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Die ersten Kühe sind im Tal

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Nur noch ein paar Minuten, dann ist der Bauernhof erreicht. (Fotos: B. Stanggassinger)

Ramsau – Der Almsommer neigt sich dem Ende zu. Der 24. August, der Bartholomäustag, war der Stichtag für die Sennleute: Dann fangen sie mit dem Fertigen des Kranzzeuges für den Almabtrieb an.


Der erste mit geschmückten Tieren war heuer Robert Keilhofer vom Bauernhof Wolfpeter in der Ramsau. Er brachte seine Kühe von der Kammerlingalm heim, mit elf Treibern.

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Geschmückt wird nur, wenn es den Sommer über keinen Unreim gab, das heißt, Mensch und Tier kein Unglück zugestoßen ist. Am Samstag sind viele Bauern mit ihren Tieren von den Hochalmen wieder auf die Niederalmen gefahren. Bauer Robert Keilhofer vom Bauernhof Wolfpeter hatte den ersten geschmückten Almabtrieb. Seine Kühe waren den Sommer über auf der Kammerlingalm.

Keilhofer will von seinen Milchkühen keine trocken stellen und die Weide auf den Almfeldern wird jetzt mager, so der Bauer. Aufgekranzt wurde auf der Kammerlingalm bei Tagesanbruch und um 6.45 Uhr bereits abmarschiert. Man wollte dem Busverkehr über die Hirschbichlstraße ausweichen, um gut und sicher in die Ramsau zu kommen.

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Daheim begrüßte Bäuerin Kathi (5. v. l.) die zufriedenen Treiber mit einem Schnapserl.

Insgesamt halfen elf Treiber, darunter die vier Kinder des Bauern, mit, um die Tiere zum Wolfpeter Hof an der alten Reichenhallerstraße zu bringen. Die Kühe trugen federkielbestickte Larven mit heiligen Bildern der Familienangehörigen der Familie Keilhofer. An denen wurden »Latschenboschen«, verziert mit Fuiklsternen und lange Schaberbandl befestigt.

Von der Kammerlingalm bis zum Wolfpeter benötigte man drei Stunden. »Ich bin neugierig, ob wir heute wieder ein Eis bekommen«, ließ eine Treiberin am Nationalparkhaus verlauten.

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Eine alte Badewanne mit frischem Wasser ist genau das Richtige nach so einem Marsch.

Gemeint ist der Eisstand von Franz Preinfalk am Hintersee. Viele Almabtriebe kommen an seinem Eisstand vorbei und jedem Treiber spendiert er eine Eiswaffel. Auch diesmal gab es die Erfrischung. »Dies war der erste Almabtrieb in diesem Jahr, die kaufen unterm Jahr auch immer Eis bei mir. Und beim Almabtrieb, wenn sie so prächtig geschmückt vorbeikommen, spendier ich eins«, lachte Preinfalk.

Ein schönes Bild bot sich, als die Viecher und die Treiber nach dem steilen Anstieg vom Hintersee hinunter zur Reichenhallerstraße gingen. Die Kühe durften auch mal vom Weg abweichen und über die Wiesen abseits der Straße gehen.

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Von der Kammerlingalm ging's vorbei am Nationalparkhaus zum Wolfpeter.

Vor dem Bauernhaus Wolfpeter wartete die Bäuerin Kathi mit einem Tablett Schnaps auf die Treiber. Diesen war die Freude darüber, dass alle Tiere gesund zu Hause angekommen sind, ins Gesicht geschrieben. Die Kühe kamen in eine saftige Wiese, in der schon eine Badewanne mit frischem Wasser aufgestellt war. »Ein Salzbraten ist schon im Ofen und dann gibt es Kaffee und Kuchen«, kündigte die Bäuerin an.

In zehn Tagen finden die nächsten Almabtriebe durch die Ramsau statt, wenn die Bauern von der Kallbrunn-alm ihre Tiere heimtreiben. Bernhard Stanggassinger

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