weather-image

Die Geburt der Musik aus Gesang und Tanz

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Nils Mönkemeyer (Bratsche) und William Youn (Klavier) haben bei den »InselKonzerten« für einen krönenden Höhepunkt auf Herrenchiemsee gesorgt. (Foto: Frei)

Nur ganz selten erlebt man im Konzert, wie sich zwei Musiker mit unterschiedlichen künstlerischen Profilen passgenau ergänzen und zu einer Doppelkraft vereinen. Der Bratschist Nils Mönkemeyer und der Pianist William Youn unterscheiden sich im Grunde erheblich. Zwar loten beide gleichermaßen vielfarbene, klangpoetische Zwischentöne aus, aber: Während Mönkemeyer einer direkten Intensität nicht abgeneigt ist, sucht Youn die Differenzierung in der Zurückhaltung.


Mit diesen Profilen entwickeln sie gemeinsam bleibende, höchst aufregende Hörreisen. Das zeigte sich einmal mehr bei den »InselKonzerten« auf Herrenchiemsee. 2009 haben Mönkemeyer und Youn als Duo im Bibliothekssaal des Augustiner Chorherrenstifts erstmals gastiert, damals noch als »Junge Talente«. In der Zwischenzeit hat sich Mönkemeyer neben Antoine Tamestit zum international führenden Bratschisten seiner Generation entwickelt.

Anzeige

Youn zählt hingegen zu den führenden Mozart- und Chopin-Exegeten. In Kürze erscheint ihre erste gemeinsame CD. Dass sie jetzt wieder bei den »InselKonzerten« auftraten, war eine kleine Sensation. Sie lieben die wertvolle, schmucke Kammerreihe, die von Claudia Trübsbach geleitet wird, den schönen Rahmen und den direkten Kontakt zum Publikum. Vor allem aber bleiben sie den Personen treu, die sie frühzeitig gefördert haben, als sie noch nicht so bekannt waren wie heute.

Diese noble Haltung spiegelte sich auch in ihren Interpretationen wider. Für das Chiemgauer Gastspiel hatten sie ein kluges Programm zusammengestellt, wobei sie mit der »Hommage à Mozart« der 1962 geborenen Griechin Konstantia Gourzi auch ein eingängiges, melodiereiches junges Werk präsentierten. Mönkemeyer und Youn haben das dreisätzige Stück in Auftrag gegeben und 2014 in Innsbruck uraufgeführt.

Auch hier standen die kantablen Potenziale der Viola im Zentrum, womit eine Brücke zum Mozart-Lied »Abendempfindung an Laura« KV 523 sowie zu den sechs Variationen über »Hélas, j’ai perdu mon amant« KV 360 geschlagen wurde. Mönkemeyer hat sie für Bratsche und Klavier bearbeitet. Ein schnörkellos schlanker, leuchtend klarer, sonor-warmer Klang breitete sich im Raum aus. Dabei verband sich Mönkemeyers dosiertes Vibrato mit Youns reduziertem Gebrauch des Pedals.

Wie kunstvoll Youn mit dem neuen Flügel im Bibliothekssaal umzugehen wusste, zeigte sich vollends im Klavier-Rondo KV 511. Es faszinierte zu erleben, wie Youn mit stupendem Anschlag einen schier unerschöpflichen Reichtum an Ausdrucksfarben erschloss. Mit dieser stilsicheren Artikulation verlebendigte das Duo zudem die frühe Sonate KV 14, die Mozart im zarten Alter von neun Jahren geschrieben hat.

Hier spürten Mönkemeyer und Youn die Geburt der Musik aus dem Geist des Tanzes nach – sehr gestisch und leichtfüßig. Der Bratschenbogen klebte nicht auf der Saite, womit Mönkemeyer zugleich die »Märchenbilder« op. 113 von Robert Schumann gehörig entschlackte. Zwar ließ er die Märchen sprechen, aber nicht in überrhetorischer Romantik. Schumanns klassisches Profil blieb stets hörbar. Groß war das, dieses Kammerkonzert wird lange nachklingen – ein krönender Höhepunkt. Marco Frei