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Die D(r)amen hinter dem Spielfeldrand

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Christine Eixenberger war als Spielerfrau im NUTS voll in ihrem Element. (Foto: Mergenthal)

»I bin de Christine – und i bin Spielerfrau«, stellt der sympathische Blondschopf auf der Bühne fest. Und betont eifrig, dass in ihrer Welt noch alles in Ordnung ist. Ihr »Schatzi« ist drei Mal in der Woche beim Fußball-Training als Mittelfeldspieler in der Bezirksliga gut aufgehoben. Jeden Samstag ist ein Spiel, und danach geht’s zum Wirt. Je nachdem, wie das Spiel ausgeht, fällt der Rausch aus. Ein berechenbares Leben ohne böse Überraschungen – was will Frau mehr?


Bevor die neue kabarettistische Nahkampfwaffe vom Schliersee auf der Bühne im NUTS so richtig loslegt, hat sie zielsicher im Publikum einen AH-Fußballer ausgemacht. Dass sie mit erst 27 Jahren bereits eine waschechte »Rampensau« ist, verdankt die Grundschullehrerin einem »harmlosen Treffen« mit ihren Freund und Mentor Tobias Öller, der zugleich ihr Texter ist. Es ging um ein kurzes Einsingen für die eine oder andere Rolle des Musicals »Artifex Maximus« (2008). Seither arbeiten die beiden kabarettistisch zusammen, ob im Duett »Überstunden« oder neuerdings im Trio bei »Drei Kritische« und in der Kabarett-Radio-Show »Radio Rustikal«.

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Mit ihrem ersten Soloprogramm »Ballkontakt« gibt die wohltuend natürliche Eixenberger mit ihrer »gfotzaden Goschn«, wie sie ihre verbale Schlagkraft selber auf ihrer Internetseite bezeichnet, einen Einblick in die Dramen und die Damen hinter dem Spielfeldrand, in den stetigen Auf- und Abstiegskampf beim weiblichen Anhang der Herrenmannschaft des TSV Pappenzell. Die Schlierseerin weiß, wovon sie redet, sind doch fast alle Männer ihres sozialen Umfelds Fußballer.

Da ist zum Beispiel die »erfrischend bodenständige« Geli, »a Trampe von ana Kinderpflegerin«, die beim Saufen so richtig ordinär wird. Doch seit ihr Mann Fußballkarriere gemacht hat, ist alles anders: Sie nennt sich nun »Angie« und hat als Fast-C-Promi einen seltsamen Sprachfehler: Immer wieder schnappt ihre Stimme giecksend über beziehungsweise weg. »Der Toni hat seinen Körper an den FCB verpachtet und die Angie ihr Hirn an die Bekleidungsindustrie«, setzt Eixenberger eins drauf. Nur wenn sie besoffen ist, bricht die alte Geli durch. Die Annemarie, die ihren Erzieherinnen-Tonfall verinnerlicht hat, verrät ihr Geheimrezept, um sanft, leise und bestimmt dem Testosteron-Höhenflug ihres Spieler-Mannes den Wind aus den Segeln zu nehmen: »Ich sage zu meinem Mann immer: Deine Triebe setzen mich unter Druck. Das verletzt meine Gefühle.«

Und dann ist da noch die Moni, die seit sie zwölf ist immer einen Freund gehabt hat und die fast mit der ganzen Mannschaft geschlafen hat. Doch plötzlich sind alle Männer vergeben und sie landet auf der Reservebank. Die Moni sucht ihr Heil im Internet, kein männliches Facebook-Profil ist vor ihr sicher, bis ihr ihre Freundin Christine ins Gewissen redet, mit ihren 23 Jahren müsse sie sich nun endlich selber finden. Was Christine nicht geahnt hat: Nun schnappt die Moni komplett über, rennt in Kutten herum, grüßt nur noch mit gefalteten Händen und »Namaste«, hat beim letzten Vollmond ihre ganzen alten Kleider wegen der schlechten Energien darin verbrannt und kann drum nicht mehr mit den Freundinnen, die sie zurück ins Leben holen wollen, in die Disko mitgehen.

Christine hat es in der Damenriege nicht leicht, weil sie als einzige nicht über ihr Schatzi jammern kann. Drum stellt sie die Stacheln auf, wenn daheim zu viel Harmonie einzukehren droht und ihr Mann mit ihr gar ins Theater gehen will: Als glückliche Spielerfrau ist sie ja sozial isoliert!

Am Ende ist es die Moni, die mit heimlichen Ritualen nach dem Training auf einer Lichtung im Wald den TSV Pappenstiel vor dem drohenden Abstieg bewahrt. Auf köstliche Weise und mit stets erfrischend sprudelndem Redefluss gelingt es Eixenberger, skurrile Szenerien entstehen zu lassen und virtuos von einer Rolle in die nächste zu schlüpfen. Den Rahmen im zweiten Teil bildet die Moderation eines Spiels durch eine Spielerfrau im Kampfdress, mit einer Brezenstange als Mikrofon. Auch die Moni kann es nicht verhindern, dass die Männer eines Tages zu spielen aufhören.

Drei Monate später liegt Christines Schatzi mit der Fernbedienung auf dem Sofa und lässt sich von ihr das zunehmend runde »Bauchi kraulen«. So geht es nicht mehr weiter, beschließen die Spielerfrauen, und jagen selber dem runden Leder hinterher, um in ihren Männern das alte Feuer zu entfachen. Als Zugabe gibt Eixenberger einen Einblick in ihr neues Soloprogramm »Lernbelästigung« rund um die Dramen des Bildungswesens. Damit ist sie am 24. Mai im Freiraum in Übersee zu erleben. Veronika Mergenthal