weather-image

Die Himmelskönigin im Dom des Salzachtals

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Als Zugabe beim Konzert in Fridolfing legte sich der meditative Klangteppich des »Ave Verum« von Mozart über den Kirchenraum. (Foto: Janoschka)

In besonderer Weise passten Musik, Landschaft und Architektur – die Aspekte, die dem Konzept des Musiksommers zugrunde liegen – im »Dom des Salzachtals« in Fridolfing zusammen: Zu Gast war Domkapellmeister Professor János Czifra aus Salzburg mit seinem Domchor, dem Domorchester und vier namhaften Solisten mit durchwegs außergewöhnlicher Strahlkraft in der Stimme – Marcia Sacha (Sopran), Astrid Hofer (Alt), Virgil Hartinger (Tenor) und Bassist Christoph Schöffmann, der kurzfristig für Alexander Voronow eingesprungen war.


Das geistliche Programm umfasste die Werke von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) »Benedictus sit Deus« KV 117, Kirchensonate in F-Dur KV 224, »Regina Coeli« KV 276 und eine weitere Kirchensonate, die nicht auf dem Programm stand, und nach dem »Gloria« der Theresienmesse in B-Dur, Hob. XXII:12 von Joseph Haydn (1732-1809) als in einer Messe üblicher »Zwischengesang« eingeschoben wurde.

Anzeige

Die kulturelle Verbindung zu Salzburg bleibt bestehen

Pfarrer Ludwig Westermeier nahm in seiner Begrüßung Bezug zum Jahr 1816, als der Rupertiwinkel nach fast 1000-jähriger Zugehörigkeit zum Erzbistum Salzburg zu Bayern kam. Trotz der politischen Trennung seit 200 Jahren bestehe nach wie vor eine kulturelle Verbindung zu Salzburg. Westermeier zeigte sich erfreut, dass die Salzburger Dommusik nun schon zum dritten Mal in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Fridolfing zu Besuch war.

Mit bei diesen Klangkörpern gewohnter Professionalität boten die Sängerinnen und Sänger sowie die Musiker das Programm dar. Mozarts Kirchensonate in F-Dur wurde eingerahmt von zwei einsätzigen Chorwerken: »Benedictus sit Deus« und das »Regina Coelis«, das auf einer mittelalterlichen Marianen Antifon basiert und thematisch wunderbar zum, Mariä Himmelfahrt geweihten, Aufführungsort passte. Transparente Dialoge zwischen erster und zweiter Geige in der Kirchensonate, dynamische Kontraste zwischen Solisten und Chor, Spannungssteigerungen bis zum Forte in den höchsten Tönen – das waren die Zutaten Mozarts, die die Ausführenden genau im richtigen Quantum hinzufügten bis hin zu den augenzwinkernd vorgesehenen Vorhalten des Komponisten in der ersten Geige, die er sich selbst in einem geistlichen Werk wie »Regina Coeli« nicht verkniff.

Die Theresienmesse, so genannt, weil sie der Gattin von Franz II., Marie Therese, gewidmet sein soll, ist eine der sechs späten Messkompositionen Haydns, was sich am hohen Anspruch an alle Ausführenden zeigt. So erfreuten in den verschiedenen Messteilen etliche Fugen, zum Beispiel über das Kyrie oder im »vitam venturus est« im Credo. Oder es erklangen bemerkenswerte Koloraturen, wie etwa über das »Amen« im »Gloria«, ebenso wie harmonische Besonderheiten, wie im Credo bei »homo factus est« und »passus et sepultus est«, das delikat und empathisch von Sängern und Musikern dargeboten wurde.

Tänzerischer Dialog zwischen Chor und der Sopransolistin

Durch den Chor wogte eine Welle der Synergie, und das »Benedictus« geriet zum tänzerischen Dialog zwischen Chor und Sopransolistin. Das Fagott des Basso continuo im Orchester gab hierbei eine besonders bereichernde Klangfarbe ab.

Im Fortissimo begann das »Agnus Dei«, dessen melodische Linie schrittweise abwärtsging: Das ist ein Beispiel für musikalische Symbolik – »Lamm Gottes, das du trägst die Sünde der Welt, erbarme dich unser.« Vom Himmel soll das Erbarmen bis auf die Erde kommen.

Für die Choraufstellung hatte Czifra die Blockvariante gewählt, nach der jeweils ein Block von Frauenstimmen Tenor und Bass in einer halbmondförmigen Aufstellung umrahmte, sodass die Männer nicht hinter, sondern neben den Frauen standen. Dies diente einem akustisch wohl ausgewogenen Klang, der zum Schluss noch einmal traumhaft schön als meditativ-musikalisches Tongewebe im Kirchenraum erstrahlte, als Czifra zu Mozarts »Ave Verum« einsetzte. Es gab viel Jubel und Bravo für dieses herausragende Konzert. Brigitte Janoschka