Die Elite künftiger Dirigenten

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Die drei Finalisten (von links) Luis Toro Araya, Jonas Ehrler und Joel Sandelson. (Foto: Festspiele)

Im kommenden Festspielsommer wird erneut der »Young Conductors Award« vergeben, nachdem 2020 keine Möglichkeit dazu war. Er trägt ab jetzt den Namen »Herbert von Karajan Young Conductors Award« und ist eine Initiative der Salzburger Festspiele in Zusammenarbeit mit dem »Eliette und Herbert von Karajan Institut«.

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Die Umbenennung ist eine Hommage an die Ära Karajan. 2010 war der Award erstmals ausgeschrieben worden. Daraus sind seither junge, begabte Dirigenten hervorgegangen, die sich inzwischen einen klingenden Namen gemacht haben. Im Pressegespräch stellte das Direktorium der Festspiele die drei Finalisten vor, die sich aus 220 Anwärtern und nach einer Auswahlrunde von acht Mitstreitern schließlich für das Finale qualifiziert haben. Nach einem Probentag mit dem Mozarteumorchester und dem »oenm« traf die Jury unter dem Vorsitz von Manfred Honeck diese letzte Entscheidung.

Im YCA Concert Weekend am 7., 8. und 9. August werden der Schweizer Jonas Ehrler, der Chilene Luis Toro Araya und der Brite Joel Sandelson in einem jeweils einstündigen Programm ihrer Wahl um den Award und das Preisgeld von 15 000 Euro kämpfen. Jeder hat dann zehn Stunden Probenzeit, um unter anderem ein neues Musikwerk und eine Mozart-Konzertarie mit einem Teilnehmer des Young Singers Projects zu erarbeiten. Der Sieger erhält zudem die Möglichkeit, bei den Festspielen 2022 ein internationales Orchester zu dirigieren. Das Preisträgerkonzert wird aufgezeichnet und erscheint als CD in der Edition »Salzburger Festspieldokumente«.

Dieser Bewerb sei eine der wichtigsten und entscheidendsten Unternehmungen, indem er die Möglichkeit einer Startrampe impliziere, sagte Intendant Markus Hinterhäuser. Auch für jene, die nicht ins Finale kommen, sei er enorm wichtig, weil sie hier die Möglichkeit haben, mit einem Orchester zu arbeiten. Für die ehemaligen Preisträger der letzten Jahre war dieser Gewinn der Absprung in eine internationale Karriere, so zum Beispiel die Litauerin Mirga Gražinyte-Tyla, Preisträgerin 2012 und mittlerweile Musikdirektorin des City of Birmingham Symphony Orchestra, die 2021 die Festspiele eröffnet, oder der Schweizer Lorenzo Viotti, Preisträger 2015, Chefdirigent des Gulbenkian Orchestra Lissabon.

»Die Dirigenten, mit denen wir aufgewachsen sind, nähern sich altersmäßig einem absehbaren Ende und sie waren Teil einer Industrie. Künftig müssen wir andere Kriterien finden. Wie gestalten wir die Zukunft mit den Dirigenten?« ist somit für Hinterhäuser eine zentrale Überlegung. Herzensangelegenheit für den Intendanten sind außerdem der »Mortier Award« für Musiktheater und der Förderpreis »Mortier Next Generation«, die ins Leben gerufen wurden, um das Vermächtnis des 2014 verstorbenen Intendanten Gerard Mortier, der 10 Jahre die Festspielgeschicke lenkte, für die Gegenwart und die Zukunft des Musiktheaters lebendig zu halten.

Heinz Weyringer und Albrecht Thiemann haben 2014 den Award gegründet. Er wird an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die Erneuerung der Oper bemühen. Erster Preisträger war Mortier selbst und zweiter Preisträger Markus Hinterhäuser. Mit aller Berechtigung müsse man fragen, was sind Festspiele, was erzählen sie uns, wie politisch sind sie als sozial-kulturelles Phänomen, was ist Oper heute, gab Hinterhäuser zu bedenken. Gerard Mortier habe als inspirierender Intendant viel dazu beigetragen. Anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums unterstützen die Salzburger Festspiele und der »Freunde-Verein« die »Mortier Awards«.

In einem Festakt am 17. August wird der Universalgelehrte Alexander Kluge mit dem Mortier Award ausgezeichnet und den mit 30 000 Euro dotierten Förderpreis erhält die Musiktheater-Regisseurin Ulrike Schwab. Im anschließenden Roundtable diskutieren Asmik Grigorian, Ulrike Schwab und Franz Welser-Möst mit Intendant Markus Hinterhäuser unter der Leitung von Markus Thiel über zeitgenössische Perspektiven. Die Jury der »Mortier Awards« setzte sich zusammen aus Heinz Weyringer, Albrecht Thiemann, Serge Dorny, künftiger Intendant der Bayerischen Staatsoper, und Markus Hinterhäuser.

Elisabeth Aumiller

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