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»Die Doppelbelastung war zu viel«

Berchtesgaden - Liegen geblieben sei nichts in der Verwaltung der Watzmann Therme. Das versichert Tourismusdirektor Michael Grießer, bislang auch Geschäftsführer der Watzmann Therme GmbH, im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«. Dennoch räumt der Bischofswieser ein, dass ihm die Doppelbelastung eigentlich zu viel war. Und er sieht hinsichtlich des Einnahmeeinbruchs bei der Therme keine Versäumnisse bei der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee (TRBK).

»Die Doppelbelastung war zu groß«, sagt Tourismusdirektor Michael Grießer, der bald seinen Posten als Geschäftsfsührer der Watzmann Therme abgibt. Foto: Anzeiger/Kastner

Herr Grießer, auf der Versammlung des Tourismusvereins Berchtesgaden am Donnerstag gab es teils heftige Vorwürfe gegen Sie und die Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee wegen der Entwicklung in der Watzmann Therme. Wären Sie bei der Versammlung gerne dabei gewesen?

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Michael Grießer: Ich wäre gerne dabei gewesen, habe von der Versammlung aber leider erst sehr spät erfahren. Ich habe vor der Versammlung noch mit dem Vorsitzenden Werner Sliwa telefoniert und darum gebeten, dass er mich künftig auf die Einladungsliste setzt.

Warum sind denn die negativen Entwicklungen rund um die Watzmann Therme erst so spät bekannt gemacht worden?

Grießer: Erstmals ist ja schon in der Verbandsversammlung Ende 2011 darüber berichtet worden, dass die Besucherzahlen zurückgehen. Das war nach der Eröffnung des Familienbads Rupertustherme. Da gab es massive Einbrüche. Im Jahr 2010 hatte man bereits einen leichten Verlust erwirtschaftet, wobei dies durch eine Sonderausgabe geschehen ist. Ansonsten hätten wir die Pacht erwirtschaftet und ein normales Ergebnis eingefahren. Wir hatten ja damals auch noch Rücklagen, insofern war das im Jahr 2010 noch gar kein Problem. Bis Mitte 2011 wäre es auch noch kein Problem gewesen. Aber zur Eröffnung der Rupertustherme kam dann noch das schöne Wetter bis Dezember. 2012 hatten wir in den ersten drei Monaten zwar noch ein leichtes Minus von zehn Prozent, aber immer noch über 800 Gäste durchschnittlich. Als dann bis Mai ein relativer Einbruch kam, hat man zuerst noch abgewartet. Denn normalerweise haben wir Mitte des Jahres immer noch sehr gute Zahlen geschrieben. Das war halt 2012 leider nicht der Fall. Bis wir dann das offizielle Ergebnis der Buchhaltung hatten, war es Ende September. Und auf einer Sitzung im November kam dann alles zur Sprache.

Also gab es nach dem massiven Einbruch im Herbst 2011 noch keinen Anlass, aktiv zu werden?

Grießer: Das kann man so nicht sagen. Der Geschäftsführer der Watzmann Therme erstellt ja einen Jahresbericht. Und darin steht seit dem Jahresbericht 2009, der im Jahr 2010 erstellt wurde, dass man nach der Eröffnung des Familienbads in Bad Reichenhall werde froh sein müssen, wenn man in der Watzmann Therme die Betriebskosten noch erwirtschaften kann.

Man hat die Gefahr also schon frühzeitig erkannt. Konnte man aber nicht handeln?

Grießer: Ja, wir waren uns der Gefahr bewusst. Und wir haben sogar gehandelt. Wir haben die Werbungskosten erhöht und uns 2011 und 2012 auf unsere Kernkundschaft, also die Familien, konzentriert. Wir haben einen kompletten Marketingmix gemacht, dazu gehörten beispielsweise auch Poolpartys, die 15-Jahr-Feier mit verschiedenen Aktionen. Die Werbung ist also noch verstärkt worden.

Die mit dem Marketing beauftragte Prokuristin fiel ja krankheitsbedingt schon seit einiger Zeit aus und ist dann komplett ausgeschieden. Auch vor diesem Hintergrund wurde in den letzten Tagen der Vorwurf laut, ob Sie als Tourismusdirektor, der nebenbei noch für die Geschäftsführung der Watzmann Therme verantwortlich ist, mit dieser Aufgabe nicht überfordert waren.

Grießer: Das hat man ja jetzt gesehen. Nach dem Weggang der Prokuristin ist die Verwaltung in der Watzmann Therme freilich personell aufgestockt worden. Und ich habe mein Stundenkontingent in der Therme ebenfalls erhöht. Aber man hat definitiv gesehen, dass diese Doppelbelastung für mich zu viel war. Ich will zwar nicht sagen, dass etwas vernachlässigt wurde. Aber die physische und psychische Belastung über einen so langen Zeitraum war nicht gut. Da merkt man schon, wie man mit der Zeit ausbrennt und nicht mehr agieren, sondern nur noch reagieren kann. Deshalb ist auch die Entscheidung getroffen worden, dass man für die Watzmann Therme einen eigenen Geschäftsführer einstellt und ich mich zu 100 Prozent auf die Aufgabe des Tourismusdirektors konzentrieren kann.

Von Verbandsseite hieß es, dass der TRBK durch die Einstellung eines eigenen Geschäftsführers keine höheren Kosten entstehen als dies bislang der Fall war. Da stößt es auf Unverständnis, dass Sie Ihre Bezüge als Geschäftsführer der Watzmann Therme angeblich weiterhin bekommen sollen.

Grießer: Nein, das stimmt nicht. Die Bezüge, die ich als Geschäftsführer der Watzmann Therme bekomme, werden eingestellt, sobald der neue Geschäftsführer im Amt ist.

Was könnte denn ein neuer Geschäftsführer im Betrieb der Watzmann Therme verändern?

Grießer: Wenn er mehr Zeit aufwenden kann für strategische Dinge, dann kann er vielleicht das eine oder andere noch anschieben. Vielleicht sind auch hausintern Umstrukturierungen möglich. Wobei wir die Verbrauchskosten auch bislang schon möglichst reduziert haben.

Unter den Einsparungen sollte halt die Qualität nicht leiden. Vielen ist beispielsweise die Wassertemperatur zu niedrig.

Grießer: Die Temperaturen sind in den letzten Jahren immer gleich geblieben - wir haben weder erhöht noch gesenkt. Im Erlebnisbecken liegt sie bei rund 30 Grad, bei 28 Grad im Schwimmerbecken, je nach Jahreszeit bei 32 oder 33 Grad im Solebecken und bei gut 30 Grad im Kinderbecken. Die Raumtemperatur liegt mit 32 Grad am oberen Limit.

Gibt es Ihrer Ansicht nach Schuldige für die derzeitige Situation oder sind alles nicht beeinflussbare Entwicklungen?

Grießer: Als Schuldige kann man die nennen, die im Umkreis von 50 Kilometern 13 Bäder neu gebaut oder massiv erweitert haben. Man muss sich einmal ansehen, was in den letzten Jahren an Mitbewerbern gewachsen ist.

Also keine Versäumnisse bei der TRBK?

Grießer: Man kann immer sagen, dass man hätte investieren müssen. Aber man muss sich mal das Kosten-Nutzen-Verhältnis anschauen. Es ist die Frage, ob man eine Millioneninvestition über die Badegäste wieder hereinbringt. Immerhin befinden wir uns bei der Wirtschaftlichkeit der Therme immer noch auf einem Niveau, auf dem viele andere Bäder gerne wären. Und dabei reden wir ausschließlich von den Betriebskosten, der Kapitaldienst ist hier nicht drin.

Wo wird die Watzmann Therme in fünf Jahren stehen?

Grießer: Wenn man sich gut etabliert und die Familien werblich gut bedient, dann muss es Ziel sein, die Betriebskosten weiterhin zu erwirtschaften. Wenn es sehr gut läuft, wird man vielleicht auch noch kleine Rücklagen bilden können. Von einer Pachtzahlung will ich aber nicht sprechen. Es wird jedenfalls kein leichtes Unterfangen werden. Ulli Kastner