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Die Jugend als große Herzenssache

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Immer mit vollem Einsatz bei der Sache: So erlebten die Tischtennis-Begeisterten in der Region Helmut Brunnauer – hier als Trainer zusammen mit Fabian Krüger bei der Eckart-Pokal-Endrunde 2007 in Bad Reichenhall. Der SV Oberteisendorf gewann unter Helmut Brunnauers Coaching. (Foto: Bittner)

Jeder, der in den letzten 30 bis 40 Jahren mit einem Tischtennisschläger in einem Verein unterwegs war, ist ihm sicher mindestens einmal begegnet: Helmut Brunnauer. Egal ob als aktiver Spieler, Trainer oder Funktionär in leitenden Ämtern – mit dem heute 76-Jährigen hatten alle Freunde des schnellen Sports mit dem kleinen weißen Ball früher oder später zu tun. Und das stets in freundschaftlicher, fairer und kollegialer Art und Weise.


Als Kreisvorsitzender oder später als Fachwart Mannschaftssport versuchte der Oberteisendorfer immer, mit einer klaren Linie und Haltung eine für alle Beteiligten bestmögliche Lösung zu erarbeiten: »Mein Bestreben war, es allen recht zu machen. Das klappte vielleicht nicht immer, aber durch den Dialog kamen wir am Ende gemeinsam meist zum gewünschten Ziel.« Keine leichte Aufgabe mit über 300 Mannschaften in gut 100 Vereinen. Zuletzt musste Helmut Brunnauer in einem erheblich größeren Verantwortungsbereich des Bezirks zur Mannschaftssaison 2018/19 der Erwachsenen alle Ligen neu einteilen.

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45 Jahre, von 1974 bis 2019, war Helmut Brunnauer für den heimischen Tischtennis-Kreis 15 Reichenhall/Traunstein (vor zwei Jahren in den Bezirk 16 Oberbayern Ost umreformiert) tätig. Genauso lange, von 1970 bis 2015, stand er aktiv an der Platte. Doch am meisten Freude bereitete ihm die Arbeit mit der Jugend: »Das hat mir viel Spaß gemacht. Mein größtes Anliegen war eine funktionierende Nachwuchsabteilung im Verein.« Mit Verein meint der in Salzburg geborene und in Adelstetten aufgewachsene Sportsmann seinen SV Oberteisendorf. Ihn hat er nie verlassen. »Ein Wechsel zu einem anderen Club stand für mich nie zur Diskussion.«

Mit seiner Ehefrau Karin baute er 1996 ein Haus in Rückstetten, in dem sie bis heute leben. Davor verbrachten sie die 1980er-Jahre in Traunstein. In der Großen Kreisstadt war Brunnauer Fußball-Trainer sowohl bei der DJK als auch beim ESV und arbeitete als Kataster-Techniker im Vermessungsamt. Seit 2006 genießen Karin und Helmut Brunnauer ihren Ruhestand. Nun gab er sein Amt im Tischtennis-Bezirk auf, weil die Zeit dafür »einfach reif war.«

Obwohl Brunnauer mit 26 Jahren erst spät so richtig mit dem Tischtennissport begann – noch während seiner Zeit als Coach der SVO-Kicker – machte er so manchem Kontrahenten auf der anderen Seite des grünen Tisches mit seinen Noppen- und »Anti«-Belägen das Leben schwer. Böse Zungen behaupten, das würde jedes »schöne Spiel« zerstören. Der Oberteisendorfer konterte Aussagen dieser Art souverän: »Mit diesen Belägen muss man erst mal spielen können. Ein Noppenbelag erfordert ein extrem zeitintensives Training.« Viel Raum zum Üben hatte Brunnauer – neben Beruf und Familie mit einer Tochter und einem Sohn – aufgrund seiner vielfältigen Aufgaben meist jedoch nicht. »Ich habe aber sowieso nie Tischtennis gespielt, um Titel zu sammeln oder möglichst viele Siege zu verbuchen.«

Das vermittelte er auch fortlaufend seinen Tischtennis-Kindern und -Jugendlichen. »Freilich verliert niemand gern, aber für mich standen immer ganz andere Ziele im Fokus – die gute Ausbildung des Nachwuchses.« Als Aktiver schaffte es Brunnauer selbst dennoch bis in die Bezirksliga und spielte bis zu seinem Abschied an der Platte in allen heimischen Ligen.

Darum schaut er zurecht mit Stolz auf seine Arbeit mit so vielen außergewöhnlichen Talenten beim SVO zurück: In seine 15-jährige Trainerzeit fiel der sagenhafte Jahrgang mit Florian Eckstein aus Ainring – er hat laut Brunnauer Profi-Potenzial und wechselte nun zu Regionalligist SV Haiming – Tobias Kohler, seinem Enkel Marcus Brunnauer, Michi Fellinger und David Leitner. All diese Spieler schafften es von der Mini-Meisterschaft bis in die Verbandsliga, in der Mannschaften aus Erding, Freising, Passau oder Cham auf Oberteisendorf warteten.

Mit Cian Angerpointner (spielte sogar beim FC Bayern München) und dem späteren Jugendleiter Ralf Enzensberger begann 2005 unter anderem die Ära von Brunnauers Jugendarbeit. Danach gingen neben den genannten Namen zahlreiche starke Tischtennis-Cracks »durch seine Hände«: Robert Gruber, Lukas Gimpel, später Stefan Steinhardt (heute SVO-TT-Abteilungsleiter), Stephan Thaler, Maxi Frank oder der schon verstorbene Patrick Petry. Der größte Jugend-Erfolg für den SVO war freilich der Gewinn der Bayerischen Pokalmeisterschaft 2012 mit Gimpel, Petry und Maxi Paul. Brunnauers letzte Saison als Nachwuchstrainer war jene 2018/19.

Frühe Verantwortung nach nur einem Jahr

Kurz nach der Gründung der Oberteisendorfer Tischtennis-Abteilung im Sommer 1970 trat Helmut Brunnauer der TT-Sparte im November bei und übernahm bereits 1971 zum ersten Mal den Abteilungsleiterposten. Dieses Amt hatte er bis 1975 inne. Seine zweite Amtszeit begann 1999 und endete 2002.

Sehr viel länger prägte seine Ära im Tischtennis-Kreis, die bereits 1974 als Kreisjugendwart begann. Zwei Jahre darauf war Brunnauer bereits Kreisvorsitzender und blieb es bis 1988. »Danach hatte ich fast jeden nur möglichen Posten irgendwann mal inne«, lacht er – Spielleiter diverser Ligen, Jugendleiter, zuletzt als Mannschaftssport-Fachwart. »Immer ehrenamtlich, weil mir das Spaß machte.« An seinem Sport liebt Helmut Brunnauer vor allem, dass es nicht nur um die Technik geht: »Du kannst kein guter Spieler sein, wenn du dich nicht geistig voll und ganz auf das Spiel konzentrieren und fokussieren kannst. Ein klarer Kopf ist im Tischtennis enorm wichtig.« Jahr für Jahr fuhr er zu den Austrian Open nach Wels, um sich von Boll, Ovtcharov & Co. »etwas abzuschauen« – vor allem auch die mentale Stärke der Profis.

Helmut und Karin Brunnauer genießen auch das Zusammensein mit der Familie inklusive dreier Enkel. »Durch meinen Abschied vom Tischtennis habe ich jetzt auch wieder mehr Zeit für meine Papageienzucht«, sagt er zufrieden. Er weiß jedoch, dass ein knallharter Schnitt nicht sein Ding ist: »Ich werde schon noch ab und zu in der Halle vorbeischauen.« Vor allem die 1. Mannschaft, die seit vielen Jahren in der Bezirksliga aufschlägt – mit einigen seiner ehemaligen Jugendlichen – ist ihm ans Herz gewachsen. Für den einen oder anderen Rat werden sie beim SVO ohnehin nach wie vor dankbar sein. bit