Die Helfer in der Not in unwegsamem Gelände

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Christian Aichhorn (von links), Dr. Markus Langer, Claudia Bork und Martin Überegger von der Bergwacht Traunstein freuten sich nach einer gelungenen Übung mit dem Hubschrauber. Diese fand am Jochberg statt.
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Ein starkes Team: Claudia Bork, die Bereitschaftsleiterin der Bergwacht Traunstein, und ihr Stellvertreter Stefan Eisenreich. (Fotos: Bergwacht Traunstein)

Sie müssen raus bei Wind und Wetter, bei Tag und bei Nacht – und das 365 Tage im Jahr. Viele Herausforderungen warten auf sie – am Berg, am Steilhang oder auf der Piste. Sie müssen sich oft in unwegsamem Gelände bewegen und riskieren dabei auch mehr als einmal ihr eigenes Leben. Die Bergwacht Bayern bewältigt pro Jahr rund 8500 Rettungseinsätze. Insgesamt sind 113 Bergwacht Bereitschaften in den bayerischen Alpen aktiv. Wir wollen die ehrenamtliche Arbeit der Bergwachtmänner und -frauen in den nächsten Wochen in einer kleinen Serie würdigen. Stellvertretend für die ganzen Bereitschaften in der Region haben wir mit einigen Aktiven der Bergwacht Traunstein über ihre vielseitige Arbeit gesprochen.


Im Juni 1920 wurde die Bergwacht Bayern gegründet. Sie ist Teil des Bayerischen Roten Kreuzes. Die Bergwacht Bayern gliedert sich in sieben Regionen. Es gibt etwa die Bergwacht Chiemgau, die die Landkreise Altötting, Traunstein und Berchtesgadener Land umfasst. Darunter befinden sich wiederum die verschiedenen Bereitschaften – in unserer Region sitzen sie in Altötting, Berchtesgaden, Bergen, Bad Reichenhall Freilassing, Grassau, Inzell, Marktschellenberg, Marquartstein, Ramsau, Reit im Winkl, Ruhpolding, Schleching, Teisendorf/Anger und eben Traunstein.

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»Wir sind für die Zukunft gut aufgestellt«

Seit 1935 gibt es die Bergwacht Traunstein jetzt schon. Derzeit hat sie 59 Mitglieder, zwölf davon sind im aktiven Bereitschaftsdienst und können jederzeit von der Arbeit weg. Weitere acht unterstützen diese dann nach ihrem jeweiligen Arbeitsende oder am Wochenende. Zudem gibt es 13 Anwärter, was Claudia Bork besonders freut. »Wir sind für die Zukunft gut aufgestellt«, betont sie.

Claudia Bork ist seit 2017 Bereitschaftsleiterin der Bergwacht Traunstein. Zuvor war die Lehrerin bereits vier Jahre lang Stellvertreterin des damaligen Bereitschaftsleiters Thomas Lobensteiner und auch schon viele Jahre in der Ausbildungsleitung aktiv gewesen.

Zusammen mit ihrem Stellvertreter Stefan Eisenreich hat Bork viel Arbeit – und das täglich. Bei den beiden läuft die ganze Organisation zusammen, unterstützt werden sie dabei aber von verschiedenen Bereichsleitern. »Es ist eigentlich ein Full-Time-Job«, sagt Bork, den die Aktiven der Bergwacht aber allesamt ehrenamtlich ausüben.

Allein das Thema Ausbildung ist äußerst umfangreich, anspruchsvoll und zeitintensiv. Anwärter müssen drei Jahre lernen, bevor sie in den aktiven Dienst gehen dürfen. »Der Aufwand ist schon enorm, aber die Arbeit eben auch vielseitig und abwechslungsreich«, betont Bork. Eine Grundvoraussetzung, um die Ausbildung überhaupt starten zu können, ist: »Man muss auf allen Gebieten fit sein.« Und: Man muss sich auch »in jedes Gebiet am Berg selber rein trauen«. Auch das sei nicht unbedingt jedermanns Sache, sagt sie. Zudem müssen alle zwei Wochen Ausbildungstage, Fortbildungen und Übungen organisiert und abgehalten werden.

Damit kann die Bergwacht garantieren, dass man fit für die Einsätze ist – und die gibt es Sommer wie Winter en masse. »Im Sommer fast noch mehr als im Winter«, weiß Claudia Bork. Da tummeln sich Wanderer, Kletterer, Bergsteiger, Mountainbiker oder Paraglider auf den Bergen. Im Winter sind es vor allem die Skifahrer und Skitourengeher, die nach Stürzen auf der Piste oder eben im Gelände Hilfe benötigen.

Dank des Funkmeldeempfängers sind pro Woche auch zwei Aktive der Bergwacht Traunstein 24 Stunden am Tag für die Rettungsleitstelle erreichbar. Sie können also im Notfall jederzeit alarmiert werden.

Die Corona-Pandemie erschwert die Arbeit der Bergwacht gerade zusätzlich, denn überall müssen strikte Hygieneregeln befolgt werden. »In erster Linie ist wichtig, dass wir Einsatzkräfte auch geschützt sind.«

Ihre Diensthütte haben die Traunsteiner am Unternberg. In diesem Winter ist die Hütte an den Wochenenden auch tagsüber für einige Stunden mit zwei Aktiven und einem Anwärter besetzt, denn gerade in den jetzigen Zeiten, in denen corona-bedingt ja keine Skilifte betrieben werden dürfen, ist der beliebte Touren-Berg in Ruhpolding stark frequentiert. »Wir wollen damit sicher stellen, dass wir innerhalb weniger Minuten vor Ort sind.«

Aber das ist nicht das einzige Einsatzgebiet der Bergwacht Traunstein: Sie unterstützt etwa auch die Kollegen in der Region regelmäßig – etwa bei Biathlon-Veranstaltungen in Ruhpolding. Unterstützend greift sie auch der Bergwachtbereitschaft Reit im Winkl auf der Winklmoos Alm unter die Arme. »Es ist wirklich ein sehr gutes Zusammenspiel zwischen den einzelnen Bereitschaften«, freut sich Claudia Bork.

Die Bergwacht Traunstein ist aber auch in vielen weiteren Bereichen aktiv: Man betreut beispielsweise auch einen der Tank-Anhänger der Bergwacht. Sprich: Muss ein Hubschrauber während eines Einsatzes schnell mit Kerosin versorgt werden, dann sind dafür die Traunsteiner zuständig. 950 Liter Treibstoff passen in den Tank-Anhänger, der im Siegsdorfer Wertstoffhof untergestellt ist.

Und die Bergwacht verfügt auch über einen Technikbus. Er ist unter anderem mit einer Drohne und einer Wärmebildkamera ausgestattet. Er wird hauptsächlich benötigt, wenn eine Vermisstensuche in den Bergen zu bewältigen ist.

Wichtige Aufgabe im Kriseninterventionsteam

Eine ganz wichtige Aufgabe kommt der Bergwacht aber auch im Kriseninterventionsteam zu. »Einer unserer ersten Einsätze war damals beim Einsturz der Eishalle in Bad Reichenhall«, erinnert sich Bork zurück. Sie ist aktiv im KIT-Team dabei. Sehr viele emotionale und bedrückende Momente musste sie in all den Jahren schon erleben. Aber Claudia Bork weiß: »Die Gespräche direkt nach dem Unglück sind für die Angehörigen sehr wichtig.«

Das Kriseninterventionsteam ist etwa auch zur Stelle, wenn ein Verunglückter nur noch tot vom Berg geborgen werden kann. »Dann kümmern wir uns um die Angehörigen, die ja teilweise von weit her kommen.« Das Team schaut, dass die Hinterbliebenen gut versorgt sind, sie eine Unterkunft finden und sorgt vor allem auch dafür, dass sich die Angehörigen vor Ort von ihrem Liebsten würdig verabschieden können.

Und warum macht man das alles – noch dazu ehrenamtlich? »Weil man ganz viel zurückbekommt«, antwortet Claudia Bork umgehend. Es komme durchaus öfters vor, dass sich die Geretteten Wochen später noch einmal bei der Bergwacht melden. Einfach Danke sagen oder auch Geschenke vorbeibringen. »Das ist dann schon etwas Tolles. Man sieht, dass die Arbeit geschätzt wird«, freut sich die Bereitschaftsleiterin.

Bergwacht Traunstein hat keinen Stützpunkt

86 Jahre packt die Bergwacht Traunstein jetzt schon mit an und hilft, wenn Menschen am Berg verletzt sind. Nur eines hat man in dieser langen Zeit bisher nicht geschafft: Die Traunsteiner haben kein eigenes Bergwacht-Haus in der Stadt, also keinen zentralen Anlaufpunkt. »Als einzige Bereitschaft in der Gegend«, merkt Claudia Bork an.

Ihr ganzes Material haben die Bergwachtler deshalb in einer Garage beim Bayerischen Roten Kreuz in Traunstein untergebracht. In den Räumen dort dürfen sie auch ihre Fortbildungen abhalten. Dabei hätte man durchaus gerne eine eigene Anlaufstelle. »Aber aus eigener Kraft schaffen wir das leider nicht«, sagt Claudia Bork. »Es wäre aber nach wie vor ein Traum von uns.«

SB


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