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Die faszinierende Geschichte einer außergewöhnlichen Frau

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Unser Bild zeigt die Hauptdarstellerin Anja Klawun als Päpstin und Johannes Schön als Ritter Gerold sowie einige Mitglieder des Ensembles. (Foto: Heel)

Eine Frau auf dem Papstthron? Undenkbar. Es sei denn, man folgt der amerikanischen Autorin Donna W. Cross, die genau das in ihrem 1996 erschienenen Roman »Die Päpstin« so spannend wie glaubwürdig beschrieben hat.


Ihre Heldin Johanna lebt im 9. Jahrhundert in Ingelheim am Rhein, in einer finsteren, von Gewalt und Unterdrückung bestimmten Zeit, in der die Kirche das Sagen hat und Frauen nichts zu melden haben. Doch Johanna, Tochter eines Dorfpriesters, der weibliche Bildung mit Teufelswerk gleichsetzt, findet sich damit nicht ab: »Gott hat uns den Verstand geschenkt, warum sollen wir ihn nicht nutzen?« Sie lernt heimlich lesen und schreiben, schafft es, eine Domschule besuchen zu dürfen, und findet in einem Ritter einen Freund und Beschützer. Allerdings sehr zum Unwillen der eifersüchtigen Gattin des Ritters, die Johanna in dessen Abwesenheit gerne zwangsverheiraten möchte.

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Doch ein Überfall räuberischer Normannen setzt alldem ein Ende und Johanna begreift, dass sie nur als Mann eine Chance hat, über ihr Schicksal selbst zu bestimmen. Also verkleidet sie sich als Mönch und sucht unter dem Namen ihres bei dem Überfall ermordeten Bruders als Johannes Angelicus im Kloster Fulda Zuflucht. Hier bildet sie sich zur Heilkundigen aus und landet Jahre später in Rom, wo sie zum Leibarzt des Papstes aufsteigt – und dessen Nachfolger wird. Was eine Zeitlang auch gut geht, trotz ihres Reformeifers, mit dem sie medizinische, soziale und kirchliche Missstände bekämpft. Aber dann taucht ihr Ritter wieder auf, und sie wird schwanger …

Ein packendes Historiendrama, das bis heute über sechs Millionen Mal verkauft und in 36 Sprachen übersetzt wurde und 2009 von Sönke Wortmann mit Johanna Wokalek in der Hauptrolle auch verfilmt wurde. Doch so gut und spannend dieser Film auch war, letztendlich war es eine konventionelle Romanverfilmung, ein bunter Bilderreigen mit viel Action und großen Gefühlen, mit großem Aufwand in Szene gesetzt.

Höchst unkonventionell und eher karg in der Ausstattung fiel hingegen die Bühnenfassung des Romans aus, geboten vom Münchner Ensemble »Theaterlust«, die jetzt im Traunreuter k1 aufgeführt wurde, vor leider nur wenigen Zuschauern. Und das war mehr als schade, denn allein schon am nicht enden wollenden Applaus und den Standing Ovations am Ende des gut zweieinhalbstündigen Schauspiels war zu erkennen, dass alle Beteiligten an dieser Aufführung einen Volltreffer gelandet hatten. Allen voran Regisseur Thomas Luft, der den genialen Einfall hatte, jedem der neun Darsteller einen Holzkasten von der Größe eines Sargs zu geben, die ständig hin- und hergerückt und neu arrangiert wurden und mal als Betten, Schulbänke, Mauern, Triumphbögen oder Boote fungierten. Ein Effekt, der jedes herkömmliche Bühnenbild weit übertraf und in Verbindung mit der geschickten Text-Adaption von Susanne F. Wolf für atemlose Spannung sorgte.

Aber auch die Schauspieler, die sehr wandlungsfähig Mehrfachrollen spielten, beeindruckten durch ihre Präsenz, vor allem Anja Klawun als Johanna und Johannes Schön als Ritter Gerold. So entwickelte dieses Schauspiel um eine so mutige wie außergewöhnliche Frau eine ganz eigene Dynamik, die auch diejenigen, die mit der (Roman)-Geschichte vertraut waren, sofort in ihren Bann zog und nicht mehr los ließ. Eine Geschichte, für die es zwar keine stichhaltigen Beweise gibt, aber doch reichlich Indizien. Wolfgang Schweiger