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Die »Kleine Hexe« ganz groß

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Die Kleine Hexe in Aktion. 127 Jahre Hexenerfahrung zahlen sich eben aus. (Foto: Landestheater)

Zum 60. Geburtstag machte das Salzburger Landestheater der »Kleinen Hexe« von Otfried Preußler ein ganz besonderes Geschenk. Die neue Bühnenbearbeitung von John von Düffel wurde in bunter Verpackung (Bühne und Kostüme: Peter Engel), in optimaler Besetzung (Kleine Hexe: Elisa Afie Agbaglah und Rabe Abraxas: Marco Dott) unter der Regie von Jimena Echeverri Ramire uraufgeführt.


Das »neue Gewand« steht der 127 Jahre alten Kleinen Hexe sehr gut. Ihr ungebrochener Charme wird mit flotten Sprüchen, neuem Zauber und zeitgemäßen, an den Hiphop angelehnten Tanzchoreografien, bereichert. Verzaubert fühlten sich gewiss nicht nur die Kinder in den Rängen. Die fantasievolle Ausgestaltung der kindgerechten Inszenierung löst gerade durch ihre schnörkellose, fast puristische Umsetzung generationsübergreifend Begeisterung aus. Geschmackvolle Bilder märchenhafter Szenerien macht Erwachsene zu Kindern und Kinder zu »altklugen« Erwachsenen: »Große« fühlten sich wieder klein und »Kleine« fühlten sich groß.

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So auch die Kleine Hexe: Dass sie mit 127 Jahren noch zu jung ist, um in der Walpurgisnacht mit den großen Hexen mitzutanzen, erregt ihr aufmüpfiges Gemüt. Tagtäglich hext sie, übt fleißig Zaubersprüche, »ver-hext« sich nur ganz selten und soll trotzdem nicht »bereit« sein, am großen Hexenevent teilzunehmen. Gegen den gut gemeinten Rat ihres Raben Abraxas fliegt sie mit ihrem Besen los, um heimlich am Walpurgistanz teilzunehmen. Munter mischt sie sich in den irren Tanzreigen der Althexen. Dumm nur, wenn man erwischt wird und die bittere Strafe auf den Fuß folgt: »Besenentzug«. Einziger Lichtblick auf ihrem langen Fußmarsch nach Hause: Man hat ihr in Aussicht gestellt, nach bestandener Hexenprüfung im kommenden Jahr, ganz offiziell auf dem Blocksberg mittanzen zu dürfen.

»Werde eine gute Hexe!«, ermahnte sie die Oberhexe (Genia Maria Karasek). Wie aber wird man »gute Hexe«, fragt sie Abraxas. »In dem du Gutes tust, nicht Böses«, kräht der Rabe zur Antwort. Also ran, ans »gute Hexenwerk«: Die Kleine Hexe wird zur Wohltäterin, hilft bedürftigen Menschen, wo sie kann, wehrt Unglück ab und verhext böse Menschen in Gute. Dabei gewinnt sie selbst immer größeres Vergnügen an ihrem »guten Hexentaten« und treibt manch lustigen Schabernack, über den sich das junge Publikum unbändig amüsiert. Auch, dass die Kleine Hexe auffällig unauffällig verfolgt, ja förmlich überwacht wird, entgeht den aufmerksamen Kindern nicht.

Im weiteren Spielverlauf erfahren die Kinder, was es mit dem »Freitags-Hex-Verbot« auf sich hat, und wieso die hinterhältige Hexe Rumpumpel (Julienne Pfeil) die Kleine Hexe bei der Oberhexe verpetzt. Hat sie sich etwa falsch vorbereitet, die falschen Hexensprüche gelernt oder sich sonst eines bösen Vergehens schuldig gemacht? Dass sie alle 999 Seiten des Hexenzauberbuchs auswendig kann, soll ihr aber letztlich den Kragen retten. »Nur schlechte, böse Hexen, sind gute Hexen«, donnert die Oberhexe nach der Hexenprüfung.

»Manchmal«, entgegnet die kleine Hexe selbstbewusst, »muss man Gutes tun, indem man Bösen Schlechtes tut«, wehrt sich die Kleine Hexe gegen die zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit der Hexenobrigkeit. Es gibt keine bösen Hexen mehr, erfahren die Kinder erleichtert bei ihrem Theaterbesuch. Das Gute, sei es auch noch so »klein«, kann über das Böse siegen. Mit dieser Inszenierung, rassigen Tanzchoreografien (Kate Watson), gut gesungenen Liedern, zauberhafter Kostüm- und Bühnenausstattung, magischen Überraschungseffekten und nicht zuletzt einem grandios auftretenden Schauspielensemble, welches mit feurig-pfeffrigem Spieleifer und großartiger Körperarbeit kaum Luft nach oben lässt, setzt sich das Salzburger Landestheater von jedem Mittelmaß ab.

Keine »Kleine« Hexe! Nein, ganz großes Hexenwerk. Ein unbedingt empfehlens- und sehenswertes Theatervergnügen für die ganze Familie, gar nicht böse, einfach nur gut! Viele kleine und große Hände wurden des Klatschens nicht müde. Die Kleine Hexe ist noch bis zum 18. Januar 2018 zu erleben. Spielplan, Karten und Information unter service@salzburger-landestheater.at. Kirsten Benekam

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