weather-image
19°

Die »erfundenen« Weihnachtsgeschichten

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Von Simon Benedikt Faistenberger stammt das Werk »Anbetung der Könige« (1724). Es befindet sich im Besitz der Pfarrei Kitzbühel. (Foto: Kriechbaum)

Ist ja nicht nichts, wenn der liebe Gott höchstpersönlich geboren wird! Darüber will man mehr wissen, als die nicht gerade schwatzhaften Evangelisten (und von diesen Vieren gar nur Matthäus und Lukas) zur Sache notiert haben. Weil die Idee vom Mensch gewordenen Gott nun seit zweitausend Jahren das Christentum trägt, hat dieses Geburtsfest die Fantasie der Menschen seit je her angeregt.


Es wurde nicht wenig dazu erfunden. Womit war Maria beschäftigt, als der Engel ihr die »große Freude« verkündete? Mit Handarbeit? Mit Lesen? Im 8. Jahrhundert schon hat man ihr zugetraut, dass sie alphabetisiert war. In der Bibel steht’s nicht.

Anzeige

Von der Verkündigung bis zur Darstellung des Herrn sind religiöse Bilder angereichert worden um Motive, die so nicht in der Bibel stehen, bestenfalls in apokryphen (also nicht autorisierten) Evangelienberichten. Oder in mittelalterlichen Quellen wie der »Legenda aurea«, einer Fundgrube für ausschmückenden Geschichten. Auf diesen erzählerischen Mehrwert will man in der Schau »Alle Jahre wieder« im Salzburger DomQuartier hinweisen, die bis zum 5. Februar zu sehen ist.

Der Theologe Origines (185 bis 254) ist auf die Idee gekommen, zwei der vom Propheten Jesaia genannten Tiere – Ochs und Esel erkennen ihren Herrn bzw. die Futterkrippe – aufs Weihnachtsgeschehen zu beziehen. So kamen also in der Antike schon Ochs und Esel in die Geschichte. Kirchenkünstlern gerade im bayerisch-österreichischen Raum hat es nicht an Fabulierlust gemangelt. Hat man das vor Augen, findet man sich im Nordoratorium des Doms recht ernüchtert: Der Ideenüberschwang, das Vergnügen, ein wenig mehr zu erzählen – all das kommt einem sehr verhalten entgegen. Geradeheraus gesagt: Ein wenig mehr Hirnschmalz und eigene Schauerfahrung hätten die Gestalter der Schau schon investieren dürfen. Und Vitrinen brauchen nicht gar so verloren herumzustehen auf immerhin 400 Quadratmetern.

Ja schon, nett ist das kleine Bild (18. Jahrhundert), wo ein Salzburger Wirt das heilige Paar abweist. Fürwahr keine Salzburger Tourismuswerbung! Leicht könnte man ein Detail übersehen in einem Bild von der Flucht nach Ägypten: Da trottet die heilige Familie mit einem Engel als Eselsführer recht geruhsam ins Exil, aber im Hintergrund holt ein Engel mit einem Blitz aus und zerschmettert ein Götzenbild. In diese Richtung könnte eine solche Bildersammlung gehen, und sie müsste assoziativ gehängt sein, auf dass die Schaufreude von Bild zu Bild steige.

Weitere Informationen gibt es online unter www.domquartier.at. Reinhard Kriechbaum