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Die Kunst der Konzentration und Motivation

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Leonie Trips, 2. Geige, aus Traunstein und Maximilian Schellenberger, Horn, Sohn des bekannten Oboisten Hansjörg Schellenberger aus Aschau. (Foto: Marco Frei)

Leonie Trips hat derzeit einen dichten Terminkalender. Am Montag flog die 16-jährige Geigerin aus Traunstein in die USA, um für ein halbes Jahr an einem Schüleraustausch mitzumachen. Noch am Abend vor der langen Reise saß sie im Münchner Herkulessaal, um unter der Leitung des Dirigenten Mariss Jansons vom BR-Symphonieorchester die Sinfonie Nr. 9 »Aus der neuen Welt« von Antonín Dvorák aufzuführen.


Seit einem Jahr ist Leonie Trips jetzt Mitglied des Bayerischen Landesjugendorchesters (BLJO). Das Ensemble setzt sich aus jungen Spitzenmusikern aus allen Teilen Bayerns zusammen. Vor zehn Jahren haben die BR-Symphoniker eine Patenschaft für das BLJO übernommen. Zum fünften Mal hat jetzt Jansons persönlich mit dem Nachwuchs gearbeitet, zuletzt tat er es vor vier Jahren. Das jetzige Projekt sollte bereits im Juni stattfinden, Jansons musste aber krankheitsbedingt absagen. Umso intensiver wurde jetzt am Wochenende an der Neunten von Dvorák gewerkelt und gefeilt. »Natürlich hatten wir uns vorher mit einem sehr guten Dirigenten auf das Projekt mit Jansons vorbereitet. Vor den Proben war auch bekannt, was er grundsätzlich haben möchte – die Dynamik und so. Er wusste ganz genau, wie was klingen soll. Aber was seine Arbeit sehr prägt, das sind seine Motivation und Konzentration. Das überträgt sich auch auf uns. Und dadurch sehen wir, dass er uns wirklich respektiert. Umso größer ist unser Respekt für ihn – eben nicht nur, weil er ein berühmter Dirigent ist«, sagt die junge Traunsteinerin.

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Ähnlich sieht es Maximilian Schellenberger aus Sachrang bei Aschau. Der Sohn des bekannten Oboisten Hansjörg Schellenberger, der wiederum lange bei den Berliner Philharmonikern war und in der Region bestens bekannt ist, mischte ebenfalls mit. Beim Probenwochenende unter Jansons blies Maximilian Schellenberger ins Horn. »Mir ist vor allem aufgefallen, dass Jansons sehr auf Bögen schaut, dass man nicht einzelne Takte spielt, sondern wirklich phrasiert und weiterführt. Man muss sehr auf die anderen Instrumente achten.«

Deswegen seien viele Details ganz anders geworden, als es vor Jansons geprobt wurde, verrät der 19-Jährige. »Einige Übergänge der Tempi waren anders, auch der Gesamtklang war differenzierter in den Farben und der Dynamik – gerade auch beim Schlussakkord der Neunten. Er ließ die einzelnen Instrumentengruppen unterschiedlich aufhören, womit plötzlich andere Klangfarben entstanden sind. Und weil er an Bögen arbeitet, gibt es vielleicht noch ein größeres Netz an Klängen.« Was vom Probenwochenende hängen bleibt? »Jansons hat uns gesagt, wir sollten engagiert und motiviert musizieren – so wie die BR-Symphoniker.«

Für Maximilian Schellenberger ist das ein großer Anstoß, um selber mit viel Freude, Motivation und Gelassenheit zu musizieren. Deswegen hat ihn das Probenwochenende in seiner Entscheidung bestärkt, doch Musik studieren zu wollen, obwohl er bereits ein Studium in Sportwissenschaften angefangen hatte. Ob Leonie Trips später einmal Geigerin werden möchte, weiß sie noch nicht. Ein Medizinstudium kann sie sich auch vorstellen. »Aber ich werde für mich versuchen, genauso konzentriert zu arbeiten und Einzelheiten zu definieren wie jetzt unter Jansons.« Marco Frei