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Weil neben der Pension »Wimbachklamm« eine Asylbewerberunterkunft entsteht, sorgt sich Familie Valentin um ihre Existenz

»Die Gemeinde hat uns geopfert«

Ramsau - Die Enttäuschung bei Familie Valentin ist groß, seit sie erfahren hat, dass eine Asylbewerberunterkunft direkt neben der eigenen Pension entsteht (wie berichtet). »Wenn es so weit ist, können wir schließen«, sagt Maxi Valentin. Und auch Ehemann Hans ist verärgert. Darüber, dass die Gemeinde nicht auf die Familie zukam. Hier gehe es nicht darum, dass man etwas gegen Ausländer habe. Vielmehr fühlt sich Familie Valentin als Opfer.

»Wenn die Asylbewerber da sind, können wir unsere Pension zusperren«, sagt Familie Valentin. (Foto: Pfeiffer)

»Unsere gesamte Existenzgrundlage ist in Gefahr.« Die Valentins betreiben in vierter Generation die Pension »Wimbachklamm«. Diese liegt direkt neben dem gleichnamigen Hotel. Hans Valentins Großeltern haben den Grundstein gelegt, die Eltern haben den Familienbetrieb aufgebaut. Später führte Hans Valentin die Pension, seine Schwester das Hotel. Mittlerweile leitet Hans Valentins Nichte das direkt an die Pension grenzende Hotel »Wimbachklamm«. Inzwischen hat sie es an einen Investor verkauft.

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Kein Urlaub neben einem Asylbewerberheim

Die Valentins führen die Pension seit Jahrzehnten. Direkt am Parkplatz »Wimbachbrücke« gelegen, sind es vor allem Stammgäste, Wanderer und viele junge Leute, die dort Urlaub machen. Insgesamt gibt es 16 Betten. Rundherum bieten sich unzählige Ausflugs- und Wandermöglichkeiten. Jetzt hat die Familie Angst, dass sie die Pension nicht weiterführen kann.

»Niemand mag neben einer Asylbewerberunterkunft im Bergsteigerdorf Ramsau seinen Urlaub verbringen. Die Leute kommen hierher, um ihre Ruhe zu haben«, sagt Maxi Valentin. Seit vor rund einem Monat bekannt wurde, dass das Hotel »Wimbachklamm« eine Asylbewerunterkunft werden soll, seien Buchungen storniert worden. Natürlich müsse man das den Gästen sagen, dass ab Ende des Jahres im angrenzenden Nachbarhaus bis zu 41 Flüchtlinge wohnen werden. »Und das will leider keiner, so etwas haben sie oft schon dort, von wo sie kommen«, sagt Valentin.

Noch kann man sich damit rühmen, dass die Bewertungen der Pension im Internet hervorragend sind. »Aber wie lange noch?«, fragen sich die Betreiber. Von zahlreichen Ramsauern wurde die Familie schon angesprochen, immer wieder mit Unverständnis konfrontiert. »Die Menschen verwechseln unsere Pension mit dem Hotel.« Die Valentins würden ihren Betrieb gerne weiterführen. Ständig würden die beiden von Urlaubsgästen, die auf dem Parkplatz Wimbachbrücke parken, auf die künftige Asylbewerberunterkunft angesprochen. Stammgäste, die seit vielen Jahren gekommen waren, hätten aufgrund der aktuellen Entwicklung den Uraub für nächstes Jahr bereits storniert. Wie es weitergehen soll, weiß niemand.

Am meisten enttäuscht sei man aber von der Gemeindeverwaltung und vom Bürgermeister. Man kenne sich gut, man duze sich. Und »dennoch hat es niemand für notwendig empfunden, uns und die anderen Nachbarn im Vorfeld zu informieren«, sagt Hans Valentin kopfschüttelnd. »Das ist schon ein komisches Gefühl, wenn man aus der Zeitung erfährt, dass im Nachbarhaus eine Asylbewerberunterkunft entstehen soll«, ärgert sich das Familienoberhaupt. Zumal die Verträge zwischen Hoteleigentümerin und Investor schon Wochen zuvor unterzeichnet wurden, wie aus dem Gemeindeverwaltungsumfeld zu erfahren ist. »Wir fühlen uns wie das Bauernopfer, die Gemeinde hat uns geopfert.«

Angst vor finanziellen Einbußen

Angst haben die Valentins, dass die finanziellen Einbußen nun ganz schnell spürbar werden. Etwa auch, weil ein Teil der Terrasse hinter dem Haus direkt übergeht in die künftige Terrasse der neuen Asylbewerberunterkunft. Mit dem Balkon verhält es sich ähnlich. Demnächst soll am Parkplatz Wimbachbrücke, direkt vor der Pension gelegen, freies WLAN für alle eingerichtet werden. »Dann halten sich alle hier draußen auf, vor der Pension, so, wie es oft am Kongresshaus in Berchtesgaden der Fall ist.« Kilian Pfeiffer