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Adam-Gumpelzhaimer-Chor ließ die übervolle Baumburger Stiftskirche überquellen von musikalischem Lob, Preis und Dank

»Die Himmel erzählen die Ehre Gottes«

Unser Blick in den Altarraum der Stiftskirche Baumburg zeigt den Adam-Gumpelzhaimer-Chor samt Solisten und Orchester. Die Kirche war bei dem Musiksommer-Konzert komplett ausverkauft, die Besucher kamen teils von weit her angereist.

»Keine Angst«, trösteten die Damen an Abendkasse. »Wir bringen alle unter.« Denn das Konzert in der Reihe »Musiksommer zwischen Inn und Salzach« in der Stiftskirche Baumburg war komplett ausverkauft. Die Letzten fanden noch Stehplätze im Vorraum, als Pfarrer Dr. Josef Franik nach kurzer Begrüßung an den Trostberger Adam-Gumpelzhaimer-Chor übergab, der für sein diesjähriges Konzertprogramm ein Motto aus Haydns »Schöpfung« gewählt hatte: »Die Himmel erzählen die Ehre Gottes«.


Chorleiter Wolfram Heinzmann, Dirigent am Altar, ließ den Abend ohne Umschweife mit eben diesem Chor und Solisten-Terzett beginnen. Weil dann die »Schöpfung« noch einmal mit dem Lob des zweiten Tags und der Nr. 30 (»Von Deiner Güt’, o Herr und Gott«) aufgegriffen wurde, hätte man für das Finale fast den zugehörigen Schlusschor (»Singt dem Herren alle Stimmen!«) erwartet. An dessen Stelle trat aber, ebenso überschwänglich wie klar pointiert ins Klangbild gesetzt, das Halleluja aus Händels »Messias«, dem das Publikum noch einen anhaltend donnernden Applaus nachschickte. Dass ein barocker Ohrwurm, der bereits in die Fernsehwerbung gesunken ist, hoch über Altenmarkt den Hörern Schauer rieseln lässt, beweist alles zur erstaunlichen Qualität von Chorleitung, Chor und Orchester – und zeigt, dass der Programmplan aufgegangen war: geistliche Musik wieder als »Lob, Preis und Dank« erlebbar zu machen.

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Das funktionierte vor allem in den Gesangspartien ganz hervorragend, namentlich bei Mendelssohn im 42. Psalm, im »Paulus«-Chor und den »Elias«-Ausschnitten, die sich ruhig pulsierend und wie unaufhaltsam zu voller Größe erhoben. Hier war der Adam-Gumpelzhaimer-Chor ganz zu Hause. Nur hatten es die Instrumente als Gegengewichte gar nicht leicht, gegen diese Himmelsmacht zu bestehen, auch weil das Programm ganz bewusst Musik und Text aufeinander bezog.

Zu nennen sind in jedem Fall Konzertmeister Alexander Krins in der Beethoven-Violinromanze Nr. 1 in G-Dur sowie mit Johanna Wallner (Viola) und einem sicheren Cello (Simon Nagl) einer Rarität: W. A. Mozarts einziges Werk für Violine, Viola und Violoncello mit Orchester – ein Allegro (erster Satz) einer geplanten Sinfonia Concertante KV 320e (Anh. 104) – blieb leider ein Fragment und gilt deshalb als »Vorstudie« zu seiner berühmten Sinfonia Concertante für Violine und Viola KV 364. Dieses äußerst vielversprechende Fragment wurde von Prof. Eduard Melkus (Wien) kongenial zu einem vollständigen Satz ergänzt.

Johanna Hartmann (Querflöte) und Marlene Noichl (Klarinette) brillierten in der Sinfonia Concertante von Franz Danzi. Am besten gelang die Selbstbehauptung dem locker gelaunten Hideki Machida vom Münchner Holzbläserquintett, der den 1. Satz aus dem Mozart-Konzert für Oboe virtuos und wie mühelos in klarer Klangschönheit und überwältigenden Kaskaden vorbrachte.

Für den Gesamtverlauf schien Machida gar eine Art »Pausen-Effekt« zu haben: Als hätten die Ensembles sich an seiner selbstvergnügten Sicherheit noch einmal ein Beispiel genommen, gelang in der zweiten Programmhälfte vieles noch lebendiger, bedachter und souveräner angesetzt.

Und wenn’s einmal läuft, dann gelingt alles. Insbesondere Eva Maria Amann sang sich nach der Händel-Arie, der man noch die Konzentration auf die Hürden anmerkte, geradezu in einen traumwandlerischen Stimmenlauf, dem das Publikum oft mit angehaltenem Atem folgte; sie hat man in Baumburg sicher an einem ihrer ganz großen Abende erleben dürfen. Im Vergleich dazu hatten Richard Eschlbeck (Tenor) und Hans-Joachim Bernhart (Bass) leider viel zu wenig Gelegenheit, zu zeigen, welchen gesanglichen Herausforderungen der Trostberger Chor mit Kräften aus den eigenen Reihen bestreiten kann. Also: Wir heben unsere Ohren auf. Der nächste Musiksommer zwischen Inn und Salzach kommt bestimmt. Florian Eichberger