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»Die Gefahr wird häufig unterschätzt«

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Georg Kronthaler arbeitet beim Lawinenwarndienst Bayern und ist für die Erstellung des Lawinenlageberichts zuständig. Am Donnerstag spricht er im »Haus der Berge«. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Für Skibergsteiger und Schneeschuhwanderer könnte die aktuelle Wetterlage nicht besser sein. Doch sind die Gefahren, die von Lawinen ausgehen groß. Georg Kronthaler vom Lawinenwarndienst Bayern gibt am Donnerstag um 19 Uhr im »Haus der Berge Praxistipps, um die Gefahren von Schneebrettern besser einschätzen zu können. Im Interview mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« gab Kronthaler einen Vorgeschmack auf seinen Vortrag.


Lawinen töten immer wieder Menschen. Kann man als Laie die Gefahr im Vorfeld erkennen? Wenn ja, wie?

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Georg Kronthaler: Ist es tatsächlich gefährlich (Gefahrenstufe 4 und 5; Anm. d. Red.), dann ist es meistens auch für Laien leicht zu erkennen. Unmengen Neuschnee, Wind, zahlreiche Selbstauslösungen und ständige Warnungen im Internet, Radio und Fernsehen lassen auch den Laien erkennen, dass es gefährlich ist. Interessanterweise werden die meisten Unfälle nicht von Anfängern, sondern von den sogenannten Erfahrenen verursacht. Meist sind das auch noch Gebietskenner. Das Problem liegt daher eher bei Gefahrenstufe 3. Hier sind auch die meisten Unfälle zu verzeichnen. Die Gefahrenstufe 3 wird häufig unterschätzt, weil die Gefahrenzeichen meistens nicht so eindeutig sind, wie bei Gefahrenstufe 4 oder 5. Dabei kann schon ein einzelner Skifahrer Schneebrettlawinen auslösen und vereinzelt kann es auch zu Selbstauslösungen von großen Lawinen kommen. Hier hilft dem Laien der Lawinenlagebericht. In diesem kann er erkennen, wo die Gefahrenstellen liegen, wer eine Lawine auslösen kann beziehungsweise was die Ursache der Gefahr ist. Wenn ein einzelner Skifahrer ein Schneebrett auslösen kann, dann sollte man steile Skitouren meiden und nur Touren unternehmen, die nicht steiler sind als 30 Grad – auch im Einzugsbereich.

Skibergsteiger und Schneeschuhwanderer sind auch dann unterwegs, wenn die Lawinengefahr steigt. Sind die Leute zu risikofreudig?

Kronthaler: Das ist schwer zu sagen. Ich denke, dass keiner freiwillig eine Lawine auslöst. Das Hauptproblem ist, dass die meisten gar nicht erkennen, wie groß das Risiko zum jeweiligen Zeitpunkt am Einzelhang ist.

Welche Praxistipps gibt es für Naturliebhaber, die im Schnee und an steilen Hängen mit Lawinenrisiko unterwegs sind?

Kronthaler: Wichtig ist, die Tour aufgrund des aktuellen Lawinenlageberichts zu planen. Weiterhin sollte jeder, der unterwegs ist, eine Ausbildung machen – und zwar bei jemandem, der die Einzelhangbeurteilung mit der »Systematischen Schneedeckendiagnose« durchführt.

Eine Schneedeckendiagnose ist wichtig, ebenso die Einzelhangbeurteilung – kann man aus diesen beiden Punkten bereits die Gefahr erkennen, die möglicherweise bevorsteht?

Kronthaler: Ja, mit der »Systematischen Schneedeckendiagnose« ist man in der Lage, in kürzester Zeit eine Einschätzung zu erhalten, wie viel ein Hang an Zusatzbelastung verkraftet. Jedoch ist dies nur mit einer soliden Ausbildung möglich. Dieses System ist sowohl für den Anfänger wie auch für den Experten gleichermaßen anwendbar.

Welche Aufgaben haben Sie beim Lawinenwarndienst Bayern?

Kronthaler: Ich bin mit zwei weiteren Kollegen zuständig für die tägliche Erstellung des Lawinenlageberichts – wir wechseln uns wöchentlich ab. Weiters bin ich Ausbildungsleiter für die Lawinenausbildung für Lawinenkommissionen.

Gibt es für Sie persönlich Situationen, in denen Sie nicht mehr nach draußen auf den Berg gehen? Welche sind das?

Kronthaler: Wenn keine Sicht ist und ich nicht mehr die Gesamtsituation einschätzen kann. Kilian Pfeiffer