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Die Laptop-Oma feierte 90. Geburtstag

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Auch im hohen Alter ist Anna Zunhammer noch täglich mit dem Fahrrad unterwegs. Die Traunwalchnerin feierte jetzt ihren 90. Geburtstag. (Foto: Rasch)

Traunreut – Ausgerechnet kurz vor ihrem 90. Geburtstag ist Anna Zunhammer aus Traunwalchen ausgerutscht und hat sich eine schmerzhafte Schulterblattverletzung zugezogen. Deshalb musste die ehemalige Seniorchefin der Zunhammer GmbH den zahlreichen Gratulanten am Geburtstag eine herzliche Umarmung ausschlagen. Sichtlich gerührt war sie über das Geburtstagsständchen der Blaskapelle, die mit 26 Musikanten aufmarschierte. »Des hod mi g'scheit g'freit.« Zum Gratulieren kam auch Bürgermeister Klaus Ritter.


Die Schulter schmerzt zwar immer noch, aber sonst geht es ihr gesundheitlich gut. »Ich bin fit und kann mich nicht beklagen«, sagte sie dem Traunsteiner Tagblatt. Wichtig sei, immer in Bewegung zu bleiben. »Beweglich bleibt man nur, wenn man was unternimmt.« Bis vor rund zwei Jahren war sie noch regelmäßig beim Seniorenturnen, das sie aufgrund einer Herzoperation vorerst zurückstellen musste. »Ich überlege aber, ob ich wieder rauf gehe in die Turnhalle.«

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Ihre große Leidenschaft ist das Radfahren. Touren »ohne Strom« nach Altötting oder Maria Eck waren bis vor einigen Jahren kein Problem für sie. »Mit dem E-Bike ist es jetzt schon eine Erleichterung«, gibt sie zu. Mittlerweile ist sie etwas kürzer getreten, hat sich aber zum Ziel gesetzt, jeden Vormittag und Nachmittag zehn Kilometer zu schaffen. Ob auf zwei oder vier Rädern, mobil zu sein, ist ihr wichtig. So möchte sie auch auf das Auto keineswegs verzichten: »Ich denke gar nicht daran, mit dem Autofahren aufzuhören und das lass ich mir auch nicht verbieten«, betont sie selbstbewusst. »Ich habe das Glück, dass, wenn ich mir was einbilde, mir meine Kinder nicht drein reden.«

Auch geistig fit zu sein, ist für die die mehrfache Oma und Uroma wichtig. So belegte sie im hohen Alter bei der VHS einen mehrjährigen Englischkurs, um mit einem ihrer Enkel in London zu korrespondieren. Auf Englisch versteht sich. Auf ihrem Laptop erledigt sie auch ihre private Buchhaltung und erkundigt sich im Internet nach Radtouren oder nach dem Wetter. Von ihrer Familie wird sie deshalb auch scherzhaft Laptop-Oma genannt.

Unter ihrer Regie hat sich auch der Frauenverein Traunwalchen zu einem der größten Ortsvereine entwickelt. Acht Jahre war sie Vorsitzende und hat mit ihrem Team Ausflüge und andere Aktivitäten organisiert. Als überzeugter Vereinsmensch unterstützt sie viele andere Ortsvereine und lässt keinen Ausflug aus.

Geboren in Höhenstetten (Gemeinde Palling) hat sich Anna Zunhammer, gebürtige Grafetstätter, seit frühester Kindheit durchboxen müssen. Als ältestes von drei Geschwistern in Katzwalchen aufgewachsen, musste sie schon früh am Hof mitarbeiten. Nach der Volksschule in Palling hatte sie auch schon eine Lehrstelle als Näherin. Doch die viele und schwere Arbeit am Hof ließ es nicht zu auf sie zu verzichten: »Ich wäre gerne Naderin geworden, aber du hast ja folgen müssen.«

Die harte Arbeit von Kindesbeinen an und große Verantwortung, die ihr von früh auferlegt wurden, haben ihre Persönlichkeit geprägt: »Gut möglich, dass ich deshalb ein sehr selbstbewusster Mensch geworden bin«, gibt sie zweifelsohne zu.

1950 lernte sie Sebastian Zunhammer kennen und zog nach der Heirat nach Traunwalchen. Dort erwartete sie eine weitere große Aufgabe. »Wir haben in einem kleinen Häusl mit einer Werkstatt gewohnt«, erinnerte sie sich. Ihr Mann, der 2003 mit nur 73 Jahren verstorben ist, war zu dieser Zeit als Hausierer unterwegs und verkaufte selbst gebaute Fleischkübel, Krautfassl und selbst entwickelte Jauchefässer aus Holz. Für letztere reichte er dann das Patent ein und so nahm die Entwicklung der Zunhammer GmbH Gülletechnik ihren Lauf, die heute internationalen Ruf genießt.

Anna Zunhammer hat bis zu ihrer Pensionierung immer im Betrieb mitgearbeitet und nebenbei vier Kinder, drei Söhne und eine Tochter, groß gezogen. Mittlerweile ist die Familie um 13 Enkelkinder und 14 Urenkel angewachsen. Die Oma und Uroma ist sich sicher: »Des wern no mehra.« ga