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Die Liebe ist ein seltsames Spiel

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Sie präsentierten in einer szenischen Lesung die Curt-Goetz-Komödie »Ingeborg«: (von links) Brigitte Walbrun, Holger M. Wilhelm, Daniela März, Bernhard Ulrich und Claus Steigenberger. (Foto: Heel)

Für unzählige Zuschauer nicht nur in Bayern ist sie längst Kult: die Familienserie »Dahoam is Dahoam«, die seit 2007 vom Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt wird und derzeit täglich von Montag bis Donnerstag ab 19.30 Uhr zu sehen ist.


Angesiedelt im fiktiven bayerischen Dorf »Lansing«, werden darin die Geschichten der Bewohner erzählt, mit dem »Brunnerwirt« als Mittelpunkt des Dorfgeschehens. Die Brunners bilden zugleich den Haupthandlungsstrang der Serie, denn im »Brunnerwirt« treffen sich Jung und Alt, um über Probleme und Neuigkeiten aller Art zu sprechen. Die größten Familien von Lansing sind neben den Brunners die Kirchleitners und die Preissingers. Sie bilden den inneren Kern, der sich in jeder der halbstündigen Folgen wiederfindet.

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Jetzt waren mit Brigitte Walbrun (Rosi Kirchleitner), Bernhard Ulrich (Hubert Kirchleitner) und Holger M. Wilhelm (Gregor Brunner) drei der Hauptdarsteller sowie die vor einiger Zeit ausgeschiedene Daniela März (Maria Brunner) zu Gast in der sehr gut besuchten Traunsteiner Kulturfabrik NUTS, wo sie in einer szenischen Lesung die Curt Goetz Komödie »Ingeborg« präsentiert haben. Allerdings nicht im Dialekt, wie von manchem erwartet, sondern in Hochsprache. Als Erzähler und ein Diener namens Konjunktiv fungierte dabei der Schauspieler und Regisseur Claus Steigenberger.

Bereits 1921 uraufgeführt, handelt es sich bei dem Stück um eines der ersten abendfüllenden Bühnenwerke des 1888 in Mainz geborenen und 1960 in der Schweiz verstorbenen Schriftstellers, zu dessen bekanntesten Werken »Das Haus in Montevideo« und »Dr. med. Hiob Prätorius« zählen. Zwar bietet das Stück wenig Handlung, dafür aber viele spritzige Dialoge und Wortgefechte. Im Mittelpunkt steht dabei die junge, lebenslustige Ingeborg, glänzend gespielt von Daniela März, die glücklich auf dem Gut ihres leicht zerstreuten, Käfer sammelnden Ehemanns Ottokar (Bernhard Ulrich) lebt. Mit im Haus wohnt auch Tante Ottilie (Brigitte Walbrun), trinkfest und nie um eine Lebensweisheit à la »Man sollte nie die Gelegenheit verpassen, den Mund zu halten« verlegen.

In diese Familienidylle platzt eines Tages Peter (Holger M. Wilhelm), der seit Langem für Ingeborg schwärmt. Ingeborg verliebt sich bald in den charmanten, weltoffenen Mann, will ihren Mann aber nicht aufgeben. Unsicher, wie sie mit der Situation umgehen soll, fragt sie Tante Ottilie: »Was meinst du, Tante Ottilie! Soll ein Mann seine Frau auf die Probe stellen?« – »Niemals, mein Kind. Es wäre immerhin möglich, dass sie die Probe besteht.« Kompliziert wird die Geschichte dadurch, dass Ottokar seinen Rivalen recht sympathisch findet und sogar Freundschaft mit ihm schließt. Ingeborg sucht wieder Rat bei Tante Ottilie, die lapidar meint: »Die Frau bleibt bei dem Mann, den sie lieb hat, und mit dem anderen hat sie eine Liaison«. Während einer Party, bei der reichlich Erdbeer-Bowle genossen wird und im Wortgefecht zwischen Ottokar und Peter Artikulation und Satzbau den Bach runtergehen, soll Ingeborg dann ihre Entscheidung treffen. Wie ihr Spaziergang mit Peter, bei Mondschein im Park, letztlich ausgeht, bleibt jedoch der Fantasie des Publikums überlassen.

Vermutlich fast ebenso interessant wie die Aufführung selbst war für die Besucher die Gelegenheit, anschließend mit den Schauspielern ins Gespräch zu kommen, wobei alle vier freundlich und geduldig auf die vielen Fragen und Autogrammwünsche eingingen.

Wolfgang Schweiger