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»Die Gemeinde darf nicht in Projekten ersticken«

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Josef Angerer ist seit 20 Jahren SPD-Mitglied. Nun will er in Bischofswiesen Bürgermeister werden. (Foto: privat)

Bischofswiesen – Die Integration der Jugend ist für Josef Angerer ein wichtiger Aspekt in der Kommunalpolitik. Der SPD-Politiker bewirbt sich deshalb am 15. März als Bürgermeisterkandidat in Bischofswiesen. Darüber hinaus will er die Buslinie in Richtung Aschauerweiher ausdehnen, den Ortskern verschönern und Projekte anstreben, die sich auch für zukünftige Generationen lohnen sollen.


»Jeder Bürger soll sich wohlfühlen«

Die Erfahrungen, die Josef Angerer in der Kindheit gemacht hat, haben ihn dazu veranlasst, der SPD beizutreten. Zusammen mit seinen fünf Geschwistern hat er sich ein kleines Zimmer geteilt. Gut verstanden habe er sich mit der Familie immer, dennoch sei es eine emotionale Zeit gewesen. »Die Verhältnisse waren schlecht.« Bescheidenheit war das A und O. Diese Ansätze habe er in der SPD wiedergefunden, vor 20 Jahren schloss er sich der Partei deshalb an.

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»Jeder Bürger soll sich in der Gemeinde wohl und geborgen fühlen«, sagt Angerer. Als Betreiber eines eigenen Maurer- und Fliesenlegerunternehmens achte er immer auf seine Mitarbeiter. Sie sollen fair bezahlt werden und unter gerechten Bedingungen arbeiten.

Besonders wichtig ist Angerer auch die Jugend. Kommunalpolitik sei nur dann gerecht, wenn man Jugendliche bei Entscheidungen einbindet. Er war 25 Jahre Jugendleiter beim Trachtenverein D'Watzmanner und arbeitete eine Weile als Jugendreferent in Bischofswiesen. Beide Ämter musste er 2012 aufgeben, die Gründung des eigenen Betriebs nahm viel Zeit in Anspruch. Angerer blickt gerne auf diese Zeiten zurück. Als Jugendreferent unterstützte er einen landkreisweiten Jugendsenat. Mitglieder waren Schülersprecher aus allen Schulen der Region.

Die Schüler hatten die Möglichkeit, neue Ideen zu entwickeln oder Probleme anzusprechen. Oftmals würden sie sich weitere Freizeitangebote wie Skateparks wünschen. Zu einer Umsetzung könne es aber nur kommen, wenn die Wünsche junger Menschen Beachtung finden. »Den Senat gibt es seit einigen Jahren nicht mehr«, sagt Angerer. Sollte der Sozialdemokrat Bürgermeister werden, will er dieses Angebot für Jugendliche reaktivieren. »Wir müssen die junge Generation besser integrieren und auch bei politischen Entscheidungen mitbestimmen lassen.«

Ortskern verschönern

Damit auch die nächsten Generationen Projekte in Bischofswiesen umsetzen können, soll der Schuldenabbau in das Zentrum rücken. »Wir müssen sinnvoll investieren«, sagt der Kandidat. Er sieht ein grundlegendes Problem in der Bischofswieser Politik: Es gebe viele Projekte, die der Gemeinderat in Angriff nehmen will. Oft werde dabei vergessen, dass Maßnahmen auch viel Geld kosten. »Für die zukünftige Generation bleibt kein Geld mehr übrig, wenn wir ein Projekt nach dem anderen durchboxen«, beklagt er. »Außerdem darf die Gemeinde nicht in Projekten ersticken«, betont Angerer. Es müssten realistische Ziele verfolgt werden. Diese müssten priorisiert werden. Maßnahmen sollen kontrolliert und in Absprache mit dem Haushalt erarbeitet werden. Die Infrastruktur ist Angerer besonders wichtig. Defizite sieht er vor allem im Kanalsystem. Die Rohre müssten zum Teil erneuert werden. Erst danach könne man sich um den Bau des neuen Rathauses kümmern. »Wasser ist das wichtigste Gut«, so Angerer.

Neben der Sanierung will der 45-Jährige auch den Ortskern verschönern. »Wir haben wegen der Bischofswieser Ache einen optischen Schnitt in der Gemeinde.« Die eine Seite im Ort sei durch das Rathaus, die Schule und diverse Geschäfte belebt. Auf der anderen Seite hingegen sei so gut wie nichts zu sehen. Angerer will diesen Ortsteil umgestalten. Ein Projekt dieser Tragweite könne aber nur dann umgesetzt werden, wenn es die finanzielle Situation zulasse.

Ein weiteres Defizit sieht Angerer in der Mobilität. Er wünscht sich eine Ausweitung der Buslinien. Er will eine Busverbindung zum Aschauerweiher schaffen. »Es ist traurig. Wenn meine Töchter im Sommer zum Baden gehen wollen, kommen sie dort nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln hin.«

Frühzeitige Förderung

Auch die Bildung dürfe nicht vernachlässigt werden. Für den Bischofswieser sei es am wichtigsten, dass Unterricht und Erziehung bereits in der Grundschule funktionieren. »Kindergarten und Grundschule sind die Grundsteine des Lebens.« Die ersten Jahre seien die prägendsten für ein Kind.

Durch die Schaffung von weiteren Betreuungsangeboten für Grundschüler könne man mit einem relativ geringen finanziellen Aufwand viel für Kinder und Eltern tun. Möglichkeiten, Kosten in verschiedenen Bereichen zu sparen, sieht er durch eine verstärkte Zusammenarbeit mit den anderen Gemeinden des Talkessels gegeben.

Die Freizeit verbringt der 45-Jährige mit der Familie. Am 15. März ist er als Wahlhelfer eingeteilt. Nervös ist Angerer nicht, er wird entspannt auf das Ergebnis warten. Patrick Vietze