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Knifflige Übernahme

Die größten Aufgaben für die neue Bahn-Führung

Egal, wer auf Rüdiger Grube folgt: Die künftige Spitze des Bahnkonzerns erbt Altlasten und angefangene Projekte. Viele davon sind knifflig - manche sogar riskant.

Berlin (dpa) - Die Deutsche Bahn ist im Umbau. Rüdiger Grube hat in seiner Amtszeit als Bahnchef umfangreiche Projekte angestoßen und mehrere Aufgaben noch nicht gelöst. Eine Übersicht:

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DB CARGO FIT MACHEN: Im Jahr 2015 gab es einen Milliardenverlust vor allem wegen einer Sonderabschreibung auf die Güterbahn, die seit Jahren ein Sanierungsfall ist. Abgesehen von Gütern wie Eisenerz und Kohle sind viele Transporte kleinteilig, es mangelt an Effizienz bei der Auslastung und Steuerung der Züge. Der Marktanteil der Tochter DB Cargo sank binnen Jahresfrist von 66,4 Prozent auf 60,9 Prozent im vergangenen Sommer.

DIGITALGESCHÄFT SICHERN: Niemand soll sich zwischen die Bahn und ihre Kunden drängen und dem Konzern das Vertriebsgeschäft streitig machen. Das war Grube ein Anliegen, denn: «Als Lohnkutscher können Sie heute kein Geld mehr verdienen.» Die Bahn will nicht nur Zugfahrscheine verkaufen, sondern die Kunden von der Haustür bis zum Ziel leiten. So arbeitet der Konzern daran, sein Angebot zu verknüpfen: Züge und Busse auf der einen Seite, Autos, Motorroller und Fahrräder zum Mieten auf der anderen. Dazu gibt es Beteiligungen an Digitaldiensten wie dem Mitfahrangebot Clever Shuttle und der Plattform Qixxit.

«ZUKUNFT BAHN» FORTSETZEN: Seit mehr als einem Jahr läuft das Vorstandsprogramm, das Qualität, Kundenzahl und Ergebnis steigern soll. Einiges ist begonnen oder geschafft: von mehr WLAN in den Waggons über mehrzeilige Gleisanzeiger und mehr Sauberkeit sowie schnellere Reparaturen für Züge bis hin zur schlankeren Konzernstruktur. Eine bessere Information und Unterhaltung der Reisenden über den DB Navigator und das ICE Portal zählen ebenso zum Ziel wie Sensoren in Weichen und Rolltreppen oder mehr Service im Zug. Bis zu 20 Milliarden Euro sollen bis 2020 investiert werden.

PÜNKTLICHKEIT VERBESSERN: Das ist ein Kernelement von «Zukunft Bahn». Pünktlich ist ein Zug für die Bahn, wenn er weniger als sechs Minuten nach Fahrplan einfährt. Das schafften im vergangenen Jahr 78,9 Prozent der Fernzüge. Das Ziel von 80 Prozent wurde damit verfehlt. Langfristiges Ziel sind 85 Prozent. Gelingt das nicht, erhalten die Vorstände weniger Geld.

MARKTANTEILE SICHERN: Niedrige Spritpreise, Billigflieger und Fernbusse haben es dem Fernverkehr lange schwer gemacht. Zuletzt konnte die Bahn die Zahl der Reisenden in ihren ICE- und Intercity-Zügen aber wieder steigern, vor allem durch viele deutlich rabattierte Sparpreis-Fahrscheine. Im Regionalverkehr hat sich Bahn bei Ausschreibungen zuletzt immer mal wieder geschlagen gegeben, weil Konkurrenten günstiger waren. Im vergangenen Sommer lag der Bahn-Marktanteil am Regionalverkehr noch bei 70,8 Prozent.

KONZERNERGEBNIS STEIGERN UND SCHULDEN BEGRENZEN: Im Jahr 2016 hat die Bahn nach einem Verlustjahr zwar wieder schwarze Zahlen im laufenden Geschäft verbucht - der Betriebsgewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei 1,8 Milliarden Euro. Wie viel unterm Strich übrig bleibt, wird jedoch erst im März mitgeteilt. Die Bahn braucht zusätzliches Geld, damit angesichts milliardenschwerer Investitionen in den kommenden fünf Jahren die Schulden nicht aus dem Ruder laufen. Sie lagen Ende 2015 schon bei 17,5 Milliarden Euro.

STUTTGART 21: Der Bau des Tiefbahnhofs und der Tunnelstrecken in und um Stuttgart bleibt ein Termin- und Kostenrisiko. Platzt der Rahmen von 6,7 Milliarden Euro, droht Streit darum, wer die Mehrkosten finanziert. Nach dem Abgang von Vorstand Volker Kefer liegt das Projekt innerhalb der Bahn-Führung bei Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla, dem Ambitionen auf den Posten des Vorstandschefs nachgesagt werden.

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