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Die Causa Yvonne Pferrer

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Berchtesgaden: Die Causa Yvonne Pferrer  | Königssee
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Für spektakuläre Bilder an den Gumpen riskieren viele Menschen ihr Leben. Dieses Foto entstand im Jahr 2019. (Foto: Nationalpark Berchtesgaden)

Berchtesgaden – Eine Influencerin hat am Wochenende für Trubel im südlichen Landkreis gesorgt: Die 25-jährige Yvonne Pferrer aus Köln hat am Donnerstagabend zunächst Fotos und ein Drohnenvideo gepostet, die an den Gumpen am Königsbach-Wasserfall entstanden sind. Später hat sie den Weg dorthin beschrieben. Über diese Aktion war der Nationalpark Berchtesgaden wenig erfreut. Mehrmals forderten die Verantwortlichen Yvonne Pferrer auf, den Post zu löschen – vergeblich.


Die Geschichte rund um Influencer, die die Gumpen im Nationalpark am Königssee für spektakuläre Fotos und Videos nutzen, ist nicht neu. Wer auf der Videoplattform »Youtube« die Schlagworte »Königssee Wasserfall« eingibt, dem werden zahlreiche Videos angezeigt. Sie werden mit »Naturpool Guide Berchtesgaden«, »Wir haben diesen krassen Pool gefunden« oder »Deutschlands schönster Ort« betitelt und sind teilweise schon mehrere Jahre alt. Manche dieser Videos wurden mehr als 300 000-mal geklickt. Die Gumpen sind dementsprechend populär geworden. Was früher ein Tipp unter Einheimischen war, kann heute nahezu von jedem erreicht werden, denn exakte Videowegbeschreibungen sind längst nicht mehr nur auf Youtube zu finden, sondern werden gerne in den Storys auf Instagram gepostet. So hat es auch Yvonne Pferrer gemacht. Allerdings hat die 25-Jährige 1,2 Millionen Abonnenten und dementsprechend viel Einfluss. Die Wahrscheinlichkeit, dass einige ihrer Fans den »Natural Pool« ebenfalls besuchen wollen, ist hoch.

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Gefahren werden ignoriert

Der Weg dorthin ist gefährlich und mit Absicht nicht ausgeschildert. Die Flächen rund um den Wasserfall sind durch die zahlreichen Besucher stark geschädigt. Die Verantwortlichen des Nationalparks haben sich deshalb direkt an die Influencerin gewendet. Sie haben ihr E-Mails geschrieben und in der nationalparkeigenen Insta-Story einen Post verfasst, der sich direkt an Yvonne Pferrer richtete. Darin forderten die Verantwortlichen Pferrer auf, über die Auswirkungen ihres Handelns nachzudenken und ihre Fotos und Videos zu löschen. Nur wenig später veröffentlichte der Nationalpark auf seiner Instagram-Seite einen Post, der sich an alle Influencer richtet. Darin weisen die Verantwortlichen auf die Gefahren und Verbote hin: Im Nationalpark darf nicht kampiert werden, auch Feuer machen ist nicht erlaubt. Verboten sind auch Aufnahmen mit der Drohne ohne Erlaubnis.

Keine Strafe für Pferrer

Strafbar ist das Verhalten von Yvonne Pferrer nicht, verantworten muss sich wahrscheinlich nur die Begleitperson, die die Aufnahme mit der Drohne gemacht hat. Gerhard Richter, Pressesprecher des Landratsamts Berchtesgadener Land, bestätigte, dass die Angelegenheit am 5. Juni der Unteren Naturschutzbehörde gemeldet wurde. Derzeit ermittelt die Polizeiinspektion Berchtesgaden, die auch die Anhörung durchführt. Sobald die Ermittlungen abgeschlossen sind, wird die Polizeiinspektion das Ergebnis der Unteren Naturschutzbehörde mitteilen. Diese wird den Erlass eines Bußgeldbescheides prüfen. Wer eine Drohne oder ein anderes Fluggerät unzulässig betreibt, startet oder landet, muss mit einem Bußgeld von 50 bis zu 2 500 Euro rechnen. Wie lange das Verfahren und die Ermittlungen andauern werden, lässt sich derzeit noch nicht abschätzen.

Zuspruch anderer Nutzer

Der Nationalpark hat viel Zuspruch für die Aktion erhalten, doch es gab auch Kritik: Durch die Posts habe das Foto von Pferrer noch mehr Aufmerksamkeit erhalten. Die Kritik ist nicht unbegründet, der Nationalpark hat zahlreiche Anfragen von Zeitungen und Fernsehsendern erhalten. Die Geschichte wurde oft aufgegriffen. Yvonne Pferrer hat das Foto nicht gelöscht, sie hat stattdessen am Sonntag ein weiteres Bild gepostet, das sie im Bikini an der Gumpe zeigt. Viele Kommentare unter diesen Posts unterstützen den Nationalpark, die Menschen fordern Pferrer auf, das Bild zu löschen. Andere Nutzer werfen ihr vor, verantwortungslos zu sein und für ein paar Klicks auch die Zerstörung der Natur in Kauf zu nehmen.

Kontakt mit dem Nationalpark

Das Problem einfach aussitzen konnte Pferrer dann aber doch nicht, sie nahm am Dienstag schließlich Kontakt zum Nationalpark auf. »Wir haben kurz mit ihr telefoniert«, sagt Carolin Scheiter, Leiterin der Stabsstelle Kommunikation im Nationalpark. Pferrer hat den Post nun angepasst und die Wegbeschreibung entfernt. Zu lesen ist nun: »Nachdem wir diesen wunderschönen und einzigartigen Ort besucht haben, hat der Nationalpark Berchtesgaden mit uns das offene Gespräch gesucht, um auf folgende Problematik aufmerksam zu machen: Der Ort stellt zu große Gefahren dar. Müll und Trampelpfade greifen negativ ins Ökosystem ein. Der Nationalpark möchte also nicht, dass noch mehr Menschen hierherkommen! Uns ist die offene Kommunikation wichtig und wie immer möchten wir euch auch diese Info weiter geben, um damit die Natur zu schützen.«

Pferrer war nur für einen Abstecher im Berchtesgadener Land, unter dem Hashtag »#vantour« reist sie derzeit durch Deutschland. Ein aktuelles Bild zeigt eine Drohnenaufnahme. Sie ist am Eibsee nahe der Zugspitze entstanden. Lena Klein