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Die Guten und die Bösen

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Florian Schröder nahm in seinem Programm »Ausnahmezustand« im k1 Notstände in Politik und Gesellschaft aufs Korn. (Foto: Heel)

Die Guten gegen die Bösen, hieß es beim Auftritt des Berliner Kabarettisten Florian Schröder im Saal des Traunreuter k1. Die Guten, das waren natürlich die Zuschauer und Schröder. »Weil wir alle schlau, schön und links sind«, so der 39-jährige Kabarettist, der bereits mit 14 als Parodist angefangen hat. Und die Bösen? Die flimmerten derweil über die Leinwand im Hintergrund: Trump, Erdogan und Kim Jong-un, unterbrochen von kämpfenden Menschen und Maschinen. Dazu in großen Lettern der Satz des Staatsrechtlers Carl Schmitt: »Souverän ist, wer über den Ausnahmezustand entscheidet«.


Der Videobeweis in Österreich funktioniert

»Ausnahmezustand« lautet auch der Titel von Schröders aktuellem Programm, in dem er diverse Notstände in Politik und Gesellschaft aufs Korn nahm, temporeich, polemisch und mit pechschwarzem Humor. Als Einstieg wählte er dabei zwei Videos, die derzeit die politische Debatte beherrschen: Rezo und Strache. Da fand er die Reaktion der CDU geradezu erschütternd, aber auch, dass in Österreich, im Gegensatz zum DFB, der Videobeweis einwandfrei funktioniere.

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Zum dritten Aufreger dieser Tage, zur Verleihung der »Goldenen Kamera«, wo Greta Thunberg erst einen Sonderpreis für Klimaschutz erhalten hat und kurz darauf eine Nachwuchsschauspielerin die Autoschlüssel für einen SUV, merkte er an, dass sich ein Satiriker dies nicht besser ausdenken könnte.

Von hier aus nahm Schröder Kurs auf die eingangs gezeigten Bösewichte, etwa auf Trump, »ein Vierjähriger im Körper eines 70-Jährigen«, den er dennoch nicht für einen Rassisten hält: »Selbst dafür ist er zu blöd.« Das mache ihn aber auch gefährlich: »An Trumps Schreibtisch sind zwei rote Knöpfe. Wenn er den einen drückt, bekommt er eine neue Flasche Cola. Das Schicksal der Welt hängt von einer Flasche ab.«

Als Feindbilder hielten auch die Touristen aus den USA, Großbritannien und Spanien her, die nur zum Saufen nach Berlin-Prenzlauer Berg kämen, vor allem aber die Schwaben, die als Zugezogene die Pest seien. Von denen grenzte sich der aus Lörrach stammende Kabarettist entschieden ab: »Ich bin ein Badener! Ich bin einer von den Guten!«

Aber ist die Rollenverteilung in gut und böse wirklich so einfach »angesichts der Berechnung, dass sich der moderne Mensch 60 Sklaven weltweit hält?« Schröder wollte es genau wissen und forderte die Zuhörer auf, in der Pause Zettel mit Fragen an ihn einzureichen.

Abenteuerliche Bahnfahrt nach Traunreut

Live auf Instagram geschaltet, nahm er dazu auch Stellung, ebenso unterhaltsam geriet die Schilderung seiner abenteuerlichen Bahnfahrt von Traunstein nach Traunreut, angefangen mit der Suche nach dem versteckt liegenden Bahnsteig bis hin zu den Nöten der Fahrgäste, das Aussteigen an einer Zwischenstation dem Zugführer persönlich melden zu müssen.

Danach redete er sich immer mehr in Rage, empörte sich über den Optimierungswahn oder die Tendenz, alles nach Gefühl zu beurteilen – »hört auf zu fühlen, fangt an zu denken«.

Ganz besonders aber prangerte er die Auswüchse der Political Correctness an, die zum Beispiel dazu geführt hätten, dass an amerikanischen Universitäten Studenten neuartige Warnhinweise auf Büchern fordern: Romane über Rassismus, Kriege oder Suizid könnten traumatische Belastungsstörungen verschlimmern.

Wer dagegen schon bei Markus Lanz ein Trauma erleidet, dem sprang Schröder beim krönenden Abschluss seiner Show bei, einer glänzenden Parodie auf eine »Markus Lanz-Talkrunde«. Der Dank des Publikums: Riesenapplaus und große Nachfrage nach Autogrammen des Künstlers. Wolfgang Schweiger

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