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Die Freiheit als roter Faden

Welche unterschiedliche Bedeutungen und Sichtweisen dem Wort »Freiheit« zukommen, beleuchtete der Kabarettist Josef Brustmann auf der Kleinkunstbühne im Grassauer Heftergewölbe. Engagiert wurde er vom Verein »Aktives Grassau«, und er durfte bereits das dritte Mal, jedoch jedes Mal mit neuem Programm auftreten.

Völlig »Gema- frei« spielte Brustmann dem Publikum im Grassauer Heftergewölbe auf. (Foto: Eder)

Wortgewandt und mit gewaltigem Redeschwall philosophierte Brustmann über die Bedeutung »Frei zu sein«, und dieser Freiheitsbegriff zog sich durch die Abendvorstellung wie ein roter Faden. Von der ersten Minute an wurden die Lachmuskeln strapaziert, denn Brustmann lieferte einen Witz nach dem anderen, und das mit einer Geschwindigkeit, die kaum Zeit zum Nachdenken ließ.

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So meinte er zu den Gästen im Raum, dass der Oberbayer auch als Preußenfresser bekannt sei, was aber nicht stimme, denn was der Bayer nicht mag, das frisst er nicht. Er komme aus dem Mausoleum gescheiterter Kanzlerkandidaten, aus Wolfratshausen, und hier kenne er große Persönlichkeiten, wie den Totengräber Toni Tretner, der seinen Beruf wählte, weil er mit Menschen zu tun haben wollte. In Prien habe er einen siebenjährigen Buben in Lederhose auf dem Parkplatz getroffen, der ihm dann völlig vereinsfrei im Freien einen Plattler präsentierte, und ein Bankräuber in London schickte dem Scotland Yard sein Foto mit dem Vermerk »Ich bin zu frei«. Es stimme nicht, dass man nur mit Geld frei sein kann, sich von all der Sklaverei und Fronarbeit freikaufen können. Ins Philosophische kam Brustmann beim Betrachten der großen Aufklärer, die die Willensfreiheit propagierten. »Wenn du dir eine Frau suchst und heiratest, ist es für den Rest des Lebens vorbei mit der Willensfreiheit«, meinte er. Auch bemühte er Immanuel Kant und dessen kategorischen Imperativ, den er allerdings etwas anders auslegte. Entscheidungsfreiheit beginne bereits in der Erziehung; während der eine ängstlich erzogen werde, sich nichts zutraue, ist der im Vorteil, dem Mut zur Freiheit gegeben werde. Dieser wird später »Ich bin so frei« sagen und seinen Weg gehen. Freiheit habe für ihn als Kind bedeutet, nach der Schule die Isarauen zu erkunden.

Josef Brustmann widmete sich auch den verschiedenen Clowngestalten, dem französischen Pierrot, dem italienischen Harlekin, dem österreichischem Kasperl, Hanswursten und Staberl, wie auch den Hofnarren, die als einzige Redefreiheit genossen. Heute übernähmen die Politiker selbst die Rolle der Narren und hielten die Bürger zum Narren. Eine der schönsten Freiheiten sei »Gema-frei«. Zum Ende der Vorstellung ließ Brustmann einen kleinen Drachen steigen. Dieser fliege nur, weil er an einer Schnur befestigt ist. Freiheit ohne Anbindung ist also gar nicht möglich.

Mit seiner oft tiefgreifenden, aber durchaus humorigen Betrachtung des Freiheitsbegriffes machte Brustmann deutlich, dass der Begriff Freiheit wohl schön klingen mag, es in der Realität aber mit dem Freiheitsgedanken immer zweischneidig ist. Mit kleinen lustigen Geschichten verknüpfte er seine jeweilige Betrachtung.

Aber Brustmann ist ja nicht nur Kabarettist, sondern auch Musiker, und so spielte er auf seiner Zither, sang dazu, mimte das Münchner Rathausglockenspiel nach und ließ auch die Tuba erklingen. Fehlen durfte auch die kleine Ziach nicht. Stets bezog Brustmann sein Publikum mit ein und konnte die Gäste im vollbesetzten Saal auch zum Mitsingen animieren. tb