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Die Leerstellen bei den Lehrstellen

Berchtesgaden - Immer mehr Betriebe im Landkreis Berchtesgadener Land suchen händeringend nach Lehrlingen. Der »Anzeiger« hat sich in den Unternehmen im Talkessel umgehört, wie sie mit der Situation umgehen:

Verwaiste Ausbildungsplätze: Auch im Berchtesgadener Land suchen viele Betriebe verzweifelt Lehrlinge. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Der Heizungs- und Sanitärbetrieb Pretzsch in Berchtesgaden bildet regelmäßig junge Menschen aus. Um Nachwuchs zu gewinnen, bietet die Firma einiges an. »Regelmäßig schauen Schulklassen bei uns vorbei, um sich den Betriebsablauf anzuschauen«, so Horst Pretzsch, Geschäftsführer, »in der Mittelschule müssen die Schüler auch ein einwöchiges Praktikum machen, weshalb wir regelmäßig Praktikanten aufnehmen.« Die Wahl des richtigen Azubis fällt dennoch schwer, weil qualifizierte Lehrlinge seltener werden. »Einen guten Lehrling zu finden wird immer schwieriger. Damit meine ich nicht maßgeblich die Zeugnisnoten, sondern auch die Arbeitsmotivation und das Erscheinungsbild der Auszubildenden«, resümiert Pretzsch. Auch wenn der Notendruck nicht ganz so hoch ist, so müsse doch eine Grundkompetenz da sein. Pretzsch hatte sogar für einen Azubi, dessen Noten in der Berufsschule nicht befriedigend waren, extra Nachhilfeunterricht organisiert. Doch der Lernwille war nicht da, der Lehrling wurde nicht übernommen.

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Bei »psm protech« in Marktschellenberg wird ebenfalls Wert auf persönlichen Kontakt zu den neuen Bewerbern gelegt. Maria Wagner, Marketing- und Personalleiterin, verrät, auf was es in der Firma ankommt: »Der Mensch ist uns extrem wichtig. Die Schulnoten werden natürlich angeschaut, aber besonders das menschliche Können und die Liebe zur Aufgabe stehen im Vordergrund.« Auch was die Bewerbungen betrifft, ist sie zufrieden. »Für das Ausbildungsjahr 2014 sind bereits erste Bewerbungen eingetroffen. Auch dieses Jahr konnten für den Ausbildungsbeginn im September bereits die meisten Stellen besetzt werden.« Die Firma bildet im technischen sowie im kaufmännischen Bereich aus und trifft damit einen großen Teil von Berufswegen, der junge Menschen interessiert. Die Förderung der einzelnen Mitarbeiter steht im Vordergrund.

Das Autohaus Moderegger hatte in den letzten Jahren eine kleine Durststrecke, was Auszubildende angeht: »Wir hatten bisher immer fünf Lehrlinge im Haus, aber in den letzten Jahren war es schwierig, die Plätze aufzufüllen. Gott sei Dank haben wir jetzt wieder genügend Bewerbungen«, so ein Sprecher des Autohauses in Bischofswiesen.

Es gibt auch Berufe, die man noch nicht lange in einer Ausbildung erlernen kann. Zum Beispiel den des Bestatters. Johannes Lackner von der Trauerhilfe Lackner & Fegg bestätigt, dass es im Berchtesgadener Land keine Bestatter gibt, die junge Menschen in dem Beruf ausbilden. »Der Beruf ist erst seit ein paar Jahren ein Ausbildungsberuf. Um auszubilden, muss man einen Meistertitel haben, den gibt es aber in Bayern noch nicht überall. Unsere Arbeitskräfte werden angelernt.«

Auch handwerkliche Betriebe, die nicht ganz so bekannte Berufsrichtungen ausbilden, leiden unter dem Azubimangel. Peter Seiberl von der Quittenbaum GmbH in Schönau am Königssee, die Präzisionswerkzeuge herstellt, kämpft ebenso um neue Lehrlinge. »Dieses Jahr haben wir Gott sei Dank wieder einen. Vor zwei Jahren haben wir das erste Mal Azubis aufgenommen, aber es ist schwer, Nachwuchs zu bekommen.« Gründe, warum so wenig Interesse besteht, findet er keine. Auch hier ist das Zeugnis eher zweitrangig. »Die Bewerber müssen zuerst zum Probearbeiten. Dabei sind das Erscheinungsbild und das Verhalten im Betrieb wichtiger als die Noten.« Trotzdem merkt auch er, dass die schulischen Leistungen abnehmen. »Besonders in Mathe werden die Zensuren immer schlechter. Das ist allerdings auch nicht gut für unseren Beruf, in dem auch die Theorie eine wichtige Rolle spielt. Und Mathe ist da eben ein Teil davon.«

Weitere Informationen über verschiedene Berufe gibt es auf berufenet.de, dem Online-Angebot der Bundesagentur für Arbeit. Hier werden sämtliche Berufe steckbriefartig erklärt und der Ausbildungsweg vorgestellt. Ines Burkhardt