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»Die EU kann mir den Buckel runterrutschen«

Berchtesgaden - Die Bürgermeister der fünf Gemeinden des Talkessels halten nichts von den Plänen der EU, die Wasserversorgung zu privatisieren. Die damit verbundenen Gefahren wie beispielsweise eine Verschlechterung der Wasserqualität oder eine Steigerung der Preise seien nicht hinnehmbar.

Stets ein Quell guter Nachrichten ist der »Berchtesgadener Anzeiger«. Bestes Trinkwasser gibt es im Berchtesgadener Land. Damit das so bleibt, lehnen die Bürgermeister eine Privatisierung strikt ab. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Deutliche Worte zur angedachten Konzessionsvergabe bei der Wasserversorgung findet Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp: »Die EU kann mir den Buckel runterrutschen.« Nach aktuellem Sachstand hält er eine Privatisierung der Berchtesgadener Wasserversorgung für ausgeschlossen. »Daran denke ich nicht einmal«, betont der Rathauschef. Die Wasserversorgung läuft auf eigene Kostenrechnung über einen Betrieb der Marktgemeinde. Das Wasser kommt aus zwei Hauptquellen: der Wimbachquelle, aus der auch Teile Bischofswiesens versorgt werden, und der Scharitzkehlquelle.

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Für Bischofswiesens Bürgermeister Toni Altkofer ist die Sache ebenfalls so klar wie das Leitungswasser in seiner Gemeinde. »Die Liberalisierung des Wassermarktes sollte man sich sehr gut überlegen.« Altkofer warnt aber davor, die EU-Pläne zu unterschätzen. Die Befürchtungen der Bevölkerung könne er verstehen. Denn ob ein gewerblicher Betreiber die bisher hervorragende Wasserqualität und -quantität gewährleisten könne, wagt das Bischofswieser Gemeindeoberhaupt zu bezweifeln. »Denn ein Privater will schließlich Gewinn erzielen.«

Außerdem geht Altkofer davon aus, dass es bei einem Gewerbebetrieb Schwierigkeiten mit der Berücksichtigung von land- und forstwirtschaftlichen Schutzgebieten geben werde. Ein Konflikt zwischen Landratsamt, Wasserwirtschaftsamt und dem Unternehmen sei vorprogrammiert.

Die Gemeinde Bischofswiesen bezieht ihr Wasser aus so- genannten Wasserfassungen, in denen das Trinkwasser gesammelt wird. Solche Fassungen befinden sich auf der Hundsreit Richtung Loipl, auf dem Silberg, in Stab oberhalb des Oberaschauerers und in der Engedey Richtung Söldenköpfl. Alle Wasserfassungen sind miteinander verknüpft. Bei Bedarf, zum Beispiel bei Naturkatastrophen, kann umgeschaltet werden. »Als vor etwa zehn Jahren am Hallthurm Sole aus einer Leitung getreten ist, wurde die Großgmain ein Jahr lang mit einer Notleitung der deutschen Nachbarn versorgt«, erinnert sich Toni Altkofer.

Für Marktschellenbergs Bürgermeister Franz Halmich ist selbstverständlich, dass die Kommune das Sagen bei der Wasserversorgung hat. »Von einer zwangsweisen Privatisierung halte ich nichts«, betont er. »So etwas kann man nicht outsourcen. Denn beim Trinkwasser müssen Preis und Qualität einfach passen.« Die Wasserversorgung ist in Marktschellenberg ein Regiebetrieb, der regulär im Haushalt aufgeführt wird. »Er muss kostendeckend sein, wir dürfen keinen Gewinn machen«, erläutert der Rathauschef. Das Wasser kommt zu etwa 60 Prozent aus der Wimbachquelle. Der Rest stammt aus der Johannisquelle beim Schwimmbad.

Richtig stolz ist der Bürgermeister von Schönau am Königssee, Stefan Kurz, auf die Wasserqualität in seiner Gemeinde. Eine jährliche chemische Untersuchung würde die überragende Güte des Schönauer Wassers bestätigen. »So etwas gibt es in Europa kaum ein zweites Mal«, freut sich Kurz. Deswegen lehnt er eine Privatisierung strikt ab. Er gehe davon aus, dass die Wasserpreise nach einer kurzfristigen Senkung steigen würden, weil es keine Konkurrenz gebe. Die Gemeinde Schönau am Königssee bezieht ihr Wasser unter anderem aus der Hammerstielquelle am Grünstein und der Holzmühlquelle am Fuß des Brandkopfs. Christian Fischer