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Abschlussfeier der CJD-Realschule im Gasthaus »Unterstein«

Die letzten der alten Schule

Schönau am Königssee – Mit einem Gottesdienst, der feierlichen Zeugnisübergabe im Gasthaus »Unterstein« und dem anschließenden Beisammensein vor und in ihrer nun ehemaligen Schule begingen die 72 Absolventinnen und Absolventen der CJD-Realschule am Samstag ihren Schulabschluss.

Die Absolventen mit einer Eins vor dem Komma (v.l.): Genoveva Huber (1,9), Gerhard Schöne (1,9), Barbara Häusser (1,4), Johanna Kleinert (1,7), Sina Renoth (1,9), Simon Grüsser (1,6) und Maximilian Menning (1,9). Foto: Anzeiger/Schüssler

Vier Tage nach den großen WM-Feierlichkeiten in Berlin gab es am Samstag auch in der Schönau eine »Siegesfeier«. So bezeichnete der stellvertretende Schulleiter der CJD-Realschule, Erich Güll, das Abschlussfest. Beim Neubau der Schule sei man kostenbewusst vorgegangen, so Güll, weshalb die eigene Aula zu klein für eine derartige Veranstaltung sei. Die Teilnahme zahlreicher Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben betrachte er als ein Zeichen der Wertschätzung für die Schüler. An die Absolventen gewandt meinte er mit Blick auf die Herausforderungen des Lebens: »Die Qualifikation habt's, jetzt geht's an die Endspiele.«

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Landratsstellvertreter Rudolf Schaupp sprach den Absolventen seinen Respekt für ihren Abschluss aus. Der Schule gratulierte er zum Neubau oberhalb des Schönauer Fußballplatzes. Die Berufswelt warte auf gut ausgebildete junge Menschen, so Schaupp. Den Absolventen riet er, sich vor Vereinsamung in der digitalen Welt zu hüten und sich politisch und sozial zu engagieren.

Im Namen der fünf Gemeinden des Talkessels gratulierte Hausherr Hannes Rasp den Schülern. Der 2014er-Jahrgang sei ein besonderer, sagte er, denn er sei der erste, der seinen Abschluss im neuen Gebäude gemacht habe. Er sei sich sicher, dass die Absolventen einmal positiv an diese Zeit zurückdenken würden: »In einigen Jahren hat man die schlechten Sachen vergessen und die schönen bleiben in Erinnerung.« Vorerst wünsche er aber nach der anstrengenden Prüfungszeit schöne Ferien: »Hauts moi an Gscheiden drauf, des ghert dazua.«

Peter Hasenknopf gratulierte im Namen von Elternbeirat und Förderverein. Ein hartes Stück Arbeit – auch für die Eltern – sei nun vollbracht, sagte er. Er erinnerte an den Einzug in das neue Gebäude mit Blasmusik am 28. Februar dieses Jahres und wünschte den Absolventen alles Gute. »An Selbstvertrauen scheint's euch nicht zu mangeln«, sagte er mit Blick auf den Abschlussball, den die Schüler bereits vor zwei Wochen, noch vor der Notenbekanntgabe, veranstaltet hatten.

Schulleiter Wolfgang Greiner überreichte den 72 Absolventen zusammen mit den jeweiligen Klassenleitern Michael Storch, Andreas Redolfi sowie Volker Dierauf in Vertretung von Heike Wiesmayr ihre Zeugnisse. In einer kurzen Ansprache bedankten sich die Schülersprecher Simon Grüsser und Lisa Roth anschließend bei Lehrern und Eltern für die Unterstützung.

Greiner warf in seinem Schlusswort einen Blick auf das letzte Schuljahr seiner Absolventen. Nachdem ihn im Oktober schlechte Meldungen über das Benehmen einiger Schüler während eines Italienaufenthalts erreicht hätten, hätten sich von Oktober bis Juni gute und schlechte Nachrichten abgewechselt. Mehrere Krisensitzungen habe es wegen Cybermobbings unter den Schülern gegeben. Auf dem Heimweg vom Abschlussball schließlich habe der Schulleiter ein gut organisiertes Fest mit guter Stimmung und tollen Gesprächen in Gedanken Revue passieren lassen und mit sich selbst wegen seines Misstrauens geschimpft.

Zuversichtlich hätten ihn auch die Einzelgespräche mit den Absolventinnen und Absolventen gestimmt, von denen alle 72 einen genauen Plan hätten, was sie mit ihrem Abschluss machen wollten. Er rief sie dazu auf, sich in ihren Betrieben für ihre Kollegen und den sozialen Zusammenhalt zu engagieren. Lohn sei keine Gegenleistung für Arbeit, sondern deren Grundlage. Für ein glückliches Arbeitsleben sei laut dem Harvard-Professor Howard Gardner entscheidend, nach den drei großen »E« zu streben: Exzellenz, Ethik und Engagement. Wer zudem die drei englischen »M« beherzige, seine »mission« und »models« hinterfrage und hin und wieder einen kritischen Blick in den »mirror« werfe, der könne nicht viel verkehrt machen. Greiner ermunterte seine Absolventen, ihr eigenes Ding zu machen, ohne dabei das Augenmaß zu verlieren. Manche Dinge im Leben könne man nicht ändern, so der Schulleiter, die Kunst bestehe darin, den richtigen Umgang mit ihnen zu finden: »Leben heißt, dem Leben nicht aus dem Weg zu gehen«. Markus Schüssler