was die jungen Piloten bieten. In Schweden sind neben Ove noch Niklas Svensson und Daniel Henderson stark, in Österreich ist es Manfred Seifter, und hier könnte es mit Luca Bauer etwas werden«, hofft er, dass dann »ein WM-Titel für die Europäer möglich ist – oder zumindest einer regelmäßig einen Teil der Russen besiegen kann.«

Das würde die WM spannender machen und das Interesse an der Sportart erhöhen. Und das wäre im Sinne aller Beteiligten. who