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Die Ausstellung »Künstlerlandschaft Chiemgau – Kunst im Chiemgau« in Prien gedenkt heuer besonders des Künstlers Sigi Braun

»Die Entmaterialisierung der Dinge erlebbar gemacht«

Prien war und ist immer ein Zentrum kulturellen Lebens im Chiemgau, in dem sich Kunst auf vielfältige Art und Weise präsentiert. Viele zeitgenössische Künstlerinnen und Künstler leben und arbeiten in dieser Region.

»Corona« ist eines der Werke, die in der letzten Schaffensphase des langen Künstlerlebens von Sigi Braun entstanden sind. (Foto: Morgenroth)

Die Marktgemeinde und der Kulturförderverein Prien haben in den vergangenen Jahrzehnten mit ihrer Ausstellungsreihe »Künstlerlandschaft Chiemsee – Kunst im Chiemgau« in der Galerie im Alten Rathaus eine Plattform geschaffen, auf der Werke zeitgenössischer Kunstschaffender alljährlich gezeigt werden können. Die Galerie im Alten Rathaus ist ein Ort geworden, in dem bewegende Begegnungen mit der Kunst stattfinden. Die derzeitige Schau umfasst Werke von 58 Künstlerinnen und Künstlern. Die Auswahl der ausgestellten Werke ist weder zeitlich noch thematisch beschränkt. Unterschiede werden dabei betont, Gemeinsames bestritten.

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Ein herausragender Künstler wird im Rahmen dieser Ausstellung besonders geehrt: Sigi Braun. Zum 1. Todestag – Sigi Braun verstarb am 31. Juli letzten Jahres – werden dank Unterstützung von Helga Braun ausgewählte Beispiele seiner Arbeiten der letzten Lebensjahre im großen Raum im zweiten Stock gezeigt, die sein Freund, der Bildhauer Carsten Lewerentz gehängt hat. Das Oeuvre von Sigi Braun ist in sechs Dezennien von der gegenständlichen Bildwelt bis hin zu den »abstrakten« Werken gewachsen. Es umfasst Gemälde, Collagen, Mischtechniken, Materialbilder, Zeichnungen, Radierungen und Holzschnitte.

Wie kein anderer arbeitete Sigi Braun kontinuierlich und diszipliniert an verschiedenen Themen, die er bravourös in Malerei umsetzte. Im Mittelpunkt seines künstlerischen Schaffens stand die Malerei in Acryl. In Prien sind Arbeiten der letzten Jahre zu sehen, in denen, wie es scheint, der Schlüssel zu Sigi Brauns künstlerischer wie auch persönlicher Erfüllung lag, nämlich in einer Verbindung von Malerei und einer Art Kontemplation. Beide boten ihm die Möglichkeiten, die Entmaterialisierung der Dinge, das Aufgeben der Sinnenwelt in einer hellen Geistigkeit, erlebbar zu machen. Zu sehen sind einige Gemälde aus der Serie 14/86 – benannt nach Jahr und Alter des Künstlers. Ausdrucksstark sind »Der große Klang« oder »Corona«. Sigi Braun versuchte in seinen letzten Werken seine Malerei um räumliche Elemente zu bereichern, um Tiefe und eine fast dreidimensionale Wirkung zu erzielen.

Von Brauns Künstlerfreund Walter Angerer dem Jüngeren ist im ersten Stock »Gewalt am Meer« zu sehen. das Werk symbolisiert ein aktuelles Thema unserer Zeit. Hermann Wagners großformatiges Gemälde mit seinen nur teilweise aufgehellten Grün-Tönen stellt ein eindrucksvolles Beispiel seiner Landschaftsauffassung dar, die über die objektive Beobachtung hinaus zu einem eigenständigen, Geheimnis-durchdrungenen Bildraum führt. In den von Hannes Stellner modellierten Bildnissen »Uta« oder »Reglindis« beherrscht eine unverkennbare Melancholie die Gesichter, aber auch ein Zustand wie Statik, Distanz und Kontemplation wird vor Augen geführt.

Mit unterschiedlicher Dichte und Transparenz des Farbauftrages erzeugt Lenz Hamberger in seinen ausgestellten Holzschnitten »Pag/Dalmatien« eine inhaltsbetonte Struktur und kühne Ausdruckskraft. Durch die zart nuancierten blauen und braunen Farbtöne und die lichte Durchsichtigkeit erlangen Maximilian Schmetterers Aquarelle »Akropolis I und II trotz »Baugerüst« ihre ausgewogene Harmonie. Weitere ausdrucksstarke Arbeiten sind von den Künstlern Horst Beese, Renate Kohl, Traudl Koller, Wilhelm Thomas Regensburger und Gudrun Reubel aus der östlichen Chiemsee-Region zu sehen,

Die Ausstellung ist bis 10. September zu sehen und jeweils von Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Gabriele Morgenroth