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Die fünfte Benefiz-Reise aufs Land

Zugunsten der Wolfgang Sawallisch-Stiftung gab Generalmusikdirektor Kent Nagano mit den Musikern der Bayerischen Staatsoper erneut ein Benefizkonzert in Grassau, der Heimat des Dirigenten Professor Wolfgang Sawallisch.

Die Pianistin Karin Kei Nagano und ihr Vater Kent Nagano im Grassauer Heftersaal. (Foto: Angeline Bauer)

Grassau ist der einzige Ort außerhalb der Musikmetropolen dieser Erde, den das Bayerische Staatsorchester mit einem Konzert beehrt. Der Grund für diese Ausnahme liegt im sehr guten, freundschaftlichen Verhältnis zwischen Kent Nagano und seinem Vor-Vorgänger als Generalmusikdirektor in München: Wolfgang Sawallisch leitete das Staatsorchesters bis 1993 fast 20 Jahre lang. Auch die Musiker pflegen diese künstlerische Beziehung, wie Nagano anmerkte. Sawallisch habe seinerzeit »Tradition« im besten Sinne geschaffen als erinnernswerte Kraft, als anhaltende Energie, als Ausdruck für gemeinsam erworbene Leistung. Dafür dankte Nagano im Namen der Bayerischen Staatsoper Professor Sawallisch.

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Professor Wolfgang Sawallisch, der im 90. Lebensjahr steht, erlebte den Konzertabend mit großer Freude, ebenso die Zuhörerinnen und Zuhörer im ausverkauften Heftersaal, die Zeugen eines Abends auf höchstem musikalischem Niveau waren.

Der erste Teil des Konzerts war Beethovens Klavierkonzert Nr. 1 C-Dur op. 15 gewidmet. Solistin war Karin Kei Nagano, die 1998 geborene Tochter des Dirigenten. Sie erhielt ihren ersten Klavierunterricht mit vier Jahren bei international bekannten Pianisten und begann bereits mit neun Jahren, an internationalen Wettbewerben teilzunehmen. Erste Konzerte folgten.

Auf besonderen Wunsch von Wolfgang Sawallisch spielte Karin Nagano nun in Grassau. Sie musizierte mit viel Sensibilität, jugendlicher Frische, Klarheit und einem sehr schönen Klang. Die technisch anspruchsvollen Passagen perlten elegant, und die Cantilenen des langsamen 2. Satzes spielte die junge Pianistin mit wundervoll langem Atem aus. Alles in allem entstand der Eindruck eines großen Einverständnisses zwischen Vater und Tochter, eingebettet in das souveräne Orchesterspiel, und auch das war berührend.

Im zweiten Teil folgte die Orchestersuite »Der Bürger als Edelmann« von Richard Strauss, eine neunteilige Folge von Stücken aus der Bühnenmusik, die Strauss vor über hundert Jahren zu Hofmannsthals Libretto nach dem Bühnenstück von Molière geschrieben hatte. Die burlesken Elemente, die die Suite auszeichnen und die musikalische Anspielungen auf das 17. Jahrhundert enthalten, griffen die Musiker mit sichtlicher Freude, ermuntert von Nagano, auf. Fast kammermusikalisch differenziert kamen die einzelnen Stimmen zur Geltung; das passte in der sonst eher trockenen Akustik des Saales besonders gut. Die für die Geige geschriebenen solistischen Partien spielte exzellent Konzertmeister Markus Wolf.

Das schon zum 5. Mal in Grassau stattfindende Benefizkonzert stellt eine großzügige und in Grassau dankbar angenommene Geste gegenüber der Wolfgang Sawallisch-Stiftung dar. In den zehn Jahren ihres Bestehens hat die Stiftung bislang 250$000 Euro für musikalische Jugendförderung aufwenden können – nicht zuletzt auch dank der Benefizkonzerte mit Kent Nagano. Uta Grabmüller