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Die Freuden und Leiden des Moritz Geisreiter über die zehn Kilometer

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Foto: Wukits

„Der perfekte Langstreckler ist feinfühlig und spürt im Laufen genau, wie viel Kraft er investieren kann“, beschreibt es Eisschnellläufer Moritz Geisreiter aus Inzell wenn er sich auf die „Zehn-Kilometer-Königsdisziplin“ macht.

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Bald feiert der Zweimeter-Mann seinen 30. Geburtstag, das beste Alter für einen, der sich auf die langen Strecken beim Eisschnelllaufen wagt. „Er muss sich was trauen. Auch mal schnell ein Rennen anzugehen und dann am Ende noch mit dem nötigen Dampf am Schluss zu attackieren.“ Das will er 2018 bei den Olympischen  Spielen in Südkorea. Für diese hat er sich gleich im ersten Weltcup der Saison qualifiziert. „Im Moment gehen meine Gedanken schon ziemlich klar in Richtung Pyeongchang“, gibt er zu und verrät, dass es seine letzten Spiele sein werden. „Ich bin heiß und werde in den verbleibenden Wochen und Monaten alles dafür geben. Damit ich sagen kann, ich habe es voll durchgezogen.“

Ob er 2019 bei der Heimweltmeisterschaft in Inzell erneut die Schlittschuhe anziehen will, lässt er offen. „Da müssen meine Dauerbaustellen Knie und Rücken mitspielen. Das alles kann ich erst nach dieser Saison beurteilen.“ Traum eines jeden Sportlers ist eine Medaille bei Olympia. Auch Moritz hat diesen Traum. Die meisten Chancen sieht er über die fünf Kilometer. Zwei, drei Sekunden fehlen ihm dazu noch. „Wenn ich einen Traumlauf erwische, kann ich auf dem Treppchen stehen. Davon bin ich überzeugt.“ Aber auch die zehn Kilometer liegen ihm. Das heißt, 25 Runden quälen und das gute dreizehn Minuten. Da geht einem einiges durch den Kopf und es braucht einen Matchplan. „Ich versuche von Anfang an, gleich eine möglichst hohe Geschwindigkeit zu erspüren, die ich dann am Ende noch halten oder steigern kann. Das hängt vom Eiszustand und meiner Tagesform ab“, erklärt es. Es kann auch vieles schief gehen. „Starte ich zu vorsichtig, zieht der Gegner davon. Mache ich zu früh Druck, muss ich dafür hinten hinaus bezahlen.

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Foto: Wukits

Infos während des Rennens sind wichtig

Nichts scheußlicheres, als schon in Runde 15 zu bemerken, man hat überzogen.“ Wichtig sind daher die Informationen die vom Rand der Eisbahn durch die Trainer oder von Freunden kommen. „Die wissen genau, was sie mir in der jeweiligen Situation zurufen müssen. Da geht es um Rundenzeiten und um technisch sauber zu laufen. Genau das ist wichtig, um sich in einem engen Match mit einem guten Gegner zu pushen.“ Um in dieser Liga mitspielen zu können, muss er auf einiges verzichten. Hobbies und Leidenschaften werden hintenangestellt. „Wahrscheinlich würde ich sonst mehr Musik machen und wäre bei mehr Abenteuern mit meinen Freunden dabei gewesen. Auch würde ich öfters Mountainbiken und Skifahren.“ Schließlich begann seine sportliche Karriere zunächst als Alpiner auf zwei Brettern. Spaß macht ihn auch manches Foto-Shooting. Sportfotograf  Ernst Wukits hat ihn unter anderem mit einem flotten PS-starken Flitzer abgelichtet.  Oft sind es aber Dinge, die Geisreiter richtig auf den Geist gehen. „Wenn um sechs Uhr morgens die Dopingkontrolle vor der Tür steht, ist das sicherlich ein gewisses Opfer. Doch was mir der Sport im Gegenzug gibt und ermöglicht, lässt mich das gerne in Kauf nehmen.“ Trotzdem freut er sich auf die Zeit nach dem Leistungssport. „Da kann ich mal richtig übertreiben und muss nicht an das nächste Training denken.“ Noch gefällt ihm aber die Euphorie, die ihn hinter der Ziellinie erfasst und auf der Anzeigetafel eine Hammerzeit steht. 

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Foto: Wukits

Eigene Kinder sollen später auch Eislaufen

Geisreiter sieht sich als Wettkampftyp. Heißt er zieht aus der Anspannung vor wichtigen Rennen regelrecht Kraft. Bekannt ist sein gutes Belastungsgefühl, dadurch kann er sein Renntempo gut steuern. Verbessern will er seine Aggressivität und Risikobereitschaft auf den Langstrecken. Nachdem er bereits seinen Master in Wirtschaftspsychologie in der Tasche hat, weiß er, was er nach der sportlichen Karriere tun wird. Geisreiter hat vor, als Karrierecoach im Nachwuchs- und Schülerbereich zu arbeiten. Dazu besitzt er den Trainer-A-Schein. Natürlich will er später eine Familie gründen und wenn seine Kinder mal Schlittschuhläufer werden wollen, kein Problem. „Eislaufen ist eine spannende und vielseitige Sportart. Da kann ich meinen Kindern viel zeigen. Es muss ja nicht gleich auf den Leistungssport hinauslaufen.“ Moritz Geisreiter ist jedoch nicht alleine auf seinen Sport fixiert. Er interessiert sich auch für politische Themen außerhalb der kleinen Welt des Sports, wie er es bezeichnet. „Ich freue mich sehr, wenn ernsthafte Gespräche darüber zustande kommen. Durch die vielen Reisen und Erlebnisse habe ich wichtige Erfahrungen gewonnen. Die kann ich in solche Diskussionen mit hineintragen. Ich habe den Leistungssport immer schon als ein Projekt gesehen, dass mich darüber hinaus stärken und persönlich weiterbringen soll.“ Zunächst liegt der Fokus des Inzellers auf Olympia. Da will er alles hineinlegen und schauen, was er aus seinem Körper alles herausholen kann auf den 25 Runden und gut dreizehn Minuten.

Text: Siegi Huber
Bilder: Ernst Wukits